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Tourismus Luxuskurs trotz hoher Schulden: Kreuzfahrtriese Norwegian plant den Neustart

Die Coronakrise hat die Reederei finanziell schwer belastet. Ab 2022 soll die „Norwegian Prima“ mit fünf Schwesterschiffen zu neuem Glanz verhelfen.
12.05.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Die sechs Schiffe der neuen Leonardo-Klasse kosten die Reederei NCL jeweils 800 Millionen Euro. Quelle: NCL
„Norwegian Prima“

Die sechs Schiffe der neuen Leonardo-Klasse kosten die Reederei NCL jeweils 800 Millionen Euro.

(Foto: NCL)

Düsseldorf Nach 488 Tagen Zwangspause lässt der Kreuzfahrtriese Norwegian Cruise Line (NCL) erstmals wieder Passagiere an Bord. Am 25. Juli werde die „Norwegian Jade“ ab Piräus zu ihrer ersten Griechenlandfahrt in dieser Saison aufbrechen, bestätigt Harry Sommer, Chef der nach Carnival und Royal Caribbean drittgrößten Kreuzfahrtreederei der Welt.

Im August stehe die Karibik auf dem Plan, im September Spanien und Italien, sagte Sommer dem Handelsblatt. „Im ersten Quartal 2022 erwarten wir, wieder unter Volllast arbeiten zu können“, verspricht er per Videoschalte aus seinem Büro in Miami.

Für den Neustart wird es für NCL und die kleineren Schwesterreedereien Oceania und Regent Seven Seas höchste Zeit. Denn ab Sommer 2022 liefert die italienische Werft Fincantieri mit der „Norwegian Prima“ die erste von sechs Neubestellungen aus, die den US-Konzern bis 2027 jeweils 800 Millionen Euro kosten werden.

„Die neue Prima-Schiffsklasse, die bislang den Projektnamen Leonardo trug, wurde von Grund auf neu geplant“, erklärt Sommer. „Wir bieten den Gästen deutlich mehr Platz als auf der vor zehn Jahren entworfenen Breakaway-Klasse.“ Zudem habe man den Luxusbereich an Bord ausgebaut.

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    Weil Norwegian die jeweils 3250 Gäste fassenden Schiffe noch vor der Pandemie mit großem Optimismus bestellt hatte, geriet die Finanzierung in den vergangenen Monaten zum Kraftakt. Schon 2020 musste sich der Konzern bei Aktionären, Anleihegläubigern und Banken zusätzlich 5,6 Milliarden Dollar besorgen, gefolgt von weiteren 2,7 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2021.

    Grafik

    Da die 28 vor Anker liegenden Schiffe pro Monat 190 Millionen Dollar Cash verbrannten, reichte selbst das nicht. Mit Fincantieri verständigte sich der Konzern darauf, eine Kaufsumme von 270 Millionen Dollar erst verspätet zu zahlen. Gleichzeitig setzte man vereinbarte Tilgungen über 680 Millionen Dollar bis März 2022 aus. Zusatzkosten für die drei Schwester-Reedereien: 26 Millionen Dollar.

    Schon für 2022 gibt es viele Reservierungen

    Entsprechend senkte die Ratingagentur Moody‘s die Bonität der Reederei auf ein hochspekulatives „B2“. Die ungesicherten Anleihen besitzen mit „Caa1“ sogar ein „substanzielles Risiko“.

    Dass sich die Bruttofinanzschulden auf 12,2 Milliarden Dollar nahezu verdoppelten, was in diesem Jahr voraussichtlich 600 Millionen Dollar an Zinsen kosten wird, trübt den Optimismus des Norwegian-Chefs nur bedingt. „Unsere ersten Kreuzfahrten sind schon komplett ausgebucht“, sagt er. Selbst für 2022 gebe es schon reichlich Reservierungen – weit mehr als zum gleichen Zeitpunkt der Vorjahre.

    Europachef Kevin Bubolz berichtet zudem von einer hohen Zahlungsbereitschaft der Kunden. „Als Erstes war unser Exklusivbereich The Haven belegt“, erzählt er. Das Schiff-im Schiff-Konzept bietet betuchten Gästen luxuriöse Suiten, einen 24-Stunden-Butler-Service, eigene Lifte und ein bevorzugtes Ein- und Ausschiffen, kostet Gäste aber in der größten Unterkunft pro Woche bis zu 20.000 Euro.

