Textilindustrie Kampf ums letzte Hemd

Dem deutschen Mode-Mittelstand laufen die Kunden weg. Etliche Hersteller schreiben Verluste, einst gefragte Marken wie Strenesse oder Rena Lange betteln bei Investoren um Geld – doch die zieren sich.
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Nachtwäsche von Seidensticker: Obwohl die Wirtschaft brummt, geben die Deutschen deutlich weniger Geld für Bekleidung und Schuhe aus. Quelle: PR

Nachtwäsche von Seidensticker: Obwohl die Wirtschaft brummt, geben die Deutschen deutlich weniger Geld für Bekleidung und Schuhe aus.

(Foto: PR)

DüsseldorfGerd Oliver Seidensticker ist so etwas wie der Meister Proper der Modebranche. Eine Allzweckwaffe. Wo andere die Sterbeglöckchen läuten hören, verbreitet der Präsident des deutschen Modeverbands German Fashion gute Stimmung. „Nichts ist aussichtslos“, sagt der 47-Jährige mit der markanten Stoppelglatze. „Wir müssen jetzt viel tun, damit wir später die Ernte einholen können.“

Es ist Mittag Anfang dieser Woche in Bielefeld. Seidensticker richtet seinen Hemdkragen und guckt aus dem Bürofenster der Firmenzentrale. Vor 95 Jahren legte sein Großvater, Walter Seidensticker, hier den Grundstein für das gleichnamige Unternehmen. Heute steht der größte Hemdenfabrikant Europas unter Druck. Wie so viele heimische Bekleidungshersteller rutschte Seidensticker in die roten Zahlen.

Obwohl die Wirtschaft brummt, geben die Deutschen heute deutlich weniger Geld für Bekleidung und Schuhe aus als noch vor ein paar Jahren. Der Kleiderschrank der meisten Konsumenten ist prall gefüllt, folglich schrumpft der Markt. 2013 wurden hierzulande um drei Milliarden Euro weniger mit Textilartikeln umgesetzt, als um die Jahrtausendwende.

Die Modewelt ist im Umbruch. Im Wettbewerb mit internationalen Ketten drohen deutsche Hersteller den Anschluss zu verlieren. Während H&M und Zara stetig Marktanteile gewinnen, gerät der heimische Mode-Mittelstand in immer stärkere Turbulenzen.

Einst angesagte Marken wie Strenesse machen nur noch abseits der Mode auf sich aufmerksam. Die bayrische Firma konnte eine zwölf Millionen schwere Anleihe nicht wie geplant zurückzahlen und bat ihre Gläubiger am Donnerstag um Zahlungsaufschub. Die Geldgeber stimmten dem Restrukturierungsplan zwar zu, aber das Hauptproblem für Strenesse und die Branche bleibt: Die traditionellen Vertriebswege brechen ein.

Große Warenhäuser wie Karstadt, Kaufhof oder die kriselnde Handelskette Strauss Innovation sehen gegen Online-Händler wie Zalando alt aus. Kleine Boutiquen geben reihenweise auf. Laut dem Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) ist die Anzahl der Bekleidungsfachhändler seit dem Jahr 2000 von mehr als 35.000 auf aktuell 20.000 gesunken. Jährlich verschwinden so gut tausend Textilhändler von den Einkaufsmeilen.

Für die deutschen Mode-Produzenten sind diese Zahlen alarmierend. Sie vertreiben noch immer den Großteil ihrer Waren über Kaufhäuser und Fachhändler. Wollen sie überleben, müssen sie umdenken und ihr Geschäftsmodell von Grund auf ändern – eigene Läden hochziehen sowie den Export- und Online-Markt forcieren. Vielen Herstellern ist die neue Welt aber zu komplex.

Altes Geschäftsmodell nicht mehr wettbewerbsfähig
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10 Kommentare zu "Textilindustrie: Kampf ums letzte Hemd"

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  • GANZ genau!!
    Ich gucke ob da schon Made in Italy steht..leider nur noch bei wenigen wie Loro Piana, Ferragamo und Bottega veneta...
    Seidensticker produziert alles in Vietnam, dann sollen die Preise auch wie bei H&M sein!

