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Streik deutscher Ryanair-Mitarbeiter

Beim Warnstreik am Frankfurter Flughafen erhielten Ryanair-Mitarbeiter Unterstützung durch Thorsten Schäfer-Gümbel, den Parteichef der hessischen SPD (r. im Anzug).

(Foto: dpa)

Tarifstreit Streiks bei Ryanair werden heftiger – mehr Flugausfälle am Freitag

Am Freitag wird der Billigflieger auch in Deutschland wieder bestreikt. Eine Schlichtung könnte die Lösung sein – sorgt aber für neuen Ärger.
Update: 27.09.2018 - 16:17 Uhr Kommentieren

Frankfurt, London Die neue Streikwelle beim irischen Billigflieger Ryanair wird größer als vom Management gedacht. Die Gewerkschaften in mehreren europäischen Ländern haben Ryanair-Piloten und -Kabinenpersonal aufgefordert, am Freitag für 24 Stunden nicht zur Arbeit zu gehen – auch in Deutschland. Dort hatte die Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC) am Mittwochabend die Piloten zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen.

Jeden Tag würden rund 400 Flüge von und nach Deutschland gehen, erklärte Ryanair-Manager Kenny Jacobs am Donnerstag in einer eilig einberufenen Telefonkonferenz, „davon könnten 35 bis 45 Flüge ausfallen“. Noch habe man die Planungen nicht abgeschlossen. Man gehe aber davon aus, dass der überwiegende Teil der Mitarbeiter in Deutschland doch zur Arbeit komme. Damit werden wohl rund 190 Flüge in Europa ausfallen, 150 hatte die Airline bereits wegen der Streiks in den anderen Ländern gestrichen.

Man sei „enttäuscht und überrascht“, dass auch die deutsche Gewerkschaft Cockpit VC sich dem Streikaufruf, den europäische Arbeitnehmervertreter initiiert hatten, angeschlossen habe. Noch am Mittwochabend sei man zu Verhandlungen in Deutschland gewesen, erklärte das Ryanair-Management, und man sei der Meinung gewesen, dass man gute Fortschritte erzielt habe.

Ryanair verweist darauf, dass man einer Schlichtung zugestimmt habe und dass ein Deutscher den Mittelsmann übernehmen solle. Für den kommenden Donnerstag habe man VC zu Gesprächen nach Dublin eingeladen. „Wir sind aber auch bereit, woanders hin zu kommen“, betonte das Management.

Die Sicht der VC ist eine etwas andere. „Bislang konnten wir weder Einvernehmen darüber erzielen, was wir schlichten wollen, wie wir schlichten wollen und wer geeigneter Schlichter sein könnte.“, sagte Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik der VC.

Für zusätzlichen Zündstoff sorgt eine Wettbewerbsbeschwerde, die Ryanair gestern bei der EU-Kommission eingereicht hat. Darin wirft das Management einzelnen Vertretern der Gewerkschaften mehr oder minder direkt vor, im Auftrag von Wettbewerbern zu Arbeitsniederlegungen bei Ryanair aufzurufen.

Der Hintergrund: Spartengewerkschaften wie die VC oder die Kabinengewerkschaft UFO können sich nur wenige festangestellte Mitarbeiter leisten, die als hauptberufliche Funktionäre ausschließlich für die Gewerkschaft arbeiten. Viele Posten werden von Menschen bekleidet, die im Hauptberuf Mitarbeiter einer Airline sind, auch bei einer die zu Ryanair im Wettbewerb steht.

Deutsche Kabinenmitarbeiter lassen Beteiligung offen

„Es ist unverfroren, den Eindruck zu erwecken, Ryanair-Personal sei fremdgesteuert“, wehrt sich Schumacher vehement gegen diesen Vorwurf: Das sei ein weiteres Beispiel für die verquere Sichtweise des despotisch agierenden Chefs, erklärte er mit Blick auf Ryanair-Chef Michael O‘Leary. „Die VC-Streikforderungen haben gewählte Ryanair-Piloten beschlossen, die genau wissen, was die Bedürfnisse des Ryanair-Cockpitpersonals sind“, so Schumacher.

Auch das Kabinenpersonal von Ryanair in Deutschland beteiligt sich am europaweiten Streik. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ruft die Flugbegleiter dazu auf, am Freitag ganztägig die Arbeit niederzulegen. Ryanair habe auch nach vier Verhandlungsrunden keine zufriedenstellende Offerte vorgelegt.

„Das Angebot ist völlig unzureichend, vor allem auch, wenn man sich vor Augen führt, dass viele Beschäftigte ein kaum existenzsicherndes Einkommen haben“, erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle am Donnerstag. „Die größte Low-Cost Airline Europas verweigert den Beschäftigten nach wie vor ein würdiges Einkommen und eine angstfreie Unternehmenskultur.“

Der Druck auf die Airline hat in den zurückliegenden Tagen deutlich zugenommen, nicht nur wegen der Streiks. Am Mittwoch hatte sich erneut die EU anlässlich eines Besuchs von O’Leary zum schwelenden Tarifkonflikt bei der irischen Billigfluggesellschaft geäußert.

EU-Recht einzuhalten sei nichts, worüber Arbeitnehmer verhandeln müssten, erklärte Marianne Thyssen, die EU-Kommissarin für Beschäftigung, Soziales und Integration: „Ich habe das heute gegenüber Herrn O´Leary sehr deutlich gemacht. Ich bin nicht gegen Ryanair oder das Lowcost-Geschäftsmodell. Aber mit großem Erfolg geht auch große Verantwortung einher.“ Es gehe nicht um eine akademische Debatte, sondern um konkrete soziale Rechte der Arbeitnehmer, so Thyssen weiter.

Bei Ryanair hingegen beteuert man den guten Willen, den Konflikt mit den Mitarbeitern beilegen zu wollen. Sollten die Streiks aber weitergehen, könnte das zu Verlagerungen von Standorten führen. Eine Drohung, die Ryanair auch gegenüber irischen Angestellten gemacht hatte. Als mit diesen eine Einigung erzielt wurde, hatte man von derartigen Schritten abgesehen.

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