Textildiscounter Primark veröffentlicht Liste seiner Lieferanten

Der Textildiscounter Primark veröffentlicht eine Liste seiner Lieferanten. Viele Konkurrenten waren allerdings schneller.
Update: 07.02.2018 - 14:31 Uhr Kommentieren
Primark lege großen Wert auf vernünftige Arbeitsbedingungen bei der Herstellung der Kollektionen und überprüfe die beauftragten Fabriken regelmäßig, teilt das Unternehmen mit. Quelle: Reuters
Primark

Primark lege großen Wert auf vernünftige Arbeitsbedingungen bei der Herstellung der Kollektionen und überprüfe die beauftragten Fabriken regelmäßig, teilt das Unternehmen mit.

(Foto: Reuters)

DublinWer sich gefragt hat, wo der Textildiscounter Primark ein T-Shirt für 2,50 Euro oder eine Jeans für 10 Euro herbekommt, kann jetzt im Internet nachschauen. Auf der Konzern-Homepage veröffentlichte der Handelsriese am Mittwoch Namen und Adressen von mehr als 900 Fabriken in 31 Ländern, die für ihn arbeiten.

Zwar verrät Primark nicht, was genau wo gefertigt wird. Doch gibt die Website immerhin einen Einblick in das Lieferantennetzwerk der Kette, die mit ihrer Billigstrategie in den vergangenen Jahren den Sprung aus dem Nichts unter die zehn größten Modemarken-Anbieter Europas geschafft hat. Die Iren verfügen über keine Fabriken, sondern lässt alle Kollektionen von Zulieferern herstellen. Die Primark-Liste umfasst allein 550 in China, 173 in Indien und 78 in der Türkei.

Doch geht es bei der Veröffentlichung der Daten nicht in erster Linie darum, die Neugier der Kunden zu befriedigen. Die Handelskette reagiert vielmehr auf den Druck von Nicht-Regierungsorganisationen wie der „Kampagne für Saubere Kleidung“ und von Gewerkschaften, die diesen Schritt seit langem gefordert haben. Sie erhoffen sich bessere Arbeitsbedingungen und mehr Schutz für die Beschäftigten in den Fabriken. Bei Missständen können sich Arbeitnehmer, Gewerkschaften und Hilfsorganisationen so leichter an die Auftraggeber wenden und sie auffordern, ihren Einfluss geltend zu machen.

So etwas wie 2013 soll nach dem Willen der Hilfsorganisationen nicht wieder passieren. Als damals eine Textilfabrik in Bangladesch zusammenstürzte und 1100 Arbeiter getötet wurden, mussten die Übelebenden in den Trümmern nach Etiketten suchen, um herauszufinden, für wen die Fabrik gearbeitet hatte.

Vor Primark haben in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche andere große Handelsketten wie H&M oder C&A, aber auch Modemarken wie Adidas, Esprit oder Gap Lieferantenlisten veröffentlicht. Einige gehen bei den veröffentlichten Daten deutlich weiter als Primark.

Der für Ethik-Fragen bei Primark zuständige Top-Manager Paul Lister betonte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, man habe in der Vergangenheit aus Wettbewerbsgründen seine Lieferanten nicht offengelegt. Doch wolle sich Primark dem Branchentrend zu mehr Transparenz nicht länger entziehen. Schließlich lege man großen Wert auf vernünftige Arbeitsbedingungen bei der Herstellung der Kollektionen und überprüfe die beauftragten Fabriken regelmäßig.

Der Textildiscounter hat einen 35 Punkte umfassenden Verhaltenskodex, an dem sich Lieferanten orientieren müssen. Darin enthalten ist etwa ein Verbot von Kinderarbeit sowie die Forderung nach einem sicheren und hygienischen Arbeitsumfeld für die Beschäftigten.

Kleider machen Milliardäre
Platz 10: Burberry
1 von 10

Der Hoflieferant von Queen Elizabeth und Prince Charles gehört zu den luxuriösesten Modelabels der Welt – und zu den teuersten. Gegründet wurde das Unternehmen 1856. Seit 1920 ist Burberry an der Londoner Börse notiert, die Marke ist Mitglied im FTSE 100 Index.

Umsatz 2015: 3,4 Milliarden Euro*

*Geschäftsjahr 2014/15

Quelle: Umsatzrangliste europäischer Bekleidungsmarken nach der Zeitschrift „TextilWirtschaft“, dfv-Mediengruppe

Platz 9: Prada Group
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Die bekannteste Marke der Prada Group ist heute noch Prada, allerdings sind Marke und Unternehmen nicht mehr synonym: Weitere Marken der Prada Group sind Miu Miu, Church’s und The Original Car Shoe. Das Unternehmen Prada wurde 1913 von Mario und Martino Prada gegründet, 1919 stieg der exklusive Hersteller von Handschuhen, Taschen und Koffern zum königlichen Hoflieferanten auf. 1978 übernahm Miuccia Prada, Enkelin von Firmengründer Mario, die Geschäfte und baute die Prada Group zu einem global agierenden Modekonzern aus. Prada eröffnete erst im Jahr 1983 ein zweites Ladenlokal, wie das erste in Mailand liegend.

