Tarifverhandlung Deutsche Bahn legt neues Angebot vor

Die Deutsche Bahn will den Tarifstreit mit der Lokführergewerkschaft GDL beilegen und hat ein verbessertes Angebot unterbreitet. GDL-Chef Claus Weselsky hat bereits abgewunken.
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Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL, fordert die Bahn auf, ein vernünftiges Angebot vorzulegen. Quelle: dpa
Streitet gerne

Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL, fordert die Bahn auf, ein vernünftiges Angebot vorzulegen.

(Foto: dpa)

FrankfurtIm Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL hat die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben einen Schritt auf die Gewerkschaft zu gemacht. Die Bahn wolle das Arbeitszeitmodell der GDL verpflichtend einem Praxistest unterziehen, sagte Personalvorstand Ulrich Weber am Montag vor Beginn der möglicherweise entscheidenden fünften Verhandlungsrunde in Frankfurt. GDL-Chef Claus Weselsky forderte, die Bahn müsse endlich ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen. „Sonst gibt es keine Grundlage für Verhandlungen.“

In der bisher letzten angesetzten Runde soll nötigenfalls bis in die Nacht hinein verhandelt werden. Beide Seiten lagen zuletzt noch weit auseinander.

Die GDL fordert 4,0 Prozent mehr Gehalt für die rund 35.000 Beschäftigten des Zugpersonals und eine besser planbare Freizeit, etwa über andere Schichtrhythmen.

Die Bahn bot zuletzt 1,5 Prozent mehr Geld rückwirkend zum 1. Oktober 2016 plus 0,2 Prozent in Form eines höheren Zusatzurlaubs für Nachtarbeit, außerdem eine Einmalzahlung von 375 Euro. Eine weitere Einkommensverbesserung von 2,5 Prozent soll sich zum 1. Januar 2018 aus einer Arbeitszeitsenkung ergeben, die 2015 vereinbart worden war. Damit würde das Tarifergebnis vom Vorjahr verrechnet, kritisierte Weselsky erneut.

Aus Sicht der Bahn führt das von der Gewerkschaft vorgeschlagene Modell zu einem komplett neuen Arbeitszeitsystem und ist nicht praxistauglich. Es solle aber dennoch getestet werden. Die GDL werde sich allerdings auf keine Lösung einlassen, „in der geschrieben steht, wir können zwar experimentieren, aber es darf nicht teurer werden“, kündigte Weselsky an.

Das sind die größten Baustellen der Bahn
Fernverkehr
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Erst vor wenigen Tagen hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr
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Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär– und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit
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174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur
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Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung
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Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21
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Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

Sollte es bei dem Treffen in Frankfurt keinen Durchbruch geben, könnten weitere Termine vereinbart werden. Bei einem Scheitern der Gespräche, könnte jede Seite die Schlichtung beantragen.

Zum Zugpersonal zählen Lokführer, Zugbegleiter, Bordgastronomen, Lokrangierführer und Disponenten (Planer). Die Bahn verhandelt parallel mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die Verbesserungen für 150.000 Beschäftigte erreichen will, darunter auch das Zugpersonal. Beide Seiten treffen sich am 23. November wieder in Berlin. Die EVG hatte zuletzt Warnstreiks im Dezember nicht ausgeschlossen.

  • dpa
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