Tarifstreit Ryanair sagt Treffen mit Gewerkschaft ab – Tarifverhandlungen könnten so scheitern

Der Billigflieger lässt einen Verhandlungstermin mit der UFO platzen. Der Grund: Die Flugbegleiter-Gewerkschaft hat die prekären Arbeitsbedingungen als Sicherheitsrisiko bezeichnet.
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Ryanair lässt Treffen mit UFO Platzen Quelle: dpa
Ryanair droht die Tarifverhandlungen scheitern zu lassen

Ein Schreiben der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation bringt die Billig-Airline in Rage.

(Foto: dpa)

Frankfurt/LondonEs geht um diesen Satz: „Die prekären Arbeitsbedingungen von Ryanair sieht UFO als Sicherheitsrisiko.“ Er steht in einer Pressemitteilung, die die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO), die Gewerkschaft des Kabinenpersonals, am Freitag vergangener Woche veröffentlichte. Und der sorgt nun für mächtig Ärger.

Das Ryanair-Management ist sauer und hat einen Verhandlungstermin, der für den 16. Oktober angesetzt war, abgesagt. „Ryanair spielt auf Zeit und versucht sich dem Verhandlungsprozess mit einer fadenscheinigen Begründung zu entziehen“, kommentiert Nicoley Baublies, Tarifvorstand und Co-Chef der Ufo, die Entscheidung der Airline-Spitze. Sollte Ryanair die Absage nicht zurücknehmen, müsse man die Tarifverhandlungen als gescheitert betrachten.

Bereits unmittelbar nach Veröffentlichung der Presse-Mitteilung am vergangenen Freitag hatte Ryanair reagiert. UFO flatterte ein Schreiben von Anwälten der Airline ins Haus, in dem diese den Widerruf der Publikation forderten.

„Dieser Vorwurf eines bestehenden Sicherheitsrisikos bei unserer Mandantin ist falsch und entbehrt jeglicher Grundlage“, heißt es im Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt. UFO könne den Vorwurf nicht belegen. Die öffentliche Verbreitung sei insbesondere im Hinblick auf die herausragende Bedeutung der Sicherheit im Flugsektor „geschäftsschädigend und ein unerlaubter Eingriff in die Rechte unserer Mandantin“.

Die Reaktion der Ryanair-Spitze zeigt, wie schwer sich die Airline nach wie vor mit Verhandlungstaktiken der Tarifpartner tun, die durchaus üblich sind. Zwar klingt der Vorwurf des Sicherheitsrisikos auf den ersten Blick heftig. Doch die Gewerkschaften haben dieses Argument in der Vergangenheit bei vielen anderen Tarifauseinandersetzung benutzt, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Darauf verweist auch Baublies von UFO.

Noch am Donnerstagnachmittag hatte Ryanair-Vorstand Kenny Jacobs in einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz mit Journalisten beteuert, die Airline nehme die Verhandlungen mit den Gewerkschaften nicht auf die leichte Schulter.

„Wir sind ernsthaft an einer Lösung interessiert“, betonte er. „Wir wollen die Verhandlungen fortsetzen und Fortschritte erzielen“. Für die kommende Woche habe man einen Termin mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit vorgeschlagen.

Ursprünglich hatte Ryanair nach eigenen Angaben die Gespräche mit der VC bereits an diesem Donnerstag fortsetzen wollen, doch die Gewerkschaft VC habe das wegen des vorangegangenen Feiertags zur Deutschen Einheit abgelehnt, erklärte Jacobs. Er hoffe, dass man sich Anfang der kommenden Woche wieder zusammensetzen werde.

Auch mit der Vertretung des Kabinenpersonals sei man im Gespräch, so der Manager: „Unsere Positionen liegen gar nicht so weit auseinander. Wir wollen keine weiteren Streiks, auch wenn die bisherigen Streiks keine große Wirkung gezeigt haben“.

Zugleich verteidigte er die umstrittene Entscheidung von Ryanair, die auf deutschen Flughäfen in Bremen und Weeze platzierten Flugzeuge abzuziehen. Die hatte heftige Proteste auf Gewerkschaftsseite ausgelöst.

Die Margen an den beiden Standorten seien von den Streiks beeinträchtigt worden, und deswegen habe man aus wirtschaftlichen Gründen die Entscheidung getroffen, die Flugzeuge an andere Standorte zu verlagern. Den betroffenen Ryanair-Mitarbeitern habe man andere Stellen angeboten.

Auf Seiten der Mitarbeiter hingegen war das Vorhaben ganz anders angekommen: Als klare Drohung, von ihren Forderungen in den Verhandlungen abzusehen.

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