    Entsprechend viel versprechen sich die Manager deshalb von ihrer neuen Schiffsklasse. Obwohl die „Norwegian Prima“ rund 700 Passagiere weniger fasst als das bei der Meyer Werft gebaute Vorgängerschiff „Norwegian Encore“, steigt die Zahl der „Haven“-Suiten von 80 auf 107. Außerdem verlegte sie die Reederei – der besseren Aussicht wegen – samt Infinity-Pool auf das obere Heck.

    Am 13. März 2020 hatte Norwegian als eine der ersten Kreuzfahrtreedereien weltweit einen Betriebsstopp verkündet, nachdem es bei anderen Anbietern zu Corona-Ausbrüchen an Bord und damit verbundenen Todesfällen gekommen war. Weil zahlreiche Häfen das Anlaufen untersagten, lotste NCL sogar eines seiner Schiffe nach Honolulu, um die Passagiere von dort auszufliegen. Auf Hawaii schiffte dann auch der letzte zahlende Gast am 24. März 2020 aus.

    „Unsere erste Schiffstour ist schon komplett ausgebucht.“ Quelle: NCL
    NCL-Chef Harry Sommer

    „Unsere erste Schiffstour ist schon komplett ausgebucht.“

    (Foto: NCL)

    Seither herrscht in der gesamten Branche nahezu Stillstand. Reisten 2019 noch rund 30 Millionen Urlauber auf See, waren es 2020 gerade einmal 400.000 Gäste. In Europa und Asien versuchten sich Reedereien wie Genting, Tui Cruises und Aida mäßig erfolgreich mit „Reisen ins Blaue“, bei denen die Passagiere auf Landgang verzichten.

    Der Betrieb aber lief alles andere als reibungslos. So musste Aida immer wieder Fahrten absagen, weil die italienischen Behörden, unter deren Flagge die Carnival-Tochter fährt, das Einchecken untersagte. Erst am 20. März 2021 gelang der „Aida Perla“ ein erstes Auslaufen, am 22. Mai soll die „Aida Sol“ ab Kiel folgen.

    Auch bei Tui Cruises kam es immer wieder zu Absagen. Nun will das Joint Venture von Tui und Royal Caribbean ab dem 23. Mai wieder von Kiel aus nach Griechenland und auf die Kanaren kreuzen, nachdem Schleswig-Holstein die Corona-Auflagen gelockert hat.

    Norwegian stockt beim medizinischen Personal auf

    Norwegian dagegen verzichtete komplett auf „Blaue Reisen“ – wohl auch, weil die Hälfte der Flotte in den USA stationiert ist, wo die Gesundheitsbehörde CDC das Boarding bis heute komplett untersagt.

    In Sachen Corona-Schutz hat die Reederei inzwischen massiv nachgerüstet. Zwar dürfen beim Neustart im Juli nur vollständig Geimpfte an Bord, was Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren von den Passagierlisten fernhält. Gleichzeitig setzt NCL auf weitere 74 Einzelmaßnahmen, die theoretisch auch Ungeimpften die Schiffsreise erlauben könnten.

    So bauten die Monteure nicht nur Luftfilteranlagen ein, die laut Management den Anforderungen eines OP-Saals entsprechen. Auch das medizinische Personal stockte die Reederei auf, was das Schiff im Ernstfall zu einem schwimmenden Hospital macht.

    Am Terminal verlangt Norwegian zudem einen Schnelltest, bevor es für die Passagiere an Bord geht. Im Gegenzug werden Urlauber demnächst ihren Landgang etwa in Santorin oder Barcelona auch einzeln absolvieren dürfen und nicht mehr nur in geschlossenen Reisegruppen, den sogenannten „Bubbles“.

    Vor allzu großer Euphorie warnen Experten dennoch – selbst wenn es offenkundig eine enorme Nachfrage nach Seereisen gibt. „Von den weltweit 400 Kreuzfahrtschiffen sind derzeit nur rund 20 in Betrieb“, berichtet Helge Grammerstorf, Geschäftsführer des Kreuzfahrtverbands CLIA Deutschland. Um die restliche Flotte in Dienst zu stellen, müssten nun wieder Crews zusammengestellt und ausgerüstet werden, sagt er. „Ob wir schon 2022 das Niveau von 2019 sehen werden, ist noch nicht garantiert.“

    Mehr: Impf-Europameister: Wie Malta sich an die EU-Spitze gesetzt hat.

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