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Tengelmann und Edeka Rewe klagt gegen Gabriels Ministererlaubnis

Der Streit um die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka ist noch lange nicht zu Ende. Rewe-Chef Caparros macht nun seine Drohung wahr: Der Konkurrent zieht gegen die Erlaubnis von Minister Gabriel vor Gericht.
Der Rewe-Chef klagt gegen die Ministererlaubnis für Edeka und Tengelmann. Quelle: dpa
Alain Caparros

Der Rewe-Chef klagt gegen die Ministererlaubnis für Edeka und Tengelmann.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Handelskonzern Rewe klagt gegen die Ministererlaubnis für die Fusion von Edeka und Kaiser's Tengelmann. „Wir haben immer erklärt, dass wir alle rechtlichen Mittel ausschöpfen werden, um die Interessen der Rewe Group in diesem Fusionsverfahren zu wahren. Deshalb werden wir Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf gegen die Ministererlaubnis einreichen“, sagte Alain Caparros, Chef der Rewe Group.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte am Donnerstag nach monatelangem Ringen eine Erlaubnis unter harten Auflagen für die Übernahme der defizitären Supermarktkette Kaiser's Tengelmann erteilt. Er hat sich damit über das Veto des Bundeskartellamtes hinweggesetzt, das die Übernahme zuvor verboten hatte. Auch die Monopolkommission hatte schwere Bedenken geäußert und dem Minister von einer Erlaubnis abgeraten.

„Das ist eine schlechte Entscheidung für die Beschäftigten bei Kaiser’s Tengelmann und zugleich für alle Verbraucher, für die kleinen und mittelständischen Lieferanten, für die Landwirtschaft und für den fairen und gesunden Wettbewerb im gesamten deutschen Lebensmitteleinzelhandel", wetterte Caparros. Minister Gabriel dagegen sagte: „Der Erhalt der Arbeitsplätze und Arbeitnehmerrechte der Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann lässt sich aus meiner Sicht nur durch eine Gesamtübernahme durch Edeka wirkungsvoll realisieren.“

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub hatte im Oktober 2014 seine seit Jahren defizitäre Tochter Kaiser's Tengelmann an Edeka verkauft. Nachdem das Kartellamt diesen Deal untersagt hatte, beantragten die Beteiligten im April 2015 eine Ministererlaubnis. Seitdem hatten die Beteiligten auf eine Entscheidung des Ministers gewartet.

Diese Handelsmarken sind verschwunden
Kaiser‘s
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Kaiser´s ist die lachende Kaffeekanne. Sie begleitet das Unternehmen seit über 100 Jahren. Die Idee, eine Kaffeekanne als Firmensymbol einzusetzen, stammt von Josef Kaiser, der das Unternehmen ab 1880 zum größten deutschen Filialisten für Kaffee ausbaute. Der Berliner Künstler Paul Böhm entwickelte das Logo, das 1904 beim Deutschen Patentamt in München als Schutzmarke eingetragen wird. 1914 schuf der berühmte Gestalter Peter Behrens die heutige Form der Kanne. Wenn die Kaiser´s-Märkte bald sukzessive verkauft werden, wird wohl auch die lachende Kaffeekanne verschwinden.

(Foto: dpa)
Minimal
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1973 eröffnete der erste „Minimal“-Markt. Die Kette war vor allem in den frühen Jahren bekannt für seine großen Ladenlokale. Schon 1974 übernahm Rewe 50 Prozent der Marke, 1989 den Rest. Minimal blieb noch bis 2006 als eigenständige Supermarktkette. Dann wurden alle Läden in Rewe-Märkte umgewandelt.

(Foto: Imago)
Plus
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Angestachelt vom Erfolg der Aldi-Märkte gründete die Tengelmann-Gruppe 1972 ihre eigene Discount-Kette: Plus – ein Kürzel für „Prima leben und sparen“. Das Konzept entsprach grundsätzlich dem eines Discounters, doch unterschied sich Plus in einigen Punkten von den „Harddiscountern“ wie Aldi und Lidl: Die Produktpalette war größer und es gab einen höheren Anteil an Markenartikeln. Geworben wurde mit den kleinen Preisen. 2008 übernahm Edeka die mehr als 2.300 Plus-Märkte. Bis Mitte 2010 wurden sie sukzessive in Netto Marken-Discount umbenannt.

