Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Systemgastronomie L'Osteria will im Ausland wachsen – und baut um

Während Vapiano weiter Millionenverluste schreibt, ist die Pizza- und Pasta-Kette L’Osteria auf Erfolgskurs. Doch Branchenkenner warnen vor einer zu schnellen Expansion.
Kommentieren
L'Osteria will expandieren. Quelle: L'Osteria
Pizza und Pasta

L'Osteria will expandieren.

(Foto: L'Osteria)

Düsseldorf Unterschiedlicher können sich zwei Gastronomiebetriebe wohl kaum entwickeln: Während die Restaurantkette Vapiano seit Monaten rote Zahlen schreibt, läuft es beim Mitbewerber L'Osteria rund.

Doch eine Gemeinsamkeit gibt es: Die Unternehmer Klaus Rader und Friedemann Findeis haben beide Gastronomiebetriebe in der Vergangenheit geprägt. Vor 20 Jahren öffnete in Nürnberg das erste Restaurant der L'Osteria, die beiden Männer waren Stammgäste. Und als ihr Lieblingsitaliener zum Verkauf stand, übernahmen sie ihn.

Beide gehörten auch zu den späteren Mitgründern von Vapiano. Die börsennotierte Restaurantkette rutschte jedoch nach einer überambitionierten Auslandsexpansion in die roten Zahlen. Vapiano ist mitten in einer harten Sanierung.

Bei L’Osteria dagegen stehen die Zeichen auf Expansion. Die Franchisekette mit 120 Filialen in sieben Ländern ist stark gewachsen. Sie machte 2018 einen Umsatz von rund 213 Millionen Euro, für dieses Jahr sind netto 260 Millionen Euro angepeilt, teilte L'Osteria auf Anfrage mit. Insgesamt arbeiten rund 5000 Menschen für L'Osteria-Restaurants, davon werden 39 Filialen selbst betrieben, 59 von Franchisepartnern und 29 im Joint Venture.

Noch nie musste laut L’Osteria ein Restaurant schließen, stattdessen soll das Filialnetz in neuen Ländern ausgebaut werden. Schließlich verfolgt L’Osteria das ehrgeizige Ziel, bis 2021 insgesamt 200 Restaurants zu betreiben – selbst oder per Franchisemodell.

Das Unternehmen hat deshalb seine Rechtsform zum 1. November von einer GmbH in eine europäische Aktiengesellschaft geändert. Zeitgleich wechselten die Gründer Rader und Findeis in den Aufsichtsrat, sind aber weiterhin die Aktionäre der FR L'Osteria SE.

Alleiniger Chef ist nun Mirko Silz. Der frühere Vapiano-CEO kam 2016 zum Konkurrenten L'Osteria. Die zweite, nun dreiköpfige Führungsebene wurde ebenfalls neu zusammengestellt. „L'Osteria möchte verstärkt ins Ausland expandieren. Dafür müssen die entsprechenden Strukturen geschaffen werden“, erklärte Silz den Umbau, durch den er sich „höhere Flexibilität“ erhofft.

Ein Börsengang gehöre nicht zu den strategischen Überlegungen, die im Zusammenhang mit der Änderung der Gesellschaftsform stehen, sagte Silz auf Anfrage.

Restaurantketten breiten sich aus

„Wir werden wie in der Vergangenheit auch künftig unsere Steuern in Deutschland zahlen und somit unserer Verantwortung gegenüber dem Staat sowie der Gesellschaft nachkommen“, versicherte Silz. „Daran ändern auch unser verstärkten internationalen Wachstumsbemühungen nichts.“ Nach Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Tschechien, Frankreich und den Niederlanden soll noch vor Weihnachten das erste Restaurant in Luxemburg eröffnet werden.

Branchenexperten bewerten das Geschäftsmodell von L'Osteria grundsätzlich positiv. Die ambitionierten Wachstumspläne hingegen werden skeptisch gesehen. L'Osteria verfüge über einen höheren Lifestyle- und Szene-Faktor als Wettbewerber Vapiano mit seinem Self-Service-Konzept, meint Michael Lidl, geschäftsführender Partner der Beratung Treugast Solutions. „Für L'Osteria-Gäste sind die Restaurants nicht nur Orte um zu essen, sondern soziale Treffpunkte, an denen sie auch gerne länger bleiben, um zum Beispiel an der Bar noch etwas zu trinken.“ Damit einhergehe ein höherer Getränkeumsatz. Getränke hätten höhere Margen als Speisen.

Die geplante Expansion von L'Osteria auf fast 200 Restaurants bis 2021 bewertet Lidl jedoch kritisch. Der Fachkräftemangel in der Gastronomie schränke die Wachstumspläne stark ein. „Bei der bestehenden Zahl der Restaurants und derzeitigen Mitarbeiter gehen wir von rund 3000 neuen Mitarbeitern aus, die L'Osteria bei einer Verdoppelung der Filialen finden müsste“, so Lidl.

Ein sehr ambitioniertes Ziel, wenn ein gewisser Qualitätsanspruch an die Mitarbeiter nicht auf der Strecke bleiben solle. Doch gutes Personal ist immer schwerer zu finden: Die Zahl der Neuabschlüsse für eine Ausbildung in der Systemgastronomie hat sich laut DIHK von 2008 bis 2018 auf 1500 im Jahr halbiert.

Hinzu kommt die Frage der Standorte. Ob L'Osteria so viele neue Verträge für Restaurants zu vernünftigen Mietpreisen abschließen könne, bleibt laut Berater Lidl abzuwarten. Insgesamt betrachtet er die Wachstumspläne von L'Osteria eher als „Vision“.

Für die Systemgastronomie als Ganzes sieht der Branchenkenner weiterhin Wachstumspotential – gerade auch für Italo-Restaurants. Immerhin legte die Systemgastronomie in Deutschland 2018 mit 5,3 Prozent fast doppelt so stark zu wie die klassische Gastronomie. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts.

Die großen Restaurantketten breiten sich in den deutschen Innenstädten immer weiter aus. 14,5 Milliarden des 57,6 Milliarden Euro schweren Gastro-Umsatzes stammten im vergangenen Jahr bereits von den 100 größten Systemgastronomen.

Mehr: Mit dem „Rebel Whopper“ zieht Burger King bei fleischlosen Burgern nach. Das Pattie des neuen Burgers kommt von einem Start-up, das von Unilever aufgekauft wurde.

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite

Mehr zu: Systemgastronomie - L'Osteria will im Ausland wachsen – und baut um

0 Kommentare zu "Systemgastronomie: L'Osteria will im Ausland wachsen – und baut um"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.