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Supermarkt-Fusion Rewe-Chef torpediert Edeka und Tengelmann

Mit einem offenen Brief will Rewe-Chef Alain Caparros die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka verhindern. Er umgarnt die Gewerkschaft – und hat doch nur Minister Gabriel im Blick.
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„Wir bieten die weitaus bessere Perspektive für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kaiser’s Tengelmann.“ Quelle: dpa
Rewe-Chef Alain Caparros

„Wir bieten die weitaus bessere Perspektive für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kaiser’s Tengelmann.“

(Foto: dpa)

Düsseldorf Mit aller Macht versucht Rewe-Chef Alain Caparros den geplanten Zusammenschluss der Konkurrenten Edeka und Kaiser’s Tengelmann zu torpedieren. In einer ganzseitigen Zeitungsanzeige, in der er Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub direkt anspricht, warnt er davor, dass die Macht des Marktführers Edeka nach einer Übernahme von Kaiser’s Tengelmann weiter wachsen würde – „zulasten des Wettbewerbs, der Kunden und der Lieferanten“. Und er macht sehr weitgehende Zusagen für die Mitarbeiter und die Sicherung der Arbeitsplätze, falls sich Haub doch noch zu einem Verkauf an Rewe entschließen sollte.

Die Attacke kommt für Tengelmann zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Das Kartellamt hat die Übernahme durch Edeka bereits untersagt. Nun hoffen die beiden Unternehmen, dass sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel mit einer Ministererlaubnis über das Votum der Wettbewerbshüter hinwegsetzt. Ihr Argument: Nur so könnten alle 16.000 Arbeitsplätze bei Kaiser’s Tengelmann gerettet werden. Eine Alternative dazu gebe es nicht.

Haubs Problem: Nicht einmal die Arbeitnehmer kaufen ihm diese Argumentation ohne weiteres ab. So hat die Gewerkschaft Verdi an diesem Dienstag erneut eine „nachhaltige Beschäftigungsgarantie“ für alle Mitarbeiter gefordert. Bisher gebe es keine derartige rechtsverbindliche Zusicherung von Edeka, kritisierte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Daran ändere auch ein am Wochenende bekanntgewordener Brief des Edeka-Chefs Markus Mosa an die Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Kaiser's Tengelmann nichts. Die darin gemachten Zusicherungen nannte sie „unverbindliche, geradezu wolkige Absichtserklärungen“. Zuvor hatte auch schon ein Teil des Betriebsrats von Tengelmann in einem Brief an Haub Bedenken angemeldet.

Deals, die zum Fall für den Wirtschaftsminister wurden
Genehmigung: Veba/Gelsenberg, 1974
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Die erste jemals erteilte Ministererlaubnis nach Einführung der Fusionskontrolle betraf den Energiesektor: Die Veba AG, 1929 als Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks AG gegründet, wollte den Mineralölbereich der Gelsenberg AG übernehmen. Das Bundeskartellamt untersagte den Zusammenschluss der Konzerne, doch der Wirtschaftsminister gab ihn am 1. Februar 1974 mit einer Ausnahmeerlaubnis frei.

Die Ministererlaubnis wurde in der Geschichte der Bundesrepublik bisher erst acht Mal Realität.

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

(Foto: ap)
Genehmigung: Babcock/Artos, 1976
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Die Erlaubnis kann nur der Bundeswirtschaftsminister erteilen. Voraussetzung dafür ist nach Paragraf 24 des Kartellgesetzes, dass „die gesamtwirtschaftlichen Vorteile“ die Wettbewerbsbeschränkungen aufwiegen oder der Zusammenschluss durch ein „überragendes Interesse der Allgemeinheit“ gerechtfertigt ist.

Doch schon bei der dritten Entscheidung schätze der Wirtschaftsminister die Lage offenbar falsch ein: Hans Friederichs gab 1976 dem Babcock-Konzern (später Babcock Borsig) die Erlaubnis zur Übernahme des Maschinenbauers Artos. Friderichs entschied damals entgegen der Warnungen des Bundeskartellamtes und auch der Monopolkommission. Friederich gab den „Erhalt von Arbeitsplätzen in strukturschwachen Regionen“ als Grund für seine Sondererlaubnis an. Doch kaum ein Jahr später kündigte Babcock-Artos Hunderten von Mitarbeitern.

