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Tourismusbranche Chinesen wollen Thomas Cook retten – Condor-Verkauf vom Tisch

Der britische Tui-Rivale steht vor einem Ausweg aus der schweren Krise. Großaktionär Fosun soll die Mehrheit an der Neckermann-Mutter übernehmen.
Update: 12.07.2019 - 11:21 Uhr Kommentieren
Thomas Cook ist dringend auf eine Kapitalspritze angewiesen. Quelle: Reuters
Flieger von Thomas Cook

Thomas Cook ist dringend auf eine Kapitalspritze angewiesen.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Für den finanziell angeschlagenen Touristikriesen Thomas Cook („Neckermann“, „Öger“, „Condor“) gibt es neue Hoffnung. Wie der britische Konzern am Freitag mitteilte, stellt der chinesische Großaktionär Fosun Tourism eine Geldspritze über 750 Millionen Pfund (rund 834 Millionen Euro) in Aussicht.

„Auch Kreditgeber wie Banken und Anleihegläubiger haben sich bereit erklärt, ihr Fremdkapital in Eigenkapital zu verwandeln“, sagte Vorstandschef Peter Fankhauser in London. Insgesamt entspreche dies einem Schuldenschnitt von gut 1,6 Milliarden Pfund.

Der nach Tui weltweit zweitgrößte Ferienveranstalter steckt seit längerer Zeit in schwerer Schieflage. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres verlor Thomas Cook 1,46 Milliarden Pfund vor Steuern – und das bei einer Nettoverschuldung von 1,25 Milliarden Pfund.

Die Ratingagentur Standard & Poor‘s (S & P) senkte daraufhin die Bonitätsnote auf „CCC+“, was Kunden und Lieferanten in Unruhe versetzte. Fast jedes dritte Unternehmen, das bislang eine solche Bewertung erhielt, meldete innerhalb der darauffolgenden zwölf Monate Insolvenz an.

Die Gründe für den Niedergang sind vielfältig. Zum einen hortete Thomas Cook ein Überangebot an Pauschalreisen, die sich nur mühsam verkaufen lassen. Zum anderen verpasste Vorstandschef Fankhauser – anders als Fritz Joussen bei Tui – den Einstieg in die lukrative Kreuzfahrt. Hinzu kommt, dass im Heimatmarkt Großbritannien der bevorstehende Brexit und das geschwächte Pfund Urlaubsreisen ins Ausland verteuern.

Fast schlimmer noch drückte die Schuldenlast. Seit der letzten Sanierung im Jahr 2011 zahlte Thomas Cook 1,2 Milliarden Pfund allein für den Schuldendienst. „Allein drei Millionen Urlaube müssen wir jedes Jahr allein deshalb verkaufen, um unsere Schulden zu zahlen“, erklärte Fankhauser. „Mit der in Aussicht gestellten Finanzspritze fällt das nun weitgehend weg.“

Fosun könnte große Teile des Veranstaltergeschäfts übernehmen

Schon im Februar kündigt der gebürtige Schweizer an, das Airline-Geschäft rund um Condor zu veräußern, um mit dem Geld eine Sanierung voranzutreiben. Doch obwohl sich zahlreiche Interessenten – darunter die Lufthansa und Virgin Atlantic – meldeten, verliefen die Verhandlungen im Sand.

Von dem geplanten Verkauf ist nun nicht mehr die Rede. Die Gespräche seien unterbrochen worden, erklärte Fankhauser. Stattdessen verfolgen die Briten nun einen viel umfassenderen Plan, der den Konzern völlig neu aufstellen soll.

Verlaufen die fortgeschrittenen Gespräch mit Fosun Tourism erfolgreich, übernimmt der Investor aus Schanghai voraussichtlich zwei Drittel bis drei Viertel am Veranstaltergeschäft, wie das Handelsblatt in Konzernkreisen erfuhr.

Um ein Pflichtangebot für die außenstehenden Aktionäre zu umgehen, sollen die Veranstaltermarken wie Neckermann oder Öger zuvor von der börsennotierten Plc. in eine separate Gesellschaft überführt werden. Die Holdinggesellschaft bleibe zwar an der Börse notierte, hieß es, aber wohl nur noch als Hülle.

Auch das Airlinegeschäft soll als separierte Gesellschaft geführt werden, voraussichtlich aber weiterhin börsennotiert. An ihr wird der chinesische Investor Fosun Tourism, der aktuell gut 18 Prozent an Thomas Cook hält, einen Anteil behalten, nicht aber über die Schwelle von 30 Prozent gehen.

In einem solchen Fall nämlich wäre ein Pflichtangebot für die außenstehenden Aktionäre fällig, das die Chinesen womöglich zum Mehrheitseigner der Airline aufsteigen lassen könnte. Die Folgen wären fatal: Allein Fluggesellschaften, die mindestens zur Hälfte im Besitz von EU-Eigentümern sind, dürfen innerhalb der Union Flugziele ansteuern.

Dabei gilt das Fluggeschäft von Thomas Cook derzeit als Tafelsilber des Konzerns. Sein geschätzter Kaufpreis liegt etwa beim Dreifachen des Börsenwerts von Thomas Cook, der am Freitagmorgen wegen der drohenden Verwässerung der Aktien um 38 Prozent auf 236 Millionen Euro sackte.

Enge Kooperation geplant

Entsprechend gering ist im Konzern nach dem vorgelegten Rettungsplan das Interesse, einzelne Teile der 103 Flugzeuge zählenden Flotte zu verkaufen – oder sogar das gesamte Fluggeschäft. Branchenexperten rechnen damit, dass der neue Eigentümer das Fluggeschäft ausbauen wird, was möglicherweise zusätzliche Partnerschaften einschließt.

Das eigentliche Interesse der Chinesen aber liegt im Veranstaltergeschäft, wie Jim Qian, Vorstandschef von Fosun Tourism, dem Handelsblatt vor wenigen Wochen sagte. Zum einen geht des dem Chef der in Hongkong gelisteten Fosun-Industries-Tochter darum, Landsleuten attraktive Urlaubsmöglichkeiten in Europa zu bieten. Eine gemeinsame Reisebürokette in China verachtfachte ihren Umsatz seit dem Start 2017.

Zum anderen betreibt Fosun Tourism seit kurzem gemeinsam mit Thomas Cook zwei große Urlaubsanlagen in China. Und das mit Erfolg. Kamen im ersten Jahr 20.000 Gäste dorthin, waren es im zweiten bereits 160.000. Dieses Jahr soll sich die Zahl noch einmal verdoppeln.

Zudem besitzt Fosun längst selbst Expertise in der Touristik. Die lange Zeit notleidende Ferienkette Club Med, die der Konzern 2015 erwarb, schaffte unter der Führung Qian einen spektakulären Turnaround. Auf ein ähnliches Wunder hofft nun auch Thomas Cook.

Mehr: Ein Bankenwechsel des angeschlagenen Touristikriesen Thomas Cook sorgt unter den Reiseagenturen für Aufregung. Die Nerven liegen blank.

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