Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Thomas-Cook-Pleite „Tsunami kommt noch“ – Urlaubsländer fürchten gravierende Einbußen

In Griechenland, Spanien und der Türkei sitzen Zehntausende Urlauber fest, nachdem Thomas Cook Insolvenz angemeldet hat. Experten rechnen mit schlimmen Folgen für die Hoteliers.
23.09.2019 - 16:26 Uhr 2 Kommentare
In der Türkei sitzen derzeit 45.000 Urlauber fest. Quelle: AP
Flughafen Antalya

In der Türkei sitzen derzeit 45.000 Urlauber fest.

(Foto: AP)

Istanbul, Athen, Madrid Nach der Pleite des weltweit zweigrößten Reiseveranstalters sitzen Zehntausende Urlauber in den großen europäischen Destinationen des Konzerns fest. In Griechenland sind es nach Angaben von Tourismusminister Charis Theocharis etwa 50.000, davon 20.000 auf der Insel Kreta. In der Türkei, schätzt dort der Hotelverband, sind es 45.000 Urlauber.

Kaum besser sieht es in Spanien aus. Dort befinden sich allein auf den Kanarischen Inseln nach Aussagen des Präsidenten des Hotel- und Tourismusverbands in Las Palmas, José María Mañaricúa, 25.000 bis 30.000 Touristen, die in den kommenden Tagen nach Hause reisen wollten. Die Pleite sei für die Inseln „dramatisch“, weil 60 Prozent des Tourismus auf den Kanaren über Reiseveranstalter laufe. Thomas Cook ist der zweitgrößte Veranstalter nach Tui.

Mañaricúa sorgt sich um die Folgen für die anstehende Wintersaison, in der einige kanarische Hotels ihre Betten ausschließlich an Thomas Cook vermietet haben. Im vergangenen Jahr sind 3,5 Millionen Touristen mit Thomas Cook nach Spanien gereist. Allein am Montag fielen im Land 46 Flüge von Thomas Cook aus, teilte die spanische Flughafenverwaltungsgesellschaft Aena mit.

Die spanische Tourismusministerin María Reyes Maroto erklärte, sie werde Treffen mit den betroffenen Regionen und den Hoteliers anberaumen, um „einen Fahrplan und eine Lösung für diese Krise zu erarbeiten“. Sie hatte am Wochenende mit den spanischen Hoteliers versucht, die Pleite abzuwenden, jedoch ohne Erfolg. Die Destinationen fürchten nun erhebliche Einbußen für ihr Geschäft.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Für Michalis Vlatakis, Präsident des Tourismusverbands auf der Insel Kreta, ist die Pleite von Thomas Cook „ein Erdbeben der Stärke 7“. Und der Verbandschef sorgt sich: „Der Tsunami kommt erst noch.“ Auf der Insel haben rund 70 Prozent aller Hotels Verträge mit Thomas Cook.

    Wie hoch ihre Forderungen an den Reiseveranstalter sind und ob sie jemals Geld aus der Insolvenzmasse sehen werden, weiß zur Stunde noch niemand. Thomas Cook brachte 2018 etwa drei Millionen Urlauber nach Griechenland, rund zehn Prozent aller ausländischen Besucher.

    Grafik

    Tourismusminister Theocharis berief eine Krisensitzung ein. Man arbeite an Plänen, die Unterbringung der gestrandeten Urlauber und ihre Heimreise zu organisieren, sagte er.

    Auf Zypern stellten Thomas-Cook-Kunden mehr als zehn Prozent der jährlich vier Millionen Touristen. Der Reiseveranstalter schuldet offenbar vielen zyprischen Hoteliers große Summen. Hoteliers berichteten auf Anfrage, sie seien für die Monate Juli und August noch nicht bezahlt worden.

    Die Forderungen könnten sich im mittleren zweistelligen Euro-Millionenbereich bewegen, hieß es am Montag in Branchenkreisen. Tourismusminister Savvas Perdios sagte am Montag, dieses Geld sei „sehr wahrscheinlich verloren“.

    Auch der türkische Verband sieht schwarz und rechnet mit jährlich 600.000 bis 700.000 Urlaubern weniger im Land. Das türkische Tourismusministerium hat ein Unterstützungspaket für türkische Hoteliers und andere Tourismusunternehmen in Aussicht gestellt.

    Hotels dürften demnach keine Zahlungen von Gästen verlangen oder sie auffordern, ihre Zimmer zu räumen, sonst drohten ihnen gerichtliche Konsequenzen. Die Zahlungen von Reisenden, die bis 22. September eine Unterkunft gebucht hatten, seien abgesichert.

    Mallorca: Touristen nach Thomas-Cook-Pleite „aus Hotel geworfen“

    Mehr: Die Pleite von Thomas Cook wird auch in Deutschland Schäden verursachen. Urlauber, Reisebüros und Reiseveranstalter werden die Folgen zu spüren bekommen, meint Handelsblatt-Reporter Christoph Schlautmann.

    Startseite
    Mehr zu: Thomas-Cook-Pleite - „Tsunami kommt noch“ – Urlaubsländer fürchten gravierende Einbußen
    2 Kommentare zu "Thomas-Cook-Pleite: „Tsunami kommt noch“ – Urlaubsländer fürchten gravierende Einbußen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Diese Insolvenz ist ein echter Super-Gau Die Gründe für die Pleite werden sicher noch gründlich analysiert. Mir scheint, dass neben dem Brexit, dessen Ankündigung das Pfund geschwächt und damit Urlaubsreisen für die Briten teurer gemacht hat, die digitale Billig-Konkurrenz wie booking.com und andere Portale das Konzerngeschäft entscheidend geschwächt hat. Wenn da stimmt, dann hat sich Thomas Cook nicht rechtzeitig darauf eingestellt. Skandalös ist es, dass viele Reisende im Voraus bezahlt haben und das Geld wahrscheinlich ohne Reise verlieren. Vielleicht sollte man deshalb Vorauszahlungen in diesem Gewerbe schlicht und einfach unterbinden.

    • Pauschalurlauber werden von den Reise-Organisationen abgeholt. Wer direkt bei Thomas
      Cook gebucht hat, muss sich einen Transport besorgen. Natuerlich muss es auch Flug-
      kapazitaet geben - vielen Reisen werden sich verzoegern. Aber grundsaetzlich sollten die
      Reisenden angehalten werden eine Versicherung fuer diese Faelle abzuschliessen. Vor
      einigen Tagen erst passierte das gleiche mit Aegle Azur.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%