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Thomas-Cook-Tochter Condor will mit Billigpreisen Fluggäste anlocken

Wegen „Kampfpreisen“ steht die Airline in der Kritik – hat der Staat ihr doch gerade erst einen Millionenkredit zugesagt. Doch ohne Billigpreise hat Condor wohl keine Chance.
04.10.2019 - 12:25 Uhr Kommentieren
Thomas-Cook-Tochter: Condor will mit Billigpreisen Fluggäste anlocken Quelle: dpa
Condor

Einige Reisemanager vermuten, dass Condor seine „Kampfpreise“ nur mit Hilfe des Überbrückungskredits in Höhe von 380 Millionen Euro darstellen könne.

(Foto: dpa)

Frankfurt Lucas Flöther kennt sich im Airline-Geschäft mittlerweile gut aus. Bei der Megapleite von Air Berlin hat der Jurist und Insolvenzexperte die Besonderheiten der Branche kennengelernt. Und so hat es durchaus Gewicht, wenn Flöther der deutschen Ferienfluggesellschaft Condor, die er als Sachwalter im aktuellen Schutzschirmverfahren überwacht, gute Zukunftschancen bescheinigt.

„Die ersten Zahlen, die wir gesehen und die ersten Überlegungen, die das Management mit uns geteilt hat, sprechen dafür, dass die Condor langfristig überlebensfähig ist und es schafft, den Plan zu verwirklichen, sich aus der Thomas Cook-Insolvenz herauszuhalten“, hatte Flöther dem Nachrichtensender NTV vor einigen Tagen gesagt.

Mit dieser Aussage hat der Jurist allerdings auch eine der großen Herausforderungen benannt, vor der das weiterhin verantwortliche Condor-Management rund um CEO Ralf Teckentrup nun steht: die Abnabelung von der insolventen Mutter Thomas Cook.

Dabei geht es um mehr, als nur einen juristisch wasserdichten Schutzwall zu errichten, damit der Insolvenzverwalter in Großbritannien nicht noch Gelder von Condor abziehen kann. Es geht vor allem darum, die Jets künftig ohne die Kunden von Thomas Cook zu füllen.

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    Um wie viele Passagiere es dabei geht, ist nicht so ganz klar. Für alle Airlines von Thomas Cook wurde der Anteil der Thomas-Cook-Urlauber auf rund ein Drittel beziffert. Bei Condor soll der nach Unternehmensangaben niedriger sein, die Rede ist von weniger als 20 Prozent. Dennoch fehlen Condor künftig planbare Passagiere in signifikantem Umfang. Hinzu kommt: Weil die Thomas-Cook-Kunden komplette Urlaubspakete buchten, konnten auch andere, in der Regel höhere Ticketpreise berechnet werden.

    Nun muss Condor diese Kapazitäten im „freien Markt“ vertreiben. Das geht nur über entsprechende Preise, denn das Geschäft mit Ferienflügen ist hart umkämpft.

    Für 139,99 Euro nach Havanna

    Wer in diesen Tagen auf die Condor-Webseite geht, sieht erste Hinweise darauf, was in den kommenden Wochen wohl zum Standard werden dürfte. Flüge für 29,99 Euro nach Heraklion oder Agadir und auf der Langstrecke für 139,99 Euro nach Havanna – Condor lockt die Kunden derzeit mit Niedrigpreisen in die eigenen Jets.

    In der Branche wird das mit Argusaugen verfolgt. Hinter vorgehaltener Hand wird von dem einen oder anderen Reisemanager gemutmaßt, dass Condor diese „Kampfpreise“ nur mit Hilfe des Überbrückungskredits in Höhe von 380 Millionen Euro darstellen könne, die der Bund und das Land Hessen zugesagt haben.

    Ein Vorwurf, der bei Condor vehement zurückgewiesen wird. Zum einen habe die EU-Kommission das Geld noch gar nicht freigegeben. Zum anderen seien die Preise Teil einer schon länger geplanten Marketingaktion.

    Bekannt ist, dass Condor-Chef Teckentrup den Preiskämpfen in der eigenen Branche durchaus kritisch gegenübersteht. Fest steht allerdings auch: In der aktuellen Situation kann er sich diesem Wettstreit nicht komplett entziehen. Die schon länger geplante Preis-Initiative dürfte nicht zuletzt deshalb angestoßen worden sein, weil man angesichts der Probleme beim Mutterkonzern Thomas Cook rechtzeitig Vorsorge treffen wollte, die eigenen Jets auch ohne deren Kunden zu füllen.

    Das gelingt dauerhaft nur, wenn man andere Reiseunternehmen wie etwa DER Touristik, FTI Group oder Schauinsland an sich binden kann, die für ihre Reisepakete Condor als Airline dazubuchen. Der Wille dazu ist vorhanden. Die Reiseunternehmen hätten Condor für die kommenden Wochen und Monate ihre Unterstützung zugesagt, berichtete Airline-Chef Teckentrup vor einigen Tagen. Aus Unternehmenskreisen ist zu hören, dass die Buchungen tatsächlich sehr stark seien. „Das liegt natürlich auch daran, dass die Reiseunternehmen nach der Pleite von Thomas Cook freiwerdende Marktanteile für sich sichern wollen“, heißt es in der Branche.

    Aber klar ist auch: Auf Dauer geht diese Rechnung nur auf, wenn die Preise stimmen. Die Reiseunternehmen kaufen ihre Flugkontingente dort ein, wo sie günstig sind. So machte Schauinsland-Geschäftsführer Gerald Kassner in der Vergangenheit keinen Hehl daraus gemacht, dass er zugreift, wenn ihm etwa Ryanair Tickets auf die kanarischen Inseln für 9,90 Euro anbietet. Schließlich würde sich sonst ein Konkurrent die Tickets sichern und Schauinsland unterbieten.

    Mehr: Die Pleite von Thomas Cook ist nicht das Ende der Konsolidierung in der Luftfahrtbranche. Experte Philipp Goedeking prognostiziert weitere Insolvenzen.

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