Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Textilunternehmen Zara-Mutter Inditex erholt sich von Corona-Lockdowns

Nach H&M erzielt auch der weltgrößte Modeeinzelhändler wieder einen Gewinn im zweiten Quartal. Doch mittelfristig bleiben erhebliche Gefahren.
16.09.2020 Update: 16.09.2020 - 12:56 Uhr Kommentieren
Zara-Mutter Inditex kehrt in Gewinnzone zurück Quelle: AP
Geschlossene Zara-Filiale in Australien

Laut dem Textilunternehmen konnten bereits zum Ende des ersten Geschäftshalbjahres 98 Prozent der Filialen wieder öffnen.

(Foto: AP)

Madrid Es waren düstere Aussichten, die die Analysten von Morgan Stanley der Modebranche noch vor wenigen Tagen präsentierten: Von allen Einzelhändlern litten sie am stärksten unter der Pandemie. Vor allem Modemarken, die mit dem Gros ihres Geschäfts vornehmlich in Innenstädten oder großen Malls vertreten seien, würden besonders leiden, da die Konsumenten sie aus Angst vor dem Coronavirus mieden. „Das alles rückt H&M und Inditex in das Auge des sprichwörtlichen Sturms“, war die Schlussfolgerung der Morgan-Stanley-Analysten.

Doch die beiden Branchenriesen haben die Experten eines Besseren belehrt – zumindest vorerst. Am Dienstag überraschte H&M mit einem Gewinn für die Monate Juni bis August, nachdem der Konzern im ersten Quartal noch einen hohen Verlust eingefahren hatte. Die Aktie sprang um über 13 Prozent in die Höhe.

Am Mittwoch zeigte sich auch der spanische Weltmarktführer Inditex mit seinen Marken wie Zara, Massimo Dutti oder Pull&Bear krisenresistenter als befürchtet. Im zweiten Quartal, das bei Inditex von Mai bis Juli läuft, erzielte auch Inditex wieder einen Nettogewinn. Der war mit 214 Millionen Euro fast doppelt so hoch wie von Analysten erwartet. Die Aktie, die schon am Vortag von den H&M-Zahlen profitiert hatte, legte über acht Prozent zu.

Im ersten Quartal – in dem weltweit ein Großteil der Geschäfte wegen der coronabedingten Lockdowns geschlossen blieb – hatte Inditex den ersten Verlust seiner Unternehmensgeschichte eingefahren. Inzwischen sind aber 98 Prozent aller Läden wieder geöffnet. Vom 1. August bis 6. September lagen die Verkäufe deshalb insgesamt nur elf Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Im zweiten Quartal sind sie um 31 Prozent gesunken.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Rückkehr in die Gewinnzone gelang durch steigende Online-Verkäufe, reduzierte Lagerbestände und gesenkte Kosten. Die Online-Verkäufe nahmen im ersten Halbjahr um stattliche 74 Prozent zu. In der Coronakrise investiert der Konzern mehr in die Integration des Online-Geschäfts und will bis Ende 2022 mehr als ein Viertel des Umsatzes über das Internet erzielen. 2019 lag der Anteil bei 14 Prozent – das ist wenig im Branchenvergleich, wo ein Fünftel aller Verkäufe über das Internet abgewickelt werden.

    Inditex profitiert vom integrierten Konzept

    Die Stärke der Spanier ist aber ein integriertes Konzept, bei dem die Läden als Online-Lager dienen und Verkäufer die Ware direkt aus dem Laden versenden. Das spart dem Konzern zum einen Kosten. Zum anderen kann er wegen seiner zahlreichen Läden Online-Bestellungen extrem schnell liefern.

    Grafik

    In dieser Woche startete Inditex zudem in mehreren spanischen Städten eine neue App für seine Hauptmarke Zara. Dabei können Kunden mit dem Handy die Bestände in jeder Filiale einsehen, Umkleidekabinen reservieren oder die Kleidungsstücke online kaufen und eine halbe Stunde später an der Kasse abholen.

    Der zweite große Vorteil der Spanier ist eine geografisch verteilte Fertigung. Anders als die Wettbewerber fertigen sie 60 Prozent ihrer Produkte in Europa und Marokko und können dadurch kurzfristig bestellen und hohe Lagerbestände vermeiden. Die Experten von HSBC gehen davon aus, dass Inditex damit „einen strukturellen Vorteil“ gegenüber der Branche hat.

    Im ersten Halbjahr hat der Konzern seine Lagerbestände trotz Krise um 19 Prozent reduziert. „Das ist bemerkenswert“, sagte auch Inditex-Chef Pablo Isla am Mittwoch. Es führe dazu, „dass wir keine bedeutenden Rabatte oder Promotionen während der Saison bieten müssen“. Die Folge ist eine stabile Bruttomarge, die im ersten Halbjahr mit 56,2 Prozent nur leicht unter den 56,8 Prozent des Vorjahres lag. Geholfen haben aber auch um 21 Prozent gesenkte Betriebskosten.

    Konkurrent H&M hat seinen Gewinn im zweiten Quartal ebenfalls mit einer starken Kostendisziplin, wenigen Rabatten und einer erfolgreichen Kollektion erklärt. Nach vorläufigen Zahlen rechnet der Konzern für Juni bis August mit einem Gewinn von umgerechnet 192 Millionen Euro, nach 480 Millionen Euro Verlust im Quartal zuvor.

    Die schnelle Erholung der beiden weltgrößten Modeeinzelhändler deutet darauf hin, dass die Krise für die Branche womöglich glimpflicher abläuft als befürchtet. Noch allerdings ist der Beweis nicht erbracht, mittelfristig bleiben erhebliche Gefahren. So ist der Trend zur Telearbeit für Marken wie Zara oder Massimo Dutti problematisch, die viele Büro-Outfits im Angebot haben.

    Die Experten von Credit Suisse gehen zudem davon aus, dass die uneinheitlichen Größen und die variierende Qualität der Inditex-Marken online ein größeres Problem sind als bei Anprobe und Kauf im Laden. Das könne zu unzufriedenen Kunden und vielen Rücksendungen führen, warnen sie. Da Inditex und H&M einen Großteil ihres Umsatzes in den Innenstadt-Läden machen, die sich so schnell nicht wieder füllen dürften, halten sie für möglich, dass beide in den kommenden zwei Jahren Marktanteile verlieren.

    Mehr: Die Coronakrise bedroht das Erfolgsmodell der Modebranche.

    Startseite
    Mehr zu: Textilunternehmen - Zara-Mutter Inditex erholt sich von Corona-Lockdowns
    0 Kommentare zu "Textilunternehmen : Zara-Mutter Inditex erholt sich von Corona-Lockdowns"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%