(Foto: ap)
Genehmigung: Thyssen/Hüller, 1977
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Nicht nur der Erhalt von Arbeitsplätzen kann als Begründung für eine Ministererlaubnis herhalten. Auch wenn es um die Sicherung von technologischem Know-how geht, kann Berlin das Kartellamt überstimmen. Das war im Fall von Thyssen/Hüller im Jahr 1977 der Fall. Der Bundeswirtschaftsminister bejahte das Allgemeininteresse an der Erhaltung der konkursgefährdeten Hüller Hille GmbH und erteilte eine Teilerlaubnis. Thyssen durfte das Unternehmen übernehmen.

(Foto: Reuters)
Genehmigung: Veba/BP, 1979
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Der Eon-Vorgängerkonzern Veba bekam 1974 die erste Ministererlaubnis zur Übernahme von Gelsenberg. Doch nur fünf Jahre später war vom „überragenden Interesse der Allgemeinheit“ an diesem Deal offenbar nicht mehr viel übrig: Die Veba reichte die Gelsenberg-Beteiligung 1979 an BP weiter. Mit Billigung des Wirtschaftsministers, aber unter Auflagen.

(Foto: ap)
Genehmigung: IBH/Wibau, 1981
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1981 war der Wirtschaftsminister erneut gefragt, als die IBH-Gruppe des windigen Firmenjongleurs Horst-Dieter Esch (im Bild) den Betonpumpen-Hersteller Wibau übernehmen wollte. Die Entscheidung endete in einem Fiasko. Otto Graf Lambsdorf überstimmte die Bedenken des Kartellamtes per Ministererlaubnis. Der FDP-Politiker sah in der internationalen Konkurrenzfähigkeit des Esch-Konzerns einen „gesamtwirtschaftlichen Vorteil“, der „im überragenden Interesse der Allgemeinheit“ liege. Doch siehe da: Keine zwei Jahre später war die IBH-Wibau-Gruppe pleite und Esch wurde wegen Untreue und aktienrechtlicher Verstöße verurteilt. Er saß dreieinhalb Jahre ab. Wibau-Chef Spicka wurde gar wegen Betrugs und Bilanzfälschung zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

(Foto: picture-alliance / dpa)
Genehmigung: Daimler-Benz/MBB, 1989
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1989 gelang es Daimler, die Fusion mit dem Luft- und Raumfahrtkonzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) durchzusetzen. FDP-Wirtschaftsminister Helmut Haussmann verband die Genehmigung aber mit großen Auflagen. Das sorgte für Unmut bei der Opposition: SPD-Vertreter drohten, gegen die Entscheidung vor Gericht zu ziehen.

(Foto: dapd)
Genehmigung: Eon/Ruhrgas, 2002
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Eon pokerte hoch – und gewann: Nach monatelangem Verhandlungen einigte sich der Energiekonzern 2002 außergerichtlich mit allen Gegnern der Fusion mit Ruhrgas. Der Wirtschaftsminister genehmigte mit Auflagen. Das Bundeskartellamt und die Monopolkommission hatten die Fusion zwar abgelehnt - sie hielten die Gefahr für den freien Wettbewerb für zu hoch -, doch Experten befürworteten den Deal. Eon als auch Ruhrgas würden international gestärkt, hieß es. Zehn Jahre nach der Übernahme war der Name Ruhrgas verschwunden.

(Foto: dpa)

Genau an diesem wunden Punkt setzt jetzt Rewe-Chef Caparros an. In seiner Anzeige, die auch im Handelsblatt erschienen ist, erklärt er: „Wir bieten die weitaus bessere Perspektive für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kaiser’s Tengelmann.“

Appell an den Tengelmann-Chef

Diese Händler machen Deutschland satt
Platz 10: Globus
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Die Supermarktkette aus dem Saarland entwickelte bereits 1966 ein Konzept, das einem modernen Supermarkt ähnelt. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 18.500 Mitarbeiter in 46 SB-Warenhäusern. Im Jahr 2015 erreichte die Globus-Gruppe einen Umsatz von 4,82 Milliarden Euro.

Quelle: TradeDimensions

(Foto: Imago)
Platz 9: Rossmann
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Die Drogeriekette kann den Umsatz mit Lebensmitteln im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern. Waren es 2014 noch 5,41 Milliarden Euro, machte Rossmann im vergangenen Jahr 5,75 Milliarden Euro Umsatz. Die Drogeriekette von Dirk Roßmann verkauft vor allem Bio-Lebensmittel und Wein.

