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Tabakverdampfer Die Dampfmaschine 2.0

Staatliche Vorgaben und gesundheitsbewusste Verbraucher lassen den Absatz von Zigaretten sinken. Der Marktführer bringt jetzt einen Tabakverdampfer auf den Markt. Das sorgt für Kontroversen – auch in der Branche selbst.
28.05.2017 - 17:08 Uhr Kommentieren
Der Tabakerhitzer „iqos“ des US-Tabakriesen Philip Morris. Quelle: Philip Morris GmbH
300 statt 800 Grad

Der Tabakerhitzer „iqos“ des US-Tabakriesen Philip Morris.

(Foto: Philip Morris GmbH)

München Noch ist die Zigarette beim US-Tabakriesen Philip Morris nicht wegzudenken – aber der oberste Marlboro-Mann sieht in Deutschland bereits das nahe Aus für den Glimmstängel. „Ich glaube, dass schon bald der Zeitpunkt kommen wird, an dem wir das Ende der Zigaretten-Ära einläuten“, sagte Konzernchef André Calantzopoulos im Herbst. Mit Marlboro und LM ist das Unternehmen Marktführer in der Bundesrepublik. „Damit verdienen wir unglaubliches Geld“, so Sprecherin Claudia Oeking. Dennoch sieht Philip Morris seine Zukunft nicht etwa in der E-Zigarette, sondern: im Tabakverdampfer. In den nächsten Tagen kommt das neue Produkt hierzulande in den Handel.

Die Tabakindustrie macht das nicht freiwillig. Gesundheitsbewusste Verbraucher, Werbeverbote und höhere Tabaksteuern erschweren ihr das Geschäft. 2016 verkaufte sie nur noch 75 Milliarden Zigaretten in Deutschland - halb so viele wie 2000. „Wir sehen einen Rückgang von ein bis zwei Prozent im Jahr“, berichtet Jan Mücke, Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbands.

Die mit großem Hype gestartete E-Zigarette, die aromatisierte Flüssigkeit mit oder ohne Nikotin verdampft, scheint vorerst ein Nischenprodukt zu bleiben. Mit etwa 400 Millionen Euro Jahresumsatz liegt ihr Marktanteil bei zwei Prozent. „Viele Raucher rauchen parallel weiterhin Zigaretten“, sagt Peter Raiser, Grundsatzreferent bei der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Auch Philip-Morris-Sprecherin Oeking sagt: „Wir sind sicher, dass die meisten Tabak wollen.“

Konzerne wie British American Tobacco (BAT) und Japan Tobacco International (JTI) testen inzwischen ebenfalls Tabakverdampfer in mehreren Ländern. Das Prinzip des Geräts: Eine Filterzigarette mit stark gepresstem Tabak wird in einem Stift auf 300 Grad Celsius erhitzt, der Konsument atmet den Tabakdampf mit dem Nikotin ein.

Doch es gibt keinen Rauch, keinen Gestank, keine Asche mehr - und vor allem: rund 90 Prozent weniger schädliche Stoffe als bei einer klassischen Zigarette, die bei 800 Grad verbrennt. „Trotzdem sind noch potenziell krebserzeugende Stoffe vorhanden. Aber für viele Raucher, die vom Rauchen nicht loskommen, kann das eine Alternative sein“, sagt Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

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