  • Sehr geehrter Hemdentraeger,

    ich kann Ihnen nur zustimmen. Mit Seidensticker habe ich keine Erfahrung, wohl aber mit den beiden anderen Marken.

    Eterna produziert hervorragende Hemden, die sehr gut zu tragen sind und die im Beruf ein sehr gutes Bild abgeben. Der Stoff der Olymp Hemden war mir auch immer zu dünn, deshalb bin ich einer Empfehlung aus der Familie gefolgt und auf Eterna umgestiegen.

    Dies war in Bezug auf Hemden das Beste, was ich tun konnte. Vor allem bietet Eterna Versionen mit längeren Ärmeln an, was ich sehr angenehm fand.

  • Deutsche Kleiderschraenke prall gefuellt? Kann ich mir so gut wie ueberhaupt nicht vorstellen. Wer will sich denn elegant oder auch nur(!) mal schoen kleiden, ob Maennlein oder Weiblein oder auch die Kindlein tragen gemeinsam die allseits beliebte UNIFORM; d. h. Jeans. Verwaschen, aisgebeutelt, ausgefranst (am Saum!), arm muss alles aussehen, nach Elend riechen. Billig muss sowieso alles sein. Das Alibi ist lamentieren ueber Ausbeutung der Arbeiter in Asien der Kleiderhersteller. Hat sich schon einmal irgendwer ueber den Werdegang dieses heissgeliebten Kleidungsstuecks informiert? Besonders die, die so sehr nach Umweltschutz schreien? Billig, in jeder Hinsicht! Vielgeliebte, deutrsche, Fernsehstars tragen auch noch zum Geschmacklosen bei!

  • @Hemdentraeger

    Genau...die Produkte stimmen NICHT mehr mit ihrem Preis_Leistungsverhältnis!!

    Nur mal so als Bsp.

    Seide hat ihren Preis. Wenn aber die Seidenprodukte mittlerweile so dünn geworden sind, dass ich auch nakt gehen könnte, stimmt der preis nicht mehr!!

    Das Problem hat sich der Luxushandel alleine geschaffen. Da mit dem EURO überall die Gier einzog!

    Es ist ja bei anderen Herstellern auch nicht besser! H&M, Zara und wie sie alle heißen. Nur noch primitive Qualität zu einem völlig überteuerten Preis! Vieles Ramsch, weil Polyester. Polyester ist ein billiges Laborprodukt! Und selbst Markensachen produzieren für 100 Euro und mehr Polyesterartikel. Ein unhaltbarer Zustand! Das schärfste sind dann auch noch die Lügen der Hersteller. Die solche billigen Artikel als Microfaser verkaufen.

    DAS quittiert der Kunde natürlich und verweigert sich dem Konsum. Völlig zu recht!!

  • ... Fortsetzung ...
    2. Seidensticker Hemden: Kommen bei mir auf Platz 2 der drei genannten Hersteller. Die Gründe sind einfach aufgezählt der bessere Stoff im Vergleich zu Olymp. Ich trage ausschließlich Schwarze Rose Hemden von Seidensticker und hier ist der Stoff dicker (weniger transparent) und lässt sich deutlich besser bügeln. Bügeln ist allerdings auch hier Pflicht und notwendig. Auch habe ich das Gefühl, dass der Stoff atmungsaktiver ist als der Stoff von Olymp Hemden. Negativ ist allerdings die Passform, die trotz eines angeblich taillierten Schnittes nicht ganz meine Bedürfnisse erfüllt. Die Arme sind trotz normales Armlänge deutlich zu lang und die Manschetten deutlich zu weit. Auch ist die Armlochöffnung zu groß und zu tief. Das sieht meines Erachtens nach einfach nicht schön aus, ist aber dem Bedürfnis die Passform einer breiten Käufergruppe zu erfüllen geschuldet. Preis/Leistung passt, wenn man die Hemden im Angebot bekommt.