(Foto: dapd)
Platz 8 : dm
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Der erste dm-Markt eröffnete 1973 in Karlsruhe. Heute ist dm in zwölf europäischen Ländern mit über 3.200 Marken präsent. Mit 7,03 Milliarden Euro Umsatz dürfte der Drogeriekonzern durchaus zufrieden auf das vergangene Jahr zurückblicken.

(Foto: dpa)
Platz 7: Tengelmann
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2015 gehörte die Handelskette aus Mühlheim an der Ruhr noch zu den größten Lebensmittelhändlern der Republik mit einem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2015. Im März 2016 wurde allerdings die Übernahme durch den Konkurrenten Edeka von Wirtschaftsminister Gabriel genehmigt.

(Foto: ap)
Platz 6: Lekkerland
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Der Handelsriese mit Sitz in Frechen beliefert vor allem die Shops von Tankstellen und kleine Büdchen. Das Geschäft mit dem Spontan- und Spätkauf katapultiert Lekkerland unter die größten Händler mit einem Umsatz von 9,08 Milliarden Euro.

Platz 5: Metro-Gruppe
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Zum Dax-Konzern gehört mit Metro Cash&Carry nicht nur der führende Lebensmittel-Großhändler, sondern auch die real-Supermärkte. Damit nehmen die Düsseldorfer unter Deutschlands Lebensmittelhändlern eine führende Position ein. Dennoch büßte die Gruppe im Vergleich zu 2014 mehr als drei Milliarden Euro ein und brachte es im vergangenen Jahr auf einen Umsatz in Höhe von 26,13 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür ist der Verkauf der Warenhaussparte Galeria Kaufhof.

(Foto: dpa)
Platz 4: Aldi
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Beim Lebensmittelabsatz landet der Discounter auch in diesem Jahr nicht auf dem Treppchen – überholt aber Metro und landet auf Platz vier. Der Umsatz stieg 2015 auf 27,8 Milliarden Euro. Aldi Nord und Aldi Süd legten gemeinsam um 1,5 Prozent zu.

(Foto: dpa)

Ganz gezielt spricht er alle Forderungen der Gewerkschaft an: Er bietet die Sicherung aller Arbeitsplätze – auch in der Logistik, den Lagern und der Verwaltung. Edeka-Chef Mosa dagegen hatte in seinem Brief an den Betriebsrat eingeräumt, „dass in einigen Bereichen Beschäftigungsverhältnisse nicht fortgesetzt werden können“. Dafür werde es dann im Edeka-Verbund Neueinstellungen geben.

Doch Caparros geht noch weiter. Er sagt die Tarifbindung für alle Mitarbeiter zu und die flächendeckende Mitbestimmung durch Betriebsräte. Und er garantiert, dass kein Markt an selbstständige Kaufleute innerhalb der Rewe-Gruppe weitergegeben würde. Das wäre bei einer Übernahme durch Edeka ein ganz heikler Punkt. Denn viele selbstständige Edeka-Kaufleute zahlen weder Tarifgehälter noch gilt bei Ihnen die Mitbestimmun g. Deswegen fürchtet die Gewerkschaft Verdi, dass mittelfristig Edeka von Tengelmann übernommene Märkte an Kaufleute auslagern könnte.

Ganz pathetisch appelliert Caparros an die „unternehmerische Verantwortung“ von Tengelmann-Chef Haub und die „Tradition der Familie“. Er betont erneut, für ein Gespräch über eine Übernahme jederzeit zur Verfügung zu stehen – zum „Wohl Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“.

Doch eigentlich zielt Caparros offener Brief, den alle Rewe-Vorstände mitunterschrieben haben und der mit „Liebe Freunde des Handels“ überschrieben ist, auf eine ganz andere Person. Er soll Wirtschaftsminister Gabriel zum Nachdenken bringen und ihn davon abhalten eine Erlaubnis für die Übernahme durch Edeka zu erteilen. Ob danach Rewe zum Zuge käme oder Kaiser’s Tengelmann zerschlagen oder sogar abgewickelt wird, ist Caparros dann im Zweifel wahrscheinlich egal.

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