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Tarifregelung Wahlmodell bei der Bahn ist Novum

Die bei der Deutschen Bahn ausgehandelte Wahlmöglichkeit zwischen mehr Lohn und mehr Freizeit ist laut einem Tarifexperten eine Neuheit in Deutschland. Das Wahlmodell sei auch für andere Branchen interessant.
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„Es gab bislang schon flexible Regelungen zur Arbeitszeitverkürzung etwa mit Arbeitzeitkonten, aber noch nicht die Möglichkeit, eine Lohnerhöhung in Freizeit umzuwandeln“, sagte der Tarifexperte Bispinck der Deutschen Presse-Agentur. Quelle: dpa
Deutsche Bahn

„Es gab bislang schon flexible Regelungen zur Arbeitszeitverkürzung etwa mit Arbeitzeitkonten, aber noch nicht die Möglichkeit, eine Lohnerhöhung in Freizeit umzuwandeln“, sagte der Tarifexperte Bispinck der Deutschen Presse-Agentur.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie bei der Deutschen Bahn vereinbarte Wahlmöglichkeit zwischen einer Lohnerhöhung und mehr Freizeit ist nach Aussage des Tarifexperten Reinhard Bispinck ein Novum in Deutschland. „Das ist in der Tat neu“, sagte der Leiter des WSI-Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf am Dienstag zu der Tarifregelung für rund 150.000 Bahn-Beschäftigte.

Die Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatten am Montag in ihr Tarifwerk ein Wahlmodell für Arbeitnehmer aufgenommen. Demnach kann sich jeder aussuchen, ob er 2,6 Prozent mehr Geld oder sechs Tage zusätzlichen Urlaub bekommt oder die Wochenarbeitszeit um eine auf 38 Stunden verringert wird.

Das sind die größten Baustellen der Bahn
Fernverkehr
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Erst vor wenigen Tagen hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

(Foto: dpa)
Güterverkehr
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Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär– und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

(Foto: dpa)
Pünktlichkeit
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174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

(Foto: picture-alliance/ dpa)
Infrastruktur
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Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

(Foto: dpa)
Privatisierung
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Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

(Foto: picture alliance/dpa)
Stuttgart 21
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Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

(Foto: AFP)

„Es gab bislang schon flexible Regelungen zur Arbeitszeitverkürzung etwa mit Arbeitszeitkonten, aber noch nicht die Möglichkeit, eine Lohnerhöhung in Freizeit umzuwandeln“, sagte Bispinck der Deutschen Presse-Agentur. Bei der Bahn sei das „eine überzeugende Variante“, denn in einer Befragung hätten sich die EVG-Mitglieder zu ähnlich großen Teilen für mehr Geld, mehr Freizeit oder von beidem etwas ausgesprochen. Das Wahlmodell sei auch für anderen Branchen interessant, aber „nicht unbedingt“ ein Vorbild. Das hängt davon ab, welche Ziele eine Gewerkschaft in einer Tarifrunde verfolge.

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