Tarifauseinandersetzung Gewerkschaften nehmen Lufthansa in die Zange

Jetzt auch noch die Piloten: Die Vereinigung Cockpit will den Tarifstreit mit der Lufthansa eskalieren lassen. Verdi hatte am Montag den größten Warnstreik der Geschichte organisiert – und droht mit weiteren Ausständen.
Update: 26.04.2013 - 14:57 Uhr 5 Kommentare
Flugzeuge der Lufthansa: Die Airline steht vor schweren Tarifauseinandersetzungen. Quelle: dpa

Flugzeuge der Lufthansa: Die Airline steht vor schweren Tarifauseinandersetzungen.

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Berlin/FrankfurtDer Druck auf die Lufthansa in den laufenden Tarifauseinandersetzungen steigt. Am Freitag verlangten gleich zwei Gewerkschaften tragfähige Angebote für neue Tarifverträge bei Europas größtem Luftverkehrskonzern. Neben der Großgewerkschaft Verdi, die am Montag den bislang schärfsten Warnstreik in der Geschichte der Lufthansa organisiert hatte, sind nun auch die Piloten von der Vereinigung Cockpit (VC) offenbar am Ende ihrer Geduld angelangt.

Vor der vierten Verhandlungsrunde, die am kommenden Montag bei Frankfurt beginnt, erneuerte Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle ihre Drohung mit weiteren Warnstreiks. „Wenn Lufthansa sich weiterhin weigert, ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen, das die Arbeitsplätze (...) sichert und die Entgelte angemessen erhöht, wird es zu weiteren Streiks kommen“, erklärte sie am Freitag in Berlin. Verdi verlangt für rund 33.000 Beschäftigte der Service- und Technikeinheiten 5,2 Prozent mehr Geld und Jobgarantien.

Die „Vereinigung Cockpit“ fordert für rund 5000 Piloten und Copiloten ultimativ ein verhandelbares Angebot. Sollte dies bis Mitte Mai nicht vorliegen, müsse man über Maßnahmen nachdenken, sagte ein VC-Sprecher in Frankfurt. Die Gewerkschaft verlangt für die Piloten und Copiloten der Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings 4,6 Prozent mehr Geld auf einen Zeitraum von zwölf Monaten bis zum 30. April 2014. Die VC kritisierte die „Hinhaltetaktik“ des Unternehmens, mit dem seit einem Jahr ohne Ergebnis verhandelt worden sei.

Am vergangenen Montag hatte Lufthansa nahezu den kompletten Flugplan gestrichen, nachdem Verdi die Mitglieder zum ganztägigen und flächendeckenden Warnstreik aufgerufen hatte. Rund 1700 Flüge fielen aus, mehr als 150.000 Passagiere konnten nicht fliegen. Laut Verdi haben sich rund 14.000 Lufthanseaten an dem ersten Warnstreik beteiligt, der wegen seines Umfangs von der Lufthansa hart kritisiert worden war.

Die Airline hat ein nach Geschäftsbereichen abgestuftes Angebot vorgelegt, das in der Spitze für die Techniker rund drei Prozent Lohnplus in einem Zeitraum von 29 Monaten gebracht hätte. Über Jobgarantien will Lufthansa nur bei Gegenleistungen etwa bei der Arbeitszeit verhandeln.

Das Unternehmen wollte sich am Freitag nicht äußern, sondern verwies auf die bis Dienstag laufenden Verhandlungen mit Verdi. Da noch ein weiterer Termin für Anfang Juni bereits vereinbart ist, ist eher nicht mit einem Abschluss schon in der kommenden Woche zu rechnen.

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5 Kommentare zu "Tarifauseinandersetzung: Gewerkschaften nehmen Lufthansa in die Zange"

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  • Schade um Lufthansa. Die Rücklagen für Ausfälle durch Arbeitskämpfe sind schnell aufgebraucht aber der Imageschaden und der Verlust an Top Mitarbeitern wird die Airline noch lange zu schaffen machen. Beeindruckend, dass seit Herr Franz am Steuer sitzt alle Top Manager mittlerweile nicht mehr an Bord sind. Steht der Crash bevor?
    Die Konkurrenz dürfte sich freuen.

  • Mich wundert schon sehr, wie lange der Aufsichtsrat dem katastrophalen Treiben des LH Managments zusieht - Gehaltskürzungen, Mehrarbeit und Verlagerung von Jobs ins Ausland - ohne Not und nur zur Gewinnmaximierung- da kann keine Gewerkschaft tatenlos zusehen. Sparen am Kunden statt Verbesserung der Produkte! Wo bleiben Innovationen, wie z.B. früher Miles and More oder die Gründung der Star Alliance. Nur streichen kann jeder....

  • Was soll's? Einfach den Laden zusperren und an RyanAir verhökern!
    Es gibt eh' zuviele Airlines.

  • Die alleinige Schuld an dem ganzen Streik-Debakel trägt einzig und allein der LH-Chef Herr Franz.

    Herr Franz hat keinen blassen Schimmer davon was eine Premium-Airline ausmacht und was im harten Konurrenzkampf zu tun ist. Ihm fallen nur Stellenstreichungen, Verminderung des Services und das Stehlen von Meilen und damit Verprellen der treuesten Kunden ein.

    Das "WIR-Gefühl". welches lange Jahre bei LH-Mitarbeitern und LH-Fluggästen vorherrschte ist dahin, seit der Versager Chr. Franz bei der LH das Sagen hat.

    Herr Mehdorn hatte Herrn Franz bereits aufgrund völligen Versagens bei der Bahn gefeuert.

    Leider zögert der LH-Aufsichtsrat noch mit diesem Schritt. Hoffentlich ist es nicht bald zu spät, denn am Abgrund steht die LH bereits.

    Nein, ich bin kein LH-Mitarbeiter, ich bin Vielflieger und Star Alliance Gold Member und selbst von den Streigs betroffen.

  • Ich an der Stelle von Lufthansa, würde drohen alle Mitarbeiter freizustellen und dafür Griechen, Portugiesen und Spanier einzustellen. Die würden sich mit Sicherheit freuen einen Job zu bekommen. Kann ja nicht sein das Lufthansa ganzjährig bestreikt wird und am Ende Leuten kündigen muss, weil durch die ganzen Streiks Verluste eingefahren wird. Letztlich führt das nur dazu das einige wenige ihre Forderungen durchsetzen aber insgesamt die Anzahl der Stellen wegen Einsparungen reduziert wird.

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