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Textilproduktion in China Überstunden und Schläge beim Zulieferer von Ivanka Trump

Bei ihrer Modekollektion setzt Präsidententochter Ivanka Trump auf Luxus und Stil. Doch bei der Herstellung in China ging es alles andere als nobel zu. Arbeiter berichten von erschreckenden Zuständen in einer Fabrik.
29.06.2017 - 20:10 Uhr Kommentieren
Bereits im Mai sorgte die Fabrik im Südosten Chinas international für Negativschlagzeilen. Drei Aktivisten, die in Kooperation mit der US-Organisation China Labor Watch Nachforschungen zu den Arbeitsbedingungen angestellt hatten, waren von den Behörden festgenommen und inhaftiert worden. Quelle: AP
Huajian-Schuhfabrik

Bereits im Mai sorgte die Fabrik im Südosten Chinas international für Negativschlagzeilen. Drei Aktivisten, die in Kooperation mit der US-Organisation China Labor Watch Nachforschungen zu den Arbeitsbedingungen angestellt hatten, waren von den Behörden festgenommen und inhaftiert worden.

(Foto: AP)

Ganzhou Mit blutüberströmter Stirn verlässt ein Arbeiter die Produktionshalle. Ein wütender Manager hat ihm mit der Spitze eines hochhackigen Schuhs an den Kopf geschlagen. Der Druck in der Fabrik des chinesischen Zulieferers Huajian ist gewaltig. Die Tagesschichten gehen manchmal über mehr als 15 Stunden. Beschimpfungen sind normal. Die Bezahlung verstößt gegen nationale Gesetze. Und wer seine Quote nicht erfüllt, dem wird nicht einmal der Hungerlohn voll ausgezahlt. Zu den Auftraggebern zählte – zumindest bis vor wenigen Wochen – Ivanka Trump.

Der Angriff mit dem Schuh sei ein extremes Beispiel gewesen, aber zu tätlichen Übergriffen komme es in der Ganzhou Huajian International Shoe City immer wieder, berichten drei Arbeiter gegen Zusicherung von Anonymität im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. „Er hat genau an der Mitte des Kopfes geblutet“, sagt einer, der weiterhin in der Fabrik arbeitet. „Alles war voller Blut. Als er zur Krankenstation des Betriebs ging, ist er direkt an mir vorbeigekommen“, sagt ein anderer, der wegen der vielen Überstunden und der schlechten Bezahlung gekündigt hat.

Bereits im Mai sorgte die Fabrik im Südosten Chinas international für Negativschlagzeilen. Drei Aktivisten, die in Kooperation mit der US-Organisation China Labor Watch Nachforschungen zu den Arbeitsbedingungen angestellt hatten, waren von den Behörden festgenommen worden. Der Vorwurf: Die Männer hätten illegal Aufnahmegeräte eingesetzt, um Betriebsgeheimnisse zu stehlen. Erst an diesem Mittwoch, nach Ablauf der maximal zulässigen Haftdauer von 30 Tagen, wurden sie wieder freigelassen.

Die Zustände in der Fabrik in Ganzhou seien die schlimmsten, die er in den fast zwei Jahrzehnten seiner Tätigkeit gesehen habe, sagt der China-Labor-Watch-Gründer Li Qiang. Der Lohn liege zum Teil bei weniger als einem Dollar pro Stunde und bis vor Kurzem hätten die Angestellten pro Monat nur zwei oder weniger arbeitsfreie Tage gehabt. Nach Angaben der Organisation wurden Arbeiter unter Androhung von Kündigungen genötigt, gefälschte Lohnabrechnungen zu unterschreiben, damit gesetzliche Vorgaben zumindest auf dem Papier eingehalten würden. Zudem seien sie gezwungen worden, in Fragebögen zu den Arbeitsbedingungen falsche Angaben zu machen.

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    Das Imperium der Ivanka Trump bekommt Risse
    Fleißige Geschäftsfrau
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    Ivanka Trump hat sich mit ihrem gleichnamigen Unternehmen eine eigene Existenz aufgebaut. Nach ihrem Wirtschaftsstudium entwarf sie eine eigene Schmuckkollektion und verkauft seit 2011 auch Mode unter ihrem Namen. Der wird jetzt zum Problem: Die Unbeliebtheit ihres Vaters Donald Trump schlägt sich auch in den Verkaufszahlen der eigenen Mode nieder, zudem werden Boykottaufrufe gegen die Produkte von Ivanka Trump laut.

