Textilbranche Warum der deutsche Modehandel Achterbahn fährt

Der deutsche Modehandel befindet sich in einer der größten Umbrüche seit Jahrzehnten. Online-Händler, Modehersteller und internationale Ketten wirbeln die Strukturen durcheinander – zum Leid vieler Boutiquen.
Internationale Ketten setzen den deutschen Händlern zu. Quelle: dpa
Schaufenster von H&M

Internationale Ketten setzen den deutschen Händlern zu.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs sind stürmische Zeiten für den deutschen Modehandel. Die Zahl der selbstständigen Textilhändler hat sich seit der Jahrtausendwende fast halbiert, schätzt der Bundesverband des deutschen Textilhandels (BTE) – von damals über 35.000 auf aktuell nur noch rund 18.000 Unternehmen. Stattdessen boomen Online-Händler wie Zalando und internationale Ketten wie H&M oder Primark. „Die Branche befindet sich in ihrer größte Konsolidierung seit Jahrzehnten“, urteilte kürzlich das Branchenfachblatt „Textilwirtschaft.“

Dabei haben die Modehändler auf den ersten Blick eigentlich gar keinen Grund zu klagen. Im vergangenen Jahr stiegen die Einzelhandelsumsätze mit Bekleidung sowie Haus- und Heimtextilien um rund zwei Prozent auf 62 Milliarden Euro. Auch dieses Jahr hofft die Branche auf ein weiteres kleines Umsatzwachstum. Der Haken dabei: „Das Wachstum wird von immer weniger Unternehmen abgegriffen“, betonte kürzlich BTE-Präsident Steffen. Fünf Ursachen werden wohl dafür sorgen, dass die Branche auch in Zukunft nicht zur Ruhe kommt:

Diese Geschäfte werden Sie bald häufiger sehen
CCC
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Insgesamt gibt es 475 Einkaufszentren in Deutschland – und es werden immer mehr. Zu den Shooting Stars in den zwölf Shopping Centern, die im vergangenen Jahr neu in Deutschland eröffneten, gehört CCC. Das polnische Unternehmen ist mit gleich vier Läden vertreten. Das Unternehmen, das in Polen mit hunderten Läden unter verschiedenen Marken erfolgreich ist, bietet Schuhe im Discountstil wie Deichmann an, zum Beispiel in Aquis-Plaza in Aachen und im Werk-Statt Limburg.

Quelle: EHI-Shopping-Center-Report

Reserved
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Mit insgesamt drei Läden startete „Reserved“ in den neuen deutschen Shopping Malls. Das polnische Unternehmen verkauft junge Mode für junge Frauen, unter anderem die Kollektion von Model und Mick-Jagger-Tochter Georgia May Jagger, und ist in etwa vergleichbar mit dem viel größeren Konzern H&M aus Schweden. Im Einkaufszentrum „Minto“ in Mönchengladbach, das mit einem hochwertigeren Angebot punkten will, belegt „Reserved“ gleich zwei Etagen.

Fynch-Hatton
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Die Marke hört sich very british an, kommt aber aus Mönchengladbach. Das Label ist nach dem britischen Abenteurer Denys Finch-Hatton benannt. Bisher verkaufte das Unternehmen seine hochwertige Herrenkleidung für junge Männer ab etwa 30 Jahren vor allem in sogenannten Shop-in-shops bei seinen Handelspartnern. Jetzt wagt sich „Fynch-Hatton“ mit zwei eigenen Läden in große Einkaufsmeilen wie in das „Minto“ in Mönchengladbach.

Quelle: Minto.de

Chisu
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Der Textilhändler aus Ransbach-Baumbach in Rheinland-Pfalz importiert Designermode aus Italien und Frankreich. Er will sich mit wöchentlich wechselnden Kollektionen von der Masse im Modemarkt abheben. Das erst 2006 gegründete deutsche Unternehmen setzt auf ein Franchise-Konzept und hat ehrgeizige Ziele: Es will bis 2021 mit etwa 450 Chisu-Boutiquen mehr als 110 Millionen Euro umsetzen, zum Beispiel im Forum Hanau.

Sergent Major
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Die französische Kindermodemarke „Sergent Major“ ist im vergangenen Jahr in zwei neuen Einkaufsmeilen gestartet – unter anderem im Einkaufszentrum Neuer Markt in Neumarkt/Oberpfalz. Sie wirbt mit detailreicher und fantasievoller Mode für ganz junge Kunden. Das Unternehmen setzte 2014 nach Angaben des Fachmagazins Textilwirtschaft 2014 mit 550 Verkaufspunkten rund 215 Millionen Euro um.

Superdry
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Die britische Marke mit dem japanischen Touch hat große Expansionsziele. CEO Euan Sutherland will vor allem in Deutschland stark wachsen – der zweitwichtigste Markt nach dem Heimatmarkt Großbritannien. Superdry ist eine junge Marke, erst zwölf Jahre alt, und setzt auf ein schnörkelloses Design für Freizeitmode, das stark an den japanischen Purismus erinnert. Sie ist gleich in drei der neuen Shoppingcenter vertreten, zum Beispiel im „Minto“ in Mönchengladbach. Und folgende bekannten Label wachsen weiter...

Orsay
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Das Unternehmen, vor 40 Jahren in Baden-Württemberg gegründet, gehört zur französischen Mulliez-Gruppe. Es verkauft Mode für junge Frauen in 26 Ländern Europas und expandiert weiter. Es hat in sechs der neuen Shopping-Center neue Läden eröffnet, wie in der Holsten-Galerie in Neumünster.

Ursache 1: Der Online-Boom: Immer mehr Verbraucher kaufen Hosen, Kleider und Mäntel im Internet. Nach Angaben des E-Commerce-Verbandes bevh stiegen die Online-Umsätze mit Bekleidung im vergangenen Jahr um 18 Prozent auf über zehn Milliarden Euro. Davon profitieren reine Internethändler wie Amazon und Zalando, aber auch Unternehmen wie H&M oder Bonprix, die auf mehreren Kanälen verkaufen. Verlierer sind vor allem kleinere Händler, die sich kein attraktives Online-Standbein leisten können. Jeder Euro, der online ausgegeben werde, mache es für sie schwieriger die Kosten für Mieten und Personal zu erwirtschaften, betont die Handelsexpertin Kerstin Lehmann von OC&C Strategy Consultants.

Ursache 2: Der Siegeszug der Modeketten: Internationale Textilketten wie H&M oder Zara und Textil-Discounter wie Primark oder KiK verdrängen seit Jahren klassische Modehändler und Boutiquen aus den Einkaufsstraßen. Denn mit dem Tempo und den Preisen der straff durchorganisierten Ketten können viele etablierte Händler nicht mithalten.

Der starke Dollar belastet die Gewinnmargen
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