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Wegen der Coronakrise müssen Reisen vielfach storniert werden.


(Foto: dpa)

Tourismus In diesen Fällen können Reisende ihr Geld zurückverlangen

Reisen und Veranstaltungen werden massenweise storniert. Doch Verbraucher sind verunsichert, ob das Geld erstattet wird. Ein Überblick.
30.04.2020 - 16:44 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Mit dem Sommerurlaub wird es in diesem Jahr wohl nichts mehr. Nach Informationen des „Spiegels“ hat die Bundesregierung ihre weltweite Reisewarnung mindestens bis zum 14. Juni ausgeweitet.

Eine Verlängerung bis in die Sommerferien ist nicht ausgeschlossen. Viele Ländern haben aber ohnehin ein Einreiseverbot für Ausländer verhängt. In Folge dessen fallen sowohl geplante Urlaubsreisen als auch Veranstaltungen größtenteils flach.

Was tun, wenn man seinen Urlaub schon gebucht hat und nun stornieren muss? Welche Rechte haben Verbraucher, wenn Flüge oder Unterkünfte vom Veranstalter gestrichen werden? Und was gilt, wenn Kunden ihre Buchungen aus Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus selbst stornieren wollen? 

Ein Überblick, in welchen Fällen Kunden ihr Geld zurückverlangen können, in welchen nicht und welche Verbraucherrechte gelten.

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    Kann ich mein Geld zurückfordern, wenn ich eine Pauschalreise gebucht habe?

    Wer eine Pauschalreise gebucht hat, hat rein rechtlich betrachtet gute Chancen sein Geld zurück zu bekommen. Einige Reiseveranstalter wie beispielsweise Alltours oder DER Touristik haben ihre Reisen ohnehin bis zum 15. Mai storniert, Flugreisen ins Ausland werden bis einschließlich 14. Juni nicht durchgeführt. Kunden dieser Reiseunternehmen erhalten ihr Geld automatisch zurück.

    Wurde die Pauschalreise bislang nicht durch den Reiseveranstalter selbst abgesagt, müssen Kunden ihre Reise stornieren, können sie diese nicht antreten. Laut § 651 h Abs. 3 BGB dürfen Pauschalurlauber ihre Reise dann kostenfrei stornieren, wenn unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände die Durchführung der Reise am Zielort erheblich beeinträchtigen.

    Epidemien wie die aktuelle Corona-Epidemie dürften als unvermeidbarer Umstand gelten. Darüber hinaus warnt auch das Auswärtige Amt vor touristischen Reisen ins Ausland. Es ist davon auszugehen, dass sich deutsche Gerichte an den Hinweisen des Auswärtigen Amtes im Streitfall orientieren würden. Bisher gilt die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes bis zum 14. Juni. Urlauber, die ihre Reise ohne Gebühren stornieren wollen, sollten also darauf achten, wann das Auswärtige Amt die Reisewarnung aufhebt.

    Wie erhalte ich mein Geld von Buchungsportalen zurück?

    Buchungsportale wie Booking.com vermitteln in den meisten Fällen nur zwischen Anbieter und dem Kunden, der die Nachfrage stellt. Aufgrund dessen ist der eigentliche Vertragspartner auch der jeweilige Anbieter. Mit den Buchungsportalen besteht lediglich ein vom Reisevertrag unabhängiger Vermittlungsvertrag. Verlangen Reisende also das Geld für ihre Unterkunft zurück, besteht ein möglicher Anspruch nur gegenüber dem Anbieter der Unterkunft. Buchungsportale müssen kein Geld zurückerstatten.

    Kann ich individuell gebuchte Unterkünfte kostenlos stornieren?

    Nach deutschem Recht können Urlauber das Geld für Hotels, Ferienwohnungen und sonstige Unterkünfte dann zurückverlangen, wenn der Urlaubsort in einem Sperrgebiet liegt und somit die Geschäftsgrundlage für die Buchung der Unterkunft wegfällt. Heißt: Kann der Urlauber seine gebuchte Unterkunft nicht nutzen, muss er auch nicht zahlen.

    Bei Auslandsreisen werden Hotels und Co. aber meist direkt bei einem Anbieter vor Ort gebucht. Dann gelten die rechtlichen Bestimmungen des jeweiligen Landes und diese können erheblich vom deutschen Recht abweichen. Ob Reisende das Geld für eine bereits gebuchte Unterkunft zurückbekommen, hängt also maßgeblich von den lokalen Gesetzen im Urlaubsort ab.

    Bekomme ich das Geld für Flüge zurück?

    Ob Reisende ihr Geld für einen Flug während der Coronakrise zurückerhalten, hängt in erster Linie davon ab, ob die Airline selbst den Flug annulliert hat. Herrschen im Zielland Einreisesperren, wird die Fluggesellschaft den Flug sehr wahrscheinlich von sich aus absagen. In diesem Fall haben Fluggäste laut Art. 8 der Fluggastrechtverordnung das Recht, den Ticketpreis zurückzubekommen oder den Flug kostenlos umzubuchen. Verlangt der Fluggast sein Geld zurück, muss die Fluggesellschaft den Ticketpreis innerhalb von sieben Tagen auf das Konto des Fluggastes zurück überweisen.

