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Tourismusbranche Lufthansa kündigt langjährige Partnerschaft mit Condor

Die Ferienfluggesellschaft darf ab Mitte kommenden Jahres keine Zubringerflüge von Lufthansa mehr vermarkten – und wittert einen Frontalangriff.
04.12.2020 - 15:35 Uhr Kommentieren
Das Management der Ferienfluggesellschaft ärgert sich über die Kündigung der Partnerschaft mit Lufthansa. Quelle:  Christoph Schlautmann
Condor-Jet auf Kreta

Das Management der Ferienfluggesellschaft ärgert sich über die Kündigung der Partnerschaft mit Lufthansa.

(Foto:  Christoph Schlautmann)

Frankfurt Zwischen den bisherigen Partnern Lufthansa und Condor ist ein Streit entbrannt. Lufthansa hat nach Informationen aus Branchenkreisen das sogenannte Special Prorate Agreement mit Condor zum Juni 2021 gekündigt. Es erlaubt Condor bisher, Zubringerflüge der Lufthansa über die eigenen Vertriebskanäle zu vermarkten und so eine durchgehende Urlaubsreise anzubieten.

Eine Sprecherin von Condor bestätigte den Vorgang auf Anfrage. „Die Vereinbarung läuft bis Ende Mai uneingeschränkt weiter, die Zubringeroption für die nächsten sechs Monate für unsere Gäste ist also gesichert. Die Optionen für die Zeit danach prüfen wir“, sagte sie. Ein Lufthansa-Sprecher erklärte, es sei nur ein Teil des Abkommens gekündigt worden. Es gebe weiterhin eine Partnerschaft über das sogenannte Interlining.

Interlining ist allerdings nur eine eingeschränkte Kooperation. Das nun gekündigte Abkommen geht viel weiter. Condor kann damit zum Beispiel den Kunden auf der eigenen Webseite und auf denen von Reiseveranstaltern einen durchgehenden Flug anbieten, für den nur ein Ticket gekauft werden muss und das Gepäck durchgecheckt ist. Vor allem aber kann Condor den Zubringerflug selbst bepreisen, also die Konditionen festlegen. Das erhöht die Attraktivität des Angebots und trägt dazu bei, die Langstreckenflieger von Condor besser zu füllen.

Entsprechend erbost ist man bei Condor: „Wir halten es für nicht vertretbar, dass Lufthansa neun Milliarden Steuergelder verwendet, um zu versuchen, ein Unternehmen, das ebenfalls staatlich gerettet wurde, aus dem Markt zu drängen“, sagte eine Sprecherin. Arbeitsplätze sichere man am besten mit tragfähigen Vereinbarungen mit den Gewerkschaften und den weiteren Sozialpartnern, „aber nicht mit touristischem Wachstum, für das untarifiert Mitarbeiter eingestellt werden, die zuvor gekündigt wurden.“

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    Diese Aussage zielt auf das Projekt „Ocean“, mit dem die Lufthansa gerade eine eigene Plattform für touristische Flüge aufbaut. Der Plan wurde schon vor dem Ausbruch der Pandemie beschlossen. Durch die Coronakrise hat er aber an Bedeutung gewonnen, denn die Privatreisenden werden früher wieder in die Jets zurückkehren als die für die Lufthansa bisher so wichtigen Geschäftskunden.

    Lufthansa hat eigene Pläne

    In Branchenkreisen wird „Ocean“ als Angriff auf die etablierten Ferienfluggesellschaften wie Condor und Tuifly interpretiert. Das sorgt für Diskussionen. Denn sowohl Lufthansa also auch Condor und die Tuifly-Mutter Tui haben teils umfassende Staatshilfen erhalten, um die aktuelle Krise zu meistern.

    Grafik


    Künftig wetteifern aber alle drei um dieselben Kunden: die Touristen. Herausforderer Lufthansa hat allein schon wegen der Größe des Konzerns viel Marktmacht, um sich hier durchzusetzen. Lufthansa selbst verweist dagegen darauf, dass mit „Ocean“ lediglich ein schon bestehendes Angebot des Ablegers Eurowings neu gebündelt werde.

    In Branchenkreisen wird nicht ausgeschlossen, dass Condor nun wegen der Kündigung von Lufthansa die Wettbewerbshüter einschalten wird. Eine Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern.

    Die enge Partnerschaft zwischen Lufthansa und Condor hat eine lange Tradition, die nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass Condor einmal Teil des Lufthansa-Konzerns war. Seit gut 50 Jahren gibt es die Vereinbarung. Für Condor ist das Abkommen wichtig, in normalen Zeiten würden täglich rund 1500 Kunden mit Lufthansa-Jets zu ihrem eigentlichen Condor-Flug anreisen, berichten Kenner des Abkommens. Im Gegenzug überweise Condor jährlich rund 50 Millionen Euro an Lufthansa.

    Schon zu Jahresbeginn war das Abkommen zwischen Lufthansa und Condor in die Diskussion geraten. Die Muttergesellschaft der polnischen Airline LOT, die PGL, wollte Condor übernehmen. Die Ferienfluggesellschaft war in Schwierigkeiten geraten, nachdem die Mutter, der Reisekonzern Thomas Cook, Insolvenz angemeldet hatte. Damals hatte die Lufthansa erstmals angekündigt, die Partnerschaft mit Condor überprüfen zu wollen. Doch der Deal mit PGL scheiterte, weil Corona PGL selbst in Schwierigkeiten brachte.

    Condor sucht einen neuen Investor

    Derzeit fliegt Condor deshalb mit finanzieller Unterstützung des Staates in Höhe von 550 Millionen Euro. Erst vor wenigen Tagen hat die Airline das sogenannte Schutzschirmverfahren verlassen, bei dem ein Sachwalter die Interessen der Gläubiger vertritt. Nun agiert Condor wieder komplett eigenständig – als gesundes Unternehmen, wie Condor-Chef Ralf Teckentrup kürzlich erklärte.

    Allerdings muss das Management nach dem Ende der Pandemie eine neue Mutter oder einen Investor finden, um dauerhaft überleben zu können. Umso wichtiger ist es für die eher kleine Airline, dass die Partnerschaften bis dahin bestehen bleiben, damit das operative Geschäft funktioniert. Zwar dürfte es möglich sein, für die eine oder andere Strecke Ersatz für einen Zubringerflug zu finden. Doch Lufthansa hat als klