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Thomas-Cook-Pleite Condor muss sich bei Staatshilfen gedulden

Die Bundesregierung will erst in einigen Tagen über mögliche Millionenhilfen für die Airline entscheiden. Condor darf aber auf einen Überbrückungskredit hoffen.
24.09.2019 - 16:47 Uhr Kommentieren
Nach Thomas-Cook-Pleite: Condor muss sich bei Staatshilfen gedulden Quelle: Reuters
Condor-Maschine auf Kreta

Die Zeit läuft gegen der Ferienflieger.

(Foto: Reuters)

Frankfurt, London, Berlin Die Belegschaft und Passagiere der Ferienfluggesellschaft Condor brauchen derzeit starke Nerven. Die Bundesregierung will erst in einigen Tagen darüber entscheiden, ob die Ferienfluggesellschaft einen dringend benötigten Überbrückungskredit bekommt oder nicht.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bestätigte am Rande einer Konferenz noch einmal den Eingang entsprechender Anträge, betonte aber, dass nun die üblichen Verfahrenswege eingehalten werden müssten. In der Bundesregierung geht man allerdings davon aus, dass das Geld fließen wird. Altmaier sagte, es gebe dazu momentan enge Abstimmungen des Finanz-, Wirtschafts- und Verkehrsministeriums.

„Es sind keine hausgemachten Probleme“ bei Condor, betonte er. Damit spielt er auf die Voraussetzung an, dass es auf jeden Fall eine Fortführungsperspektive geben müsse, hieß in Regierungskreisen. Condor braucht das Geld, um den eigenen Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. Die Muttergesellschaft, der britische Reisekonzern Thomas Cook, hatte in der Nacht zu Montag Insolvenz anmelden müssen.

Condor ist zwar profitabel, muss aber regelmäßig gegenüber dem Luftfahrtbundesamt nachweisen, dass sie als Airline die finanziellen Mittel hat, um einen sicheren Flugbetrieb zu garantieren. Ohne eine liquide Konzernmutter im Hintergrund muss das die Airline nun selbst übernehmen.

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    Dabei läuft die Zeit gegen Condor. Je länger die Unsicherheit über die Zukunft der bekannten und beliebten Ferienfluggesellschaft anhält, desto mehr Passagiere werden ihre Flüge bei anderen Airlines buchen oder bereits gebuchte Tickets stornieren.

    Damit verliert die Airline nicht nur jene Fluggäste, die bisher über die Mutter hereinkamen. Auch in dem sogenannten Einzelplatzverkauf über Kanäle jenseits von Thomas Cook gerät das Unternehmen unter Druck. Das erhöht den Druck auf die Bundesregierung, nicht zu lange mit einer Entscheidung zu warten.

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    Grundsätzlich hat Condor für seinen Antrag auf Staatshilfe eine recht breite Unterstützung, auch wenn es durchaus Kritiker einer solchen Maßnahme gibt. So lehnt etwa der Steuerzahlerbund eine solche Hilfe ab. In der Politik dagegen kann sich selbst die FDP unter bestimmten Voraussetzungen einen Überbrückungskredit für die Airline vorstellen.

    Zunehmende Kritik in Großbritannien

    FDP-Fraktionsvize Michael Theurer hatte zwar die Bundesregierung gewarnt, die Entscheidung nicht nach „Gutsherrenart“ zu fällen. Das Parlament müsse eingebunden werden. Theurer fügte aber hinzu: „Nach aktuellem Stand bin ich vorsichtig optimistisch, dass Condor als Unternehmen weiter überlebt, da es bisher schwarze Zahlen schreibt. Ein Überbrückungskredit wäre unter diesen Umständen vertretbar.“

    Diese Aussage ist insofern von Bedeutung, als dass die FDP sich bei dem Thema Staatshilfen in der Vergangenheit eher zurückhaltend geäußert hat. Als der Autobauer Opel 2009 und die Drogeriekette Schlecker im Jahr 2012 um Unterstützung des Staates baten, war es vor allem die FDP, die das ablehnte – zusammen mit Teilen der Union. Auch die „Grünen“ fordern in dem Fall Condor zuallererst volle Transparenz von der Regierung.

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    Erst dann könne die Lage beurteilt werden. Einen Kommentar dazu, ob ein Bürgschaftskredit grundsätzlich vertretbar ist, gibt es bisher nicht. Aus Luftfahrtkreisen ist zu hören, dass auch die SPD Condor gerne helfen möchte. An der Airline hängen insgesamt fast 5000 Arbeitsplätze. Angeblich geht es im Antrag an das Bundeswirtschaftsministerium um eine Summe von 200 Millionen Euro.

    Weitere Hilfen könnte Condor an anderer Stelle beantragen. So hat die Landesregierung in Hessen – Condor hat seinen Sitz in Frankfurt – bereits ihre Bereitschaft zu flankierenden Maßnahmen erklärt. Üblich sei es, dass die Länder die gleiche Summe wie der Bund zur Verfügung stellen würden, sagte Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU). Eventuell könnte die Airline zudem in Brüssel um Unterstützung nachsuchen.

    Währenddessen wird in Großbritannien, der Heimat von Thomas Cook, zunehmend Kritik an der Entscheidung laut, keine Staatshilfen gewährleistet zu haben. Wirtschaftsministerin Andrea Leadsom verteidigte die Entscheidung am Dienstag. Die 200 Millionen Pfund, die im Gespräch seien, wären nicht die letztlich benötigte Summe gewesen.

    „Schlechtem Geld gutes hinterherzuwerfen, wäre Verschwendung von Steuergeldern“, beteuerte Leadsom. Premierminister Boris Johnson hatte öffentlich gemacht, dass das Unternehmen auf die Regierung zugegangen war und um Unterstützung gebeten hatte. Man habe das aber abgelehnt.

    Kritiker dieser Ablehnung verweisen auf die Hilfsangebote der Regierungen, etwa in der Türkei und Spanien. Zudem reiben sie sich an den Kosten für das britische Programm „Operation Matterhorn“, mit dem die gestrandeten 150.000 Briten aus dem Urlaub zurückgeholt werden können. Es wird von offiziellen Stellen auf 100 Millionen Pfund veranschlagt.

    Darüber hinaus könnten Schätzungen zufolge auf den Staat Kosten in Höhe von bis zu 600 Millionen zukommen, etwa wegen Entschädigungsansprüchen. Hinzu kommen die Gelder für die Unterstützung der nun arbeitslosen Thomas-Cook-Mitarbeiter.

    „Wir werden uns genau anschauen, wie das passiert ist, und haben deswegen die Insolvenzbehörde angewiesen, die Untersuchung schnellstmöglich durchzuführen, um zu sehen, ob wir irgendetwas hätten anders machen können, um diese Katastrophe abzuwenden“, sagte Andrea Leadsom.

    Deutliche Unterschiede zu Air Berlin
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