    Wollen Reisende wegen Corona einen Flug stornieren, der nicht durch die Airline selbst gestrichen wurde, müssen sie auf die Kulanz der Airline hoffen. Alternativ bieten einige Fluggesellschaften wie beispielsweise Lufthansa, Easyjet, Ryanair oder Eurowings auch flexiblere Möglichkeiten zur Umbuchung eines Fluges an. Eurowings-Kunden können so etwa ihren Flug für einen Zeitraum bis zum 27. März 2021 kostenlos bis zu 14 Tagen vor dem geplanten Abflug umbuchen. Das Reiseziel können Kunden ebenfalls neu bestimmen.

    Muss ich für abgesagte Reisen Gutscheine akzeptieren?

    Nein. Für Pauschalreisen sowie für Flüge, die unter die EU-Fluggastverordnung fallen, gilt europäisches Recht. Obwohl die Bundesregierung eine Gutscheinlösung befürwortet und anstrebt, wurde diese für Pauschalreisen vom EU-Justizkommissar Didier Reynders bisher abgelehnt. Auch Verbraucherschützer Klaus Müller kritisiert Reisegutscheine.

    Laut der EU-Fluggastrechte dürfen Verbraucher auch in der Coronakrise nicht dazu gezwungen werden, einen Gutschein statt einer Rückerstattung zu akzeptieren. Die CDU will anstelle der Zwangsgutscheine nun eine Fonds-Lösung vorschlagen. Der Staat würde demnach Reisegelder zunächst erstatten. Die Reiseunternehmen müssten den Fonds allerdings zu einem späteren Zeitpunkt selbst wieder auffüllen. 

    Für Pauschalreisen wird es somit aktuell keine Gutscheinregelung geben, sollte sich die Bundesregierung mit ihrem Vorhaben nicht durchsetzen und auf eine nationale Lösung setzen. Auch Flüge von Fluggesellschaften mit Sitz in der EU oder solche, die in der EU starten, würden bislang nicht unter eine Gutscheinregelung fallen. 

    Was mache ich, wenn eine Airline nicht auf meine Forderungen reagiert?

    Bieten Fluggesellschaften auf ihren Webseiten nur die Möglichkeit an, einen Gutschein für einen stornierten Flug zu erhalten, müssen Fluggäste dies nicht hinnehmen. Betroffene Kunden sollten das jeweilige Unternehmen zunächst schriftlich kontaktieren, am besten per Einwurf-Einschreiben. So können Betroffene ihre Kontaktaufnahme nachweisen. In dem Schreiben können Kunden eine Frist setzen, bis wann die Airline das Geld zurück überwiesen haben sollte.

    An wen kann ich mich wenden, wenn die Airline trotz Aufforderung nicht zahlt?

    Wenn Airlines nicht auf die Forderungen eines Verbrauchers reagieren oder diese gar ablehnen, können sich die Geschädigten zunächst an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden. Dort kann online ein Antrag auf Schlichtung ausgefüllt werden, der dann von Juristen der SÖP geprüft wird. Anschließend schlagen die Juristen eine Lösung vor, die allerdings sowohl vom Verbraucher als auch von der Fluggesellschaft akzeptiert werden muss.

    Eine andere Möglichkeit bieten Dienstleister, die es dem Fluggast abnehmen, das Geld von der Airline zurückzufordern.

    Der Kunde erhält sein Geld dann sofort – der sogenannte Fluggasthelfer unterbreitet dem Kunden ein Angebot und kümmert sich anschließend erst um die Forderungen, damit der Kunde nicht länger warten muss. Dabei berücksichtigt das Angebot auch einen Anteil, den der Dienstleister für seine Arbeit einbehält.

    Wie hoch dieser ausfällt, hängt davon ab, wie der Dienstleister seine Erfolgschancen bei der Airline einschätzt. Der Vorteil von Kunden besteht also darin, dass sie auch dann Geld erhalten, wenn die Ersuche des Dienstleisters nicht erfolgreich sind. Andererseits erhalten Kunden aber niemals den vollen Ticketpreis.

    Bekomme ich für abgesagte Veranstaltungen den Ticketpreis erstattet?

    Vor der Coronakrise mussten Veranstalter den Ticketpreis dann erstatten, wenn eine Veranstaltung abgesagt und die versprochene Leistung somit nicht erbracht (§ 326 Abs.1) wurde. Die Gründe dafür spielten keine Rolle. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus könnte sich diese Regelung nun ändern, denn das Bundeskabinett hat einen neuen Gesetzesentwurf beschlossen.

    Wird dieser von der Bundesregierung tatsächlich verabschiedet, müssten Kunden Gutscheine für abgesagte Veranstaltungen akzeptieren. Zumindest dann, wenn Kunden diese vor dem 8. März 2020 gebucht haben. Verbraucher, die ihre Gutscheine bis zum 31. Dezember 2021 nicht einlösen, bekämen erst dann ihr Geld zurück.

    Von dem Gesetzesentwurf betroffen wären Konzerte, Festivals, Theatervorstellungen, Lesungen, Kinos oder Sportwettkämpfe genauso wie Museen, Freizeitparks, Tierparks, Schwimmbäder und Fitnessstudios sowie sonstige Freizeitgestaltungen. Somit kann man also davon ausgehen, dass die meisten Veranstaltungen von der Regelung betroffen wären.

    Außerdem betrifft der Gesetzesentwurf ausdrücklich auch Veranstaltungen, die nicht nur einmalig stattfinden. Das bedeutet, auch laufende Verträge mit Fitnessstudios oder sonstige Abos fielen unter das Gesetz.

    Mehr: Warum die Reisebranche eine Alternative für Zwangsgutscheine braucht.

    • svw
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