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Supermarktkette „Zum Schlachthof? Nicht mit uns“ – Real-Mitarbeiter kämpfen um ihre Zukunft

Die Angst vor dem geplanten Verkauf der Supermarktkette ist unter den Mitarbeitern groß. Sie fürchten eine Zerschlagung der Metro-Tochter.
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„Diese Löhne bedeuten schlichtweg Armut“

Düsseldorf Der Lärm war bis ins Büro von Metro-Chef Olaf Koch zu hören. Umrahmt von dem üblichen Instrumentarium aus Trillerpfeifen und Druckluft-Tröten skandierten die streikenden Beschäftigten der Metro-Tochter Real: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!“

Unterstützt wurden sie nicht nur von Verdi-Chef Frank Bsirske. Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hatte es sich nicht nehmen lassen, zur Demonstration vor der Metro-Zentrale in Düsseldorf zu kommen, um „ein Zeichen gegen die Tarifflucht zu setzen“, wie er sagte.

Der Ort war mit Bedacht gewählt. Denn vordergründig richtete sich der bundesweit ausgerufene Streik zwar gegen den Austritt der Supermarktkette Real aus der Tarifgemeinschaft mit Verdi. Doch fast noch größere Sorgen macht den Beschäftigten, dass Metro angekündigt hat, Real zu verkaufen.

Darauf ging auch Verdi-Chef Bsirske ganz direkt ein. „Euch haben sie gesagt, sie wollen das Unternehmen sanieren, dabei wollten sie nur den Verkauf vorbereiten“, rief er den Demonstranten zu. „Was die Metro-Spitze macht, ist eine Schande.“ Die Metro hatte im Frühjahr den Vertrag mit Verdi gekündigt und bezahlt neue Mitarbeiter jetzt nach den deutlich niedrigeren Tarifen der Kleingewerkschaft DHV. Das betrifft jetzt schon 3600 von insgesamt 34.000 Jobs.

Vor der Metro-Zentrale zeigte sich, wie groß die Sorge der Mitarbeiter ist, dass Real nach einem Verkauf an einen Investor zerschlagen werden könnte. So trugen sie Plakate mit dem Slogan: „Real – schwer verdaulich für Heuschrecken“. Auf der Bühne stand ein Schwein mit einem Beil im Rücken, das die Aufschrift trug: „Zum Schlachthof? Nicht mit uns.“

Metro-Chef Koch versucht, diese Bedenken zu zerstreuen. Noch in der vergangenen Woche hat er betont: „Wir streben an, Real als Ganzes zu verkaufen, und werden nur ernsthafte Interessenten in Betracht ziehen.“

Nach Informationen aus Unternehmenskreisen gibt es bereits drei bis fünf konkrete Interessenten, mit denen die Metro redet, darunter einen strategischen Investor, also ein Handelsunternehmen. Die Gespräche sind aber noch in einem frühen Stadium, der Aufsichtsrat ist noch nicht über Details informiert worden. Entgegen anderslautenden Spekulationen soll der Onlinehändler Amazon nicht unter den Interessenten sein.

Metro will sich ganz auf das Großhandelsgeschäft konzentrieren. Deshalb hatte Koch im September erklärt, die Supermarktkette Real mit einem Jahresumsatz von mehr als sieben Milliarden Euro und 281 Standorten zu verkaufen. Real habe in den vergangenen drei Jahren signifikante Fortschritte bei der Transformation gemacht. „Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche, unabhängige Zukunft sind geschaffen“, so Koch.

Real bleibt eine Belastung für den Metro-Konzern

Trotz aller Beteuerungen, alle Angebote gründlich zu prüfen, hat sich Koch bei dem Prozess selber unter Zeitdruck gesetzt. „Unser Zeitplan für einen Abschluss liegt bei sechs bis acht Monaten“, hatte er bei der Verkündung der Verkaufspläne gesagt. Damit könnte Real schon im Frühjahr einen neuen Eigentümer haben.

Grund der Eile ist auch, dass Real trotz aller Bemühungen für Metro weiterhin eine Belastung ist. So ist der Umsatz der Tochter im dritten Quartal um 7,2 Prozent zurückgegangen, der operative Verlust (Ebitda) lag bei sieben Millionen Euro. Im Vorjahr hatte es noch einen operativen Gewinn von 33 Millionen gegeben.

Metro hat schon begonnen, mehrere Märkte nach dem neuen Markthallenkonzept umzubauen, was nach Unternehmensangaben bereits „spürbare Effekte“ auf den Umsatz gehabt habe. Doch um die Kette als Ganzes wieder wettbewerbsfähig zu machen, müsste ein Käufer Milliarden in die Modernisierung der Standorte investieren.

Deshalb halten sich hartnäckig die Spekulationen, ein Investor könnte Real zwar komplett übernehmen, aber anschließend filetieren. Koch selber hatte bestätigt, dass es auch Interessenten aus dem Kreis der Investment- und Immobiliengesellschaften gebe. Immerhin hat Real 65 der Immobilien im Eigentum.

Auf jeden Fall hat Koch für den Real-Verkauf die Rückendeckung seines neuen Großaktionärs. Der tschechische Investor Daniel Kretinsky, der rund zehn Prozent der Metro-Aktien hält und die Option auf weitere 20 Prozent hat, sagte jüngst: „Ich finde es sehr sinnvoll, sich auf den Großhandel zu konzentrieren.“ Er befürworte einen Verkauf von Real, sei aber auch nicht unglücklich, wenn ein Verkauf nicht zustande käme. Schließlich sei Real ein wertvolles Asset.

Auch die Mitarbeitervertreter haben die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass Real vielleicht doch im Konzern bleiben könnte. „Metro und Real gehören zusammen“, rief der Gesamtbetriebsratschef der Metro Deutschland, Xaver Schiller, den Mitarbeitern am Montag zu. Und die Demonstranten antworteten ihm mit einem Trillerpfeifenkonzert, das auch Metro-Chef Koch gehört haben dürfte.

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