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Textilbranche Kritik am „Grünen Knopf“: Das staatliche Siegel für Kleidung sorgt für Ärger

Das staatliche Textilsiegel soll Anfang September starten. Manche Unternehmen sind zunächst ausgeschlossen – weil es zu wenig Prüfkapazitäten gibt.
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Der „Grüne Knopf“ soll den Käufern mehr Klarheit für nachhaltig korrekte Kleidung bieten. Quelle: imago
Modehandel

Der „Grüne Knopf“ soll den Käufern mehr Klarheit für nachhaltig korrekte Kleidung bieten.

(Foto: imago)

Düsseldorf Die Botschaft ist klar: „Nicht mehr suchen, einfach finden: sozial und ökologisch nachhaltig produzierte Kleidung.“ So wirbt Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) in Schaufenstern seines Ministeriums in der Nähe des Anhalter Bahnhofs in Berlin für das neue Textilsiegel „Grüner Knopf“.

Am 9. September will Müller das Siegel einführen, das den Verbrauchern erstmals zeigen soll, welche Kleidung umweltfreundlich und zugleich fair produziert wird. Der „Grüne Knopf“ soll den Käufern mehr Klarheit für nachhaltig korrekte Kleidung bieten – ein Metasiegel statt der vielen einzelnen bestehenden Ökosiegel. Unternehmen wie Tchibo, Otto und der Outdoor-Spezialist Vaude werden zum Start dabei sein.

Was so einfach klingt, ist äußerst kompliziert und sorgt für reichlich Konfliktstoff. Denn viele Unternehmen halten nichts von dem neuen Super-Siegel. Oder sie wollen erstmal abwarten, ob es im Markt ankommt.

Andere kritisieren, dass sie gerne gleich beim Start dabei sein wollen, aber nicht dürfen – wie der Discounter Kik. Kik-Chef Patrick Zahn ist verärgert, weil Kik erst einen Prüftermin für das neue Siegel im Oktober erhalten hat.

Daraus folgert Zahn, dass „das Ministerium beim Start auf eine kleine Gruppe an auf Nachhaltigkeit fokussierte Anbieter setzt anstatt auf die große Käuferschicht im Massenmarkt“, wie er gegenüber dem Handelsblatt kritisierte. Spürbare Veränderungen würden sich aber nur ergeben, „wenn auch die Kundinnen und Kunden im Massenmarkt den Grünen Knopf als Kaufanreiz erkennen“.

Der Discounter wird deshalb wie einige andere Unternehmen „frühestens im nächsten Jahr die ersten Textilien mit dem Grünen Knopf verkaufen“, wie eine Sprecherin sagte. Bei anderen Unternehmen ist es noch offen, ob sie zum Start im September dabei sein werden.

„Lidl Deutschland durchläuft aktuell das Prüfverfahren zum „Grünen Knopf““, sagte ein Sprecher des Discounters „Auf Basis der Ergebnisse werden wir final über die Teilnahme entscheiden.“

Die Probleme mit den verspäteten Prüfterminen kritisiert Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverband Deutschland (HDE). „Es droht Wettbewerbsverzerrung, wenn nicht für alle Marktteilnehmer die gleichen Spielregeln gelten“, sagte Genth dem Handelsblatt. „Umso mehr, als die Einführung des Siegels mit hohen Kosten und Anpassungen der Lieferkette verbunden sind“, sagte der HDE-Hauptgeschäftsführer.

Keine Kompromisse bei den Prüfungen

Minister Müller will lieber im September mit weniger Unternehmen starten, als die Premiere noch um ein paar Monate zu verschieben. Den Engpass begründet er damit, dass die Prüfstellen wie TÜV und Dekra „sorgfältig von der Deutschen Akkreditierungsstelle ausgewählt“ werde. „Wir haben daher nur eine begrenzte Anzahl an autorisierten Prüfern“, erklärt Müller. Deshalb würden „einige Unternehmen erst in den kommenden Wochen geprüft“.

Außerdem will er bei den Prüfungen keine Kompromisse machen. Er versucht mit dem neuen Siegel, erstmals alle Kriterien für eine nachhaltige Textilproduktion zu berücksichtigen. Heutige Siegel wie Ökotex und Fairtrade umfassen nur einzelne Themen wie eine schadstoffarme Produktion und Produkte sowie faire Arbeitsbedingungen.

„Um das Zertifikat zu erhalten, müssen 26 soziale und ökologische Kriterien für das Produkt erfüllt werden“, wirbt Müller für den „Grünen Knopf“. Das reicht von Abwassergrenzwerten bis zum Zwangsarbeitsverbot.

Außerdem muss „das Unternehmen als Ganzes seine Sorgfaltspflichten anhand von 20 Kriterien nachweisen“, erklärt der Minister. Dazu zählt er, ob ein Unternehmen zum Beispiel effektive Beschwerdemechanismen in den Produktionsstätten installiert hat und ob es entdeckte Missstände tatsächlich abschafft.

Unabhängige Prüforganisationen wie der TÜV kontrollieren, ob die Unternehmen die Kriterien einhalten. In der Startphase geht es erst einmal darum, ob die Textilfirmen in den Produktionsstufen Zuschneiden und Nähe sowie Bleichen und Färben die Kriterien einhalten. Später soll der Forderungskatalog erweitert werden.

Nichtregierungsinitiativen wie die Kampagne für Saubere Kleidung, ein Netzwerk deutscher Nichtregierungs-Organisationen, kritisieren, dass der „Grüne Knopf“ nur die gesetzlichen Mindestlöhne in den jeweiligen Produktionsländern voraussetze. Es sei aber notwendig, die Bezahlung der Beschäftigten in den Werken der Textilindustrie in Asien auf das Niveau existenzsichernder Löhne zu erhöhen. Dieses Kriterium will Minister Müller aber erst in den nächsten Jahren aufnehmen.

Herzensangelegenheit für den Minister
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