(Foto: Imago)
Extra
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1970 in Düren gegründet wuchs die Supermarktkette Extra schnell heran und expandierte in viele deutsche Regionen – vor allem in NRW, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Berlin. 1996 wurde das Unternehmen Teil des Metro-Konzerns und 2004 mit deren Lebensmittelsparte Real zusammengeführt. Die Marken traten allerdings weiterhin getrennt auf. 2008 übernahm der Kölner Handelskonzern Rewe die Extra-Verbrauchermärkte mit den 9.700 Mitarbeitern. Seitdem heißt Extra Rewe.

(Foto: PR)
Eduscho
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„Hoch die Tasse, hoch die Tasse – hm, Eduscho – Spitzenklasse!“ In den 1970er-Jahren gehörte Eduscho zu den größten Kaffeeröstereien Deutschlands. Den Grundstein legte Eduard Schopf 1924 mit einem Postversand für frischen Röstkaffee. In den 1950er-Jahren baute Eduscho ein großes Filialnetz auf und war mit Depots in Bäckereien und Lebensmittelgeschäften vertreten. Später begann der Verkauf von Non-Food-Artikeln, mit denen das Unternehmen schon bald mehr verdiente als mit Kaffee. 1997 übernahm der größte Konkurrent Tchibo das Bremer Unternehmen. Die Marke verschwand ab 2000 – zumindest in Deutschland.

(Foto: ap)
Hertie
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Kaum ist sie da, ist sie auch schon wieder weg: Die Marke Hertie. Der Name der einstigen Warenhauskette geht zurück auf den jüdischen Investor Hermann Tietz. Bis in die 1980er-Jahre hinein gehörte Hertie zu den größten deutschen Handelskonzernen. 1993 wurde das Unternehmen von der „Karstadt AG“ übernommen und die Filialen nach und nach in „Karstadt Kompakt“ umbenannt. 2007 dann eine Renaissance: Ein Teil der Märkte firmierte wieder unter dem Namen Hertie. Doch 2009 wurden sie geschlossen und das Hertie-Logo von ehemaligen Berliner Beschäftigten symbolisch in der Spree versenkt. Ein endgültiger Untergang war das allerdings nicht: Heute existiert Hertie als Online-Kaufhaus. Mal sehen, wie lange…

(Foto: dpa)
Horten
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Horten war in den 1950er- und 60er-Jahren der Inbegriff des modernen Warenhauses: Die Filialen besaßen Rolltreppen, Boutiquen und sogar eigene Tankstellen. Ein weiteres Markenzeichen: Die „Hortenkacheln“ – ein vom Architekten Egon Eiermann stilisiertes weißes H aus Aluminium – die zum Teil heute noch die Fassaden schmücken. Ende der 1980er Jahre wechselte Horten mehrmals den Besitzer: Zunächst hielt die WestLB den größten Aktienanteil, 1994 übernahm Kaufhof das Unternehmen komplett. Der Name Horten verschwand – zumindest fast: Das „Carsch-Haus“ in Düsseldorf trägt auch heute noch das Horten-Logo – in Stein gemeißelt.

(Foto: Imago)

Bei den Auflagen, die der Minister nun für die Übernahme gemacht, handelt es sich weitgehend um Maßnahmen, die den Erhalt der bisher rund 16.000 Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann garantieren sollen. So wird darin gefordert, dass Edeka für die übernommenen Mitarbeiter einen Tarifvertrag mit den Gewerkschaften abschließt, der sicherstellt, dass für alle Beschäftigten mindestens fünf weitere Jahre Tariflöhne gezahlt werden und dass die Betriebsratsstrukturen erhalten bleiben. Die Übernahme darf erst vollzogen werden, wenn die Bedingungen erfüllt sind. Alle Verfahrensbeteiligten haben jetzt die Möglichkeit, innerhalb eines Monats Beschwerde gegen die Entscheidung beim Oberlandesgericht einzulegen.

Trotz Arbeitsplatzverlusten: Ist Gabriel für die Fusion?


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