    (Foto: AP)
    Mama und Model
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    Auf diesem Bild posiert Ivanka Trump in einem ihrer eigenen Outfits. Auf ihrer Homepage werden auch Schuhe und Handtaschen unter dem Namen Ivanka Trump angeboten. Neben der Mode widmet sie ihre Zeit auch ihren drei Kindern Arabella, Joseph und Theodore. Verheiratet ist sie mit dem Unternehmer und Politikberater Jared Kushner. Vor ihrer Karriere als Geschäftsfrau modelte Trump für zahlreiche internationale Designer und war sogar Gastjurorin in Heidi Klums Show „Project Runway.“

    (Foto: dpa)
    Aus den Läden verbannt
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    Die Politik ihres Vaters Donald Trump schadet offenbar der Marke Ivanka Trump. Die Kaufhauskette Nordstrom nahm die Produkte von Ivanka Trump aus dem Programm. Offizielle Begründung sind die mangelhaften Verkaufszahlen – inoffiziell wird vermutet, dass das Unternehmen damit auf landesweite Boykottaufrufe reagiert, um wirtschaftlichen Schaden abzuwenden.

    (Foto: AFP)
    Andere Kaufhäuser ziehen mit
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    Auch andere Kaufhausketten reagierten auf den Trump-Boykott. So wie auf diesem Bild wird die Marke Ivanka Trump künftig bei einigen Händlern nicht mehr beworben. Die Einzelhandelskette TJ Maxx beispielsweise wies ihre Mitarbeiter an, sämtliche Werbeschilder für die Marke Ivanka Trump zu entfernen. Die Produkte bleiben allerdings vorerst im Verkauf. Auch der Händler Marshalls entschied sich zu diesem Schritt.

    (Foto: Reuters)
    Kritik von ganz oben
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    Via Twitter griff US-Präsident Donald Trump die Kaufhauskette Nordstrom, nachdem bekannt wurde, dass die Marke Ivanka Trump aus dem Sortiment entfernt wird, scharf an: „Meine Tochter Ivanka wurde von Nordstrom so unfair behandelt. Sie ist ein so wunderbarer Mensch – sie bringt mich immer dazu, die richtigen Dinge zu tun! Schrecklich!“

    (Foto: dpa)
    Made in China vs. Make America Great Again
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    Donald Trump verteidigt die Mode seiner Tochter – dabei entspricht die so gar nicht seinen Vorstellungen eines amerikanischen Unternehmens: Wie auf diesem Etikett zu sehen ist, lässt Ivanka Trump ihre Produkte auch in China herstellen. Noch im Wahlkampf wetterte der US-Präsident gegen Firmen, die ihre Produkte in China herstellen lassen, und kündigte Strafzölle für chinesische Produkte an.

    (Foto: Reuters)
    Ivanka braucht Alternativen
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    Neben ihrer Modekollektion betreibt Ivanka Trump noch zwei Juweliergeschäfte in exklusiver Lage in New York. Ob sich die Produkte hier besser verkaufen, ist fraglich. Allerdings kann ihre Ware hier sicher nicht aus dem Programm genommen werden. Sollte das negative Image ihres Vaters Donald weiterhin für Umsatzrückgänge und Boykottaufrufe sorgen, wird sich Ivanka Trump bald nach einem neuen Standbein umsehen müssen. Aber als erfahrene Geschäftsfrau und Mitglied des milliardenschweren Trump-Clans, wird ihr da sicher etwas einfallen.

    (Foto: AP)

    Auf Anfrage der AP lehnte die Huajian Group jegliche Stellungnahme zu konkreten Fragen ab. Alle Anschuldigungen wurden pauschal als „komplett nicht wahrheitsgemäß, aus dem Kontext gerissen und übertrieben“ bezeichnet. Das Unternehmen befolge alle chinesischen Gesetze, hieß es.

    Um China ging es unterdessen auch bei einer Veranstaltung am Dienstag in Washington. Ivanka Trump, Tochter und Beraterin des US-Präsidenten Donald Trump, sprach dort anlässlich der Veröffentlichung des jährlichen US-Berichts zum Menschenhandel, laut dem China bei diesem Thema auf den niedrigsten Rang zurückgefallen ist. Der Bericht sei „ein deutlicher Weckruf, sich für den Schutz der Verwundbaren und Ausgebeuteten einzusetzen“, sagte sie.

    Internationale Aufmerksamkeit sorgt für Veränderungen
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    Mehr zu: Textilproduktion in China - Überstunden und Schläge beim Zulieferer von Ivanka Trump
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