    3. Eterna Hemden gehören für mich zu den am ehesten als Premiumhemd zu zählenden Hemden. Die Stoffe erfüllen den ÖkoTex Standard 100, sind qualitativ deutlich über den beiden anderen Marken anzusiedeln, da es sich um Schweizer Baumwolle handelt. Die ist für ihre gute Qualität bekannt. Auch halten die Hemden am längsten, lassen sich am besten bügeln, wobei das bei Eterna tatsächlich kaum notwendig ist. Die Taillierung liese sich verbessern, aber dann wäre es für mich der Preis/Leistungssieger.

    Während sich diese Hersteller beklagen haben andere Hersteller mit deutlich teureren Produkten deutlichen zulauf. Ich bin der Meinung, dass die Geiz ist Geil Zeit in diesem Bereich vorbei ist, wenn sie denn überhaupt hier jemals angekommen war. Hemdenträger tragen gerne qualitativ gute Produkte, die sich auf der Haut gut anfühlen und auch nach außen einen guten Stil symbolisieren. Davon bin ich überzeugt.

    Gruß

  • 1. Eterna, Seidensticker und Olymp produzieren weder eine gute noch eine vergleichbare Qualität. Qualitativ sind diese drei Hersteller also durchaus deutlich voneinander zu unterscheiden. Beispiele:
    - Olymp: Ist für mich gnadenlos überteuert die Qualität die schlechteste, die ich bisher von den drei Herstellern tragen musste. Die Nähte sind billigste Kettelnähte und keine Kappnähte. Dies sieht bescheiden aus und ist beim bügeln mehr als lästig, wenn man die Naht erst in die richtige Position schieben muss um eine grade Naht gebügelt zu bekommen. Der Stoff ist sowas von dünn, beim meinem weißen Level-5 Hemd sollte der Hersteller ehrlicherweise den Stoff als "halbtransparent" deklarieren. Die Einlagen der Manschetten und der Kragens sind von minderwertigster Qualität. Bereits nach nur zwei Wäschen habe ich in beidem Knicke und Falten, welche sich weder von selbst noch beim Bügeln wieder glätten. Zum Thema Bügelfrei/Bügelleicht lässt sich sagen, dass auch hier das Olymp Hemd am schlechtesten abschneidet. Bügelfreiheit ist trotz tropfnassem Aufhängen und Waschen im Hemdwaschprogramm mit wenigen Kleidungsstücken in der Trommel bei weitem nicht gegeben. Bügeln ist Pflicht und wird durch die chemische Behandlung der Fasern unnötig erschwert. Keine Ahnung ob Olymp Formaldehyd oder Teflon einsetzt um die Bügelfreiheit zu erreichen. Zu Gute halten muss man allerdings den Schnitt der Level-5 Hemden, vergleichbar taillierte Schnitte bekommt man von den beiden anderen Herstellern nicht.

    Fortsetzung folgt ...

  • Selbstverständlich ist des ein Artikel von Seidensticker: Seidensticker Herren Pyjama Klassisch, grau, blau, unifarben

  • Wenn die Kleidungsstücke der Markenhersteller ebenso in asiatischen / indischen Fabriken produziert werden, wie Billigmarken und sich auch nicht wesentlich in der Qualität unetrscheiden, wozu dann soviel Geld ausgeben? Das haben sich die Markenhersteller selbst eingebrockt. Hochpreisige Ware sollte auch entsprechende Qualität aufweisen. Ich gehöre zu den verbrauchern, die ganz gezielt nach Kleidung sucht, die bene NICHT in den ausbeuterischen Fabriken produziert werden, ich bin auch bereit dafü mehr zu bezahlen. Leider ist dies aber fast unmöglich.

  • Das Problem sind nicht die Markenhersteller selbst (Eterna, Seidensticker oder Olymp), die produzieren tatsächlich sehr hochwertige und tragbare, aber auch teurere Hemden. Das Problem ist der Kunde, der nur billig möchte und sich seine Hemden bei Primark, Aldi und Co. holt. "Lieber 5 billige Hemden beim Discounter als 3 vernünftige von Eterna und Co."

  • Das Bild zum Artikel grenzt an Rufmord!!! Erstens ist dies Kleidungsstück gemäß Etikett nicht von Seidensticker und zweitens handlet sich offensichtlich eher um einen Schlafanzug! Und diese Peinlichkeit (oder Unverschämtheit?) vom Handelsbaltt

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