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Supermarktkette Metro-Chef Koch gerät beim Real-Verkauf in die Defensive

Eine Einigung zum Verkauf der defizitären Kette ist nicht in Sicht. 34.000 Real-Mitarbeiter gehen ohne Sicherheit über ihre Zukunft in die Feiertage.
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Der Metro-Chef hat sich ohne Not öffentlich unter Zeitdruck gesetzt. Quelle: dpa
Olaf Koch

Der Metro-Chef hat sich ohne Not öffentlich unter Zeitdruck gesetzt.

(Foto: dpa)

DüsseldorfAnfangs wirkte Olaf Koch noch richtig optimistisch. Es habe in der Vergangenheit immer wieder Anfragen von potenziellen Käufern gegeben, berichtete der Metro-Chef launig, als er im vergangenen September den Verkauf der Tochter Real ankündigte. Also alles kein Problem, lautete die unterschwellige Botschaft.

So zuversichtlich war Koch, dass er sich ohne Not öffentlich unter Zeitdruck gesetzt hat. „Unser Zeitplan für einen Abschluss liegt bei sechs bis acht Monaten“, sagte Koch. Damit hätten nach seiner Rechnung bei einem guten Verlauf der Gespräche schon im März die Verträge unterzeichnet werden können.

Deswegen waren Insider damals sogar davon ausgegangen, dass es bereits kurz nach der Hauptversammlung am 15. Februar schon eine erste Weichenstellung hätte geben können.

Doch die Euphorie ist verflogen, in die Konzernzentrale in Düsseldorf ist Ernüchterung eingekehrt. Der Kreis der anfangs sechs Interessenten hat sich deutlich gelichtet, die Verhandlungen laufen zäh. Und Metro wäre mittlerweile wohl froh, wenn sie die angeschlagene Supermarktkette Real überhaupt wie geplant als Ganzes verkaufen könnte.

Offiziell teilt Metro nur mit: „Die Verkaufsgespräche laufen und befinden sich im fortgeschrittenen Stadium.“ Metro-Chef Koch sagte am 8. April im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Die Gespräche sind konstruktiv, aber die Ergebnisse sind noch offen.“ Geplant sei, „bis Mai, spätestens Juni“ die Verträge zu unterzeichnen. Eine neue Ansage gab es seitdem nicht mehr.

Kochs Problem: Er kommt zunehmend in die Defensive. Er hat keine große Auswahl mehr an Käufern – und das wissen die Interessenten. Von den drei Bietern, die ein Angebot für Real als Ganzes abgegeben hatten, war zuletzt Verhandlungskreisen zufolge nur noch der Immobilieninvestor x+bricks übriggeblieben.

Der Bieter Redos, ebenfalls ein Immobilienunternehmen, soll sich Insidern zufolge zurückgezogen haben. Und dem Investor Sapinda, der zusammen mit dem Einkaufsverbund Markant geboten hatte, hatte Metro eine Absage erteilt. Alle Unternehmen äußern sich auf Anfrage nicht dazu.

Doch so glatt wie es sich die Metro vorgestellt hatte, laufen die Gespräche nicht. x+bricks soll einen Kaufpreis von rund 900 Millionen Euro geboten haben. Eine stolze Summe für ein defizitäres Unternehmen, die sich nur dadurch rechtfertigt, dass 65 Immobilien mit im Paket sind. Geschätzter Wert: rund eine Milliarde Euro.

Neue Kontakte zu bereits abgewiesenen Bietern

Im Laufe der Gespräche kristallisierte sich heraus, dass Metro einige entscheidende Risiken auf den Käufer abwälzen möchte – doch dazu scheint dieser nicht ohne weiteres bereit. So soll er das kartellrechtliche Risiko übernehmen. Das heißt, wenn er später einen Teil der 279 Real-Filialen Filialen an Konkurrenten weiterreichen möchte und dies aber das Kartellamt untersagt, hätte Metro damit nichts mehr zu tun.

Strittig ist auch, wer eventuell anfallende Sozialplankosten trägt, falls unrentable Märkte nach dem Verkauf geschlossen werden. In den Szenarien der Bieter waren dafür bis zu 200 Millionen Euro angesetzt. Metro will damit schon aus Imagegründen nichts zu tun haben, hatte das Unternehmen doch immer betont, dass es für eine Erhaltung der Arbeitsplätze eintritt.

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Um nicht allein vom Wohlwollen von x+bricks abhängig zu sein, intensiviert Metro offenbar wieder die Kontakte zu den eigentlich schon abgewiesenen Bietern Sapinda und Markant. So wurden parallel Gespräche geführt mit Markant über eine Übernahme nur des Geschäftsbetriebs ohne Immobilien. Und selbst eine Wiederaufnahme der Gespräche mit Sapinda über das Gesamtpaket ist kein Tabu mehr.

Doch all das macht die Verhandlungen nicht einfacher – und belastet den Zeitplan zusätzlich. 34.000 Mitarbeiter mussten jetzt ohne eine Sicherheit über ihre Zukunft in die Osterfeiertage gehen. Zurzeit weiß keiner, wie lange ihre Geduld noch strapaziert wird.

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