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Tarifeinigung Piloten von Turkish Airlines verzichten auf die Hälfte ihres Gehalts

Der Airline verschafft das Spielraum in der Pandemie – ohne dass der Staat reinvestieren muss. Auch Staatschef Erdogan nahm an den Verhandlungen teil.
01.09.2020 - 14:19 Uhr Kommentieren
In diesem Jahr flogen zwischen Januar und Juli 61 Prozent weniger Passagiere mit der Airline als im selben Zeitraum vor einem Jahr. Quelle: Imago
Turkish Airlines

In diesem Jahr flogen zwischen Januar und Juli 61 Prozent weniger Passagiere mit der Airline als im selben Zeitraum vor einem Jahr.

(Foto: Imago)

Istanbul Im Kampf gegen die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie ist der türkischen Fluglinie Turkish Airlines ein kleiner Befreiungsschlag gelungen. Das Unternehmen habe sich mit der größten Branchengewerkschaft Hava-Is auf weitreichende Gehaltskürzungen geeinigt, heißt es in einer Stellungnahme vom Dienstag.

So werden die Gehälter der Piloten um die Hälfte gekürzt, die des Kabinen- und Bodenpersonals um 35 beziehungsweise 30 Prozent. Gehaltszuschläge, die mit der Dauer der Konzernzugehörigkeit zusammenhängen, werden um 30 Prozent gekürzt. Mit dem Pakt endet eine Kurzarbeitsregelung des Konzerns vom 1. April 2020, nach der das Kabinenpersonal unter Kürzung der Gehälter teilweise nach Hause geschickt wurde.

Die Einigung gilt ab dem 1. September und wirkt bei der nächsten Gehaltszahlung am 8. Oktober. Bonuszahlungen seien nicht von der Einigung betroffen. Auch weitere Leistungen, etwa für Sozialfälle oder Kindergartenzuschläge, sollen laut der Einigung unangetastet bleiben.

Das Unternehmen hat sich außerdem verpflichtet, alle sechs Monate die eigenen Finanzen zu überprüfen und die Gehälter gegebenenfalls anzuheben. An den finalen Verhandlungen zwischen Turkish-Airlines-Präsident Ilker Ayci und dem Gewerkschaftschef Ali Kemal Tatlibal hat auch der türkische Staatschef Erdogan teilgenommen.

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    Wie alle Airlines weltweit leidet Turkish Airlines unter den Grenzschließungen und Kontaktbeschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie. Die Airline, die laut Eigenwerbung so viele Ziele anfliegt wie kein anderer Konkurrent, war teilweise gezwungen, einen Großteil ihrer Flotte am Boden zu lassen.

    Weil die Airline vor allem mit Langstreckenverbindungen viel Geld verdient, war der Frust groß – und die Kosten für Fluggerät und Personal ebenfalls. Von insgesamt 350 Flugzeugen gehören nur 44 dem Unternehmen, der Rest ist geleast. Laut der türkischen Denizbank sitzt Turkish Airlines allein durch das Leasing auf 1,4 Milliarden US-Dollar an kurzfristigen Verbindlichkeiten.

    Seit Juni hat das Unternehmen wieder internationale Ziele angeflogen. Das Drehkreuz in Istanbul gilt mittlerweile als Corona-zertifiziert: Überall sind Desinfektionsspender aufgestellt, Hinweisschilder weisen auf die Kontaktbeschränkungen hin. Der große Airport bietet außerdem viel Platz.

    An den Check-in-Schaltern des Konzerns sind große Plastikscheiben mit Schlitzen angebracht, durch die gerade mal der Reisepass durchgereicht werden kann. Das Handgepäck wurde auf maximal vier Kilo reduziert, alles darüber hinaus nimmt Turkish Airlines gratis als normales Gepäck auf.

    Staat hält 49 Prozent an der Airline

    2019 war für Turkish Airlines noch ein Rekordjahr. Die Einnahmen stiegen, der Profit verachtfachte sich im Vergleich zum Vorjahr, die Passagierzahlen entwickelten sich prächtig. Nach einer Terrorphase und der Lira-Krise im August 2018 standen die Zeichen eigentlich auf Expansion.

    Durch die Pandemie machte die Airline jedoch im zweiten Quartal 2020 2,23 Milliarden Lira Verlust, was mehr als 300 Millionen US-Dollar entspricht. Zwischen Januar und Juli flogen 61 Prozent weniger Passagiere als im selben Zeitraum vor einem Jahr. Analysten der türkischen Denizbank erwarten, dass Turkish Airlines in diesem Jahr nur 33,8 Millionen Passagiere transportieren werde, nach 43,8 Millionen im Vorjahr – ein Minus von 23 Prozent.

    Durch die Einigung mit der Gewerkschaft könne Turkish Airlines die monatlichen Fixkosten ab 2021 um 14 Prozent kürzen, glaubt Analystin Elena Sakhnova von VTB Capital. Derzeit verbrennt Turkish Airlines laut Sakhnova rund 350 Millionen US-Dollar pro Monat. Die Einigung beschreibt sie daher als positiv.

    Der türkische Staat ist seit der Teilprivatisierung der Airline mit 49 Prozent an Turkish Airlines beteiligt. Im August kamen Gerüchte auf, wonach die türkische Regierung nationale Airlines darum bat, zuerst ausländischen Beschäftigten zu kündigen. Nach eigenen Angaben hat Turkish Airlines trotz Coronakrise jedoch bisher darauf verzichtet, Mitarbeiter zu entlassen oder den Staat um weitere Hilfe zu bitten.

    Aktienkurs steigt nach der Einigung

    Auch die Lufthansa verhandelt derzeit mit der Kabinengewerkschaft Ufo. Ende Januar hatten sich beide Seiten darauf geeinigt, einen jahrelangen Konflikt in einem mehrstufigen Verfahren über eine „große Schlichtung“ zu lösen. Im Zuge der Coronakrise rauften sich dann die Konfliktparteien zusammen und besiegelten einen Krisen-Tarifvertrag bis Ende 2023. Mit dem Bodenpersonal gelang dies allerdings noch nicht. Auch mit den Piloten erzielte die Lufthansa nur eine Übergangslösung.

    Turkish Airlines ist nun einen Schritt weiter. Das zeigt sich auch am Aktienkurs. Am Dienstagmittag (Ortszeit) notierten die Aktien des Konzerns ein Prozent höher bei 10,67 Lira. VTB-Analystin Sakhnova glaubt, dass die Anteilsscheine in den nächsten zwölf Monaten auf 17 Lira steigen könnten. Das wäre ein Plus von 70 Prozent zum aktuellen Kurs. Seit Jahresbeginn hatten die Turkish-Airlines-Aktien rund 26 Prozent an Wert verloren.

    Mehr: Turkish Airlines hat ein Milliardenproblem mit geleasten Flugzeugen

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