Tech-Konzern: Alibaba plant Aufspaltung in sechs Firmen – Aktie steigt zum US-Börsenstart
Der Konzern will sich in einzelne Unternehmen unter anderem für Onlinehandel und das Cloud-Geschäft aufteilen.
Foto: ReutersPeking. Chinas größter Tech-Konzern Alibaba will sein Geschäft in sechs unabhängig voneinander geführte Unternehmensteile aufspalten. Separate Börsengänge der Einheiten seien dabei möglich, wie es in einer Mitteilung vom Dienstag heißt. Alibaba selbst würde dadurch zu einer reinen Holdinggesellschaft. Zuerst hatte die Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“, die Alibaba gehört, berichtet.
Der nun beschlossene Umbau ist die größte Umstrukturierung in der 24-jährigen Geschichte des Konzerns mit zuletzt mehr als 130 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Der Schritt diene dazu, die Geschäftsbereiche in die Lage zu versetzen „agiler zu werden“, erklärte Alibaba-Chef Daniel Zhang laut Medienberichten in einem Schreiben an die Mitarbeiter. Dadurch solle der Unternehmergeist wiederbelebt werden.
Außerdem kündigte Zhang eine Ausdünnung der Verwaltung an, nannte aber keine Details über einen Stellenabbau. Auf die Börsennotierung in New York und Hongkong habe die geplante Umstrukturierung keine Auswirkungen.
Alibaba-Aufspaltung: Aktienmarkt reagiert positiv
Die größte der sechs Einheiten ist das E-Commerce-Geschäft mit den Plattformen Taobao und Tmall, die fast 70 Prozent des Konzern-Umsatzes ausmachen. Ebenfalls wichtig ist das Cloud-Computing-Segment, der am schnellsten wachsende Bereich. Die weiteren Unternehmensteile sind lokale Dienstleistungen, Logistik und Unterhaltung. Zhang soll neben der Holding auch das Cloud-Geschäft führen.
Am Aktienmarkt kamen die Pläne gut an. Die in den USA gehandelten Papiere des Unternehmens stiegen am Dienstag zunächst um mehr als zwölf Prozent.
Mit der Umstrukturierung folgt Alibaba dem Vorbild von Google, das 2015 eine ähnliche Restrukturierung unter dem Dach der Holding Alphabet vollzogen hatte. Unklar blieb zunächst, inwiefern der Schritt auch eine Reaktion auf die Regulierungswelle in China in den vergangenen Jahren ist. Diese hatte auch Alibaba stark getroffen.
Alibaba-Gründer Ma zurück in China
Am Montag war Alibaba-Gründer Jack Ma erstmals seit einem Jahr wieder auf dem chinesischen Festland gesichtet worden. In den vergangenen beiden Jahren hatte der Milliardär sich überwiegend im Ausland aufgehalten und unter anderem in Japan gelebt. Ma, der früher für seine extrovertierten öffentlichen Auftritte bekannt war, hatte im Herbst 2020 die konservative Regulierung im Finanzbereich als „Pfandhausmentalität“ kritisiert.
Daraufhin untersagten die Behörden den auf 24,5 Milliarden Dollar taxierten Mega-Börsengang der Finanzdienstleistungstochter Ant. Zudem verhängten die chinesischen Wettbewerbshüter eine Rekordstrafe von 18,2 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 2,3 Milliarden Euro, gegen den Mutterkonzern Alibaba, weil er seine marktbeherrschende Position ausgenutzt habe.
Erstmals seit Jahren wurde der Alibaba-Gründer wieder in China gesehen.
Foto: APEs folgte eine sogenannte „Berichtigungskampagne“ im chinesischen Technologiesektor. Unternehmen wie Alibaba, Baidu und Tencent waren hier weitgehend unreguliert zu mächtigen Konglomeraten herangewachsen.
In den vergangenen zwei Jahren haben die Aufseher aber die Marktmacht der Konzerne jedoch deutlich beschnitten, offiziell um Kunden zu schützen und den Wettbewerb zu wahren. Inoffiziell ging es dabei jedoch auch darum, die Kontrolle der herrschenden Kommunistischen Partei über den Sektor zu verstärken und diesen politisch auf Linie zu bringen.
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Zuletzt mehrten sich die Hinweise auf eine Ende der Regulierungswelle. Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass sich die chinesische Wirtschaft nicht so schnell wie erhofft vom Corona-Chaos erholt.
Zeichen der Entwarnung für Chinas Tech-Sektor?
Der öffentliche Auftritt von Ma in Hangzhou, wo auch Alibaba seinen Sitz hat, entfachte Spekulationen, ob dies als Zeichen der Entwarnung für die Privatwirtschaft gedeutet werden kann. Der neue chinesische Premierminister Li Qiang habe über Mittelsmänner versucht, den Alibaba-Mitgründer seit vergangenem Jahr zur Rückkehr nach China zu bewegen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider. Es sei jedoch unklar, ob dies der Grund für die aktuelle Reise sei.
Ma hatte Anfang des Jahres angekündigt, die Kontrolle über Ant abzugeben. Kurz darauf signalisierten die Finanzaufseher, dass die Regulierungsbestrebungen bei einem guten Dutzend von Finanztöchtern der Tech-Konzerne, inklusive Ant, „nahezu abgeschlossen“ seien. Ant, zu dem die beliebte Online-Bezahlapp Alipay gehört, hatte zuvor auf Druck der Behörden sein hochprofitables Verbraucherkreditgeschäft abgespalten.
Wie das renommierte chinesische Wirtschaftsmagazin „Caixin“ berichtet, wurden die Verbindungen zum Mutterkonzern Alibaba weitgehend gekappt, darunter auch der Datenaustausch. Ma selbst kam die Regulierungswelle teuer zu stehen. Er verlor seine Spitzenposition als reichster Chinese.
Erstpublikation: 28.03.2023, 12:52 Uhr (zuletzt aktualisiert: 28.03.2023, 15:32 Uhr).