Umsatz 2015: 3,5 Milliarden Euro

Platz 8: Next
3 von 10

Der britische Modehändler Next, 1982 gegründet, besitzt mittlerweile nach eigenen Angaben über 500 Geschäfte im Vereinigten Königreich und Irland, sowie „nahezu“ 200 Franchise-Stores in 40 Ländern. Er ist mittlerweile zum führenden Online-Modehändler Großbritanniens aufgestiegen und liefert seine Kollektionen in über 72 Länder. Next setzt auf eigene Designs und vertreibt ausschließlich die eigene, gleichnamige Modemarke.

Umsatz 2015: 5,6 Milliarden Euro

Platz 7: C&A
4 von 10

Im Jahr 1841 gründeten die Brüder Clemens und August Brenninkmeijer das Unternehmen 'C. en A.' und eröffneten ein Geschäft, das als eines der ersten Kleidung in Konfektionsgrößen verkaufte. Bis heute befindet sich das Unternehmen in mittlerweile sechster Generation in Besitz der Familie Brenninkmeijer. C&A ist mit 1575 Filialen in 21 europäischen Ländern vertreten und beschäftigt rund 35.000 Mitarbeiter.

Umsatz 2015: 6 Milliarden Euro

Platz 6: Primark
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Die erste deutsche Filiale des 1969 gegründeten Textil-Discounters wurde 2009 in Bremen eröffnet, mit mittlerweile 20 Läden ist die Bundesrepublik das Land mit den drittmeisten Primark-Filialen außerhalb des Vereinigten Königreichs. Strategie des irischen Unternehmens ist es, auf in der Regel mehreren tausend Quadratmetern Verkaufsfläche modische Textilien, Schuhe und Accessoires zu extrem niedrigen Preisen anzubieten – damit ist der Konzern anders als andere Textil-Discounter vor allem bei jungen Menschen erfolgreich. Wegen Arbeits-, Lohn- und Produktionsbedingungen in Billiglohnländern steht das Unternehmen immer wieder in der Kritik.

Umsatz 2015: 7,6 Milliarden Euro

Platz 5: Kering
6 von 10

Das französisch-italienische Modeunternehmen Kering wurde 1963 von dem französischen Unternehmer François Pinault gegründet und bis 2005 von diesem geführt. Seit dem 21. März 2005 wird der Konzern von Pinaults Sohn, François-Henri Pinault (im Bild), geleitet. Der Name Kering dürften nur den Wenigsten bekannt sein. Doch mit Labels wie Puma oder Gucci erreicht der Konzern ansehnliche Umsätze.

Umsatz 2015: 11,5 Milliarden Euro

Platz 4: Christian Dior
7 von 10

Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 gegründet, trug Christian Dior maßgeblich dazu bei, dass sich Paris als Modehauptstadt der Welt etablieren konnte. Insgesamt beschäftigt das Unternehmenskonglomerat über 100.000 Mitarbeiter. Für die Modesparte von Dior arbeiten knapp 3600 Menschen.

Umsatz 2015: 12,3 Milliarden Euro

Lister räumte allerdings ein, dass eine Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit klaffe: „Bei einer Überprüfung, die in einer Fabrik in einem Entwicklungsland keinerlei Probleme entdeckt, wäre ich misstrauisch.“ Doch schaue Primark genau hin und versuche bei Missständen, in Zusammenarbeit mit den Fabriken Abhilfe zu schaffen.

Die neue Offenheit über Bezugsquellen wird von Berndt Hintzmann von der „Kampagne für Saubere Kleidung“ begrüßt. „Transparenz ist einer der wichtigsten Schritte, um Probleme festzustellen und abzustellen“, meint er. Allerdings sei es nur ein erster Schritt, weitere müssten folgen. Gut wäre es in den Augen des Aktivisten, wenn Primark sich selbst öffentlich Ziele setzen würde, was das Unternehmen tun will, um etwa existenzsichernde Löhne für die Beschäftigen in den Fabriken sicherzustellen. Und über den Erfolg auch Rechenschaft ablegen würde. Gerade wenn große Ketten wie H&M und Primark hier ihre Kräfte bündeln würden, könnten sie in den Fabriken viel erreichen, meint Hintzmann.

Lister will weitere Schritte jedenfalls nicht ausschließen: „Unternehmensethik gleicht immer einer Reise. Es geht immer weiter - aber es ist schwierig zu sagen, was als nächstes kommt.“

Für den Marketing-Experten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU ist jedoch klar, dass die großen Textilhändler schon aus eigenem Interesse auf dem eingeschlagenen Weg weitergehen müssen. „Der Druck auf die Handelsketten, für bessere Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion zu sorgen, wächst“, erklärt er. „Denn die Kunden wollen sich gut fühlen, wenn sie etwas kaufen. Sie wollen kein schlechtes Gewissen dabei haben.“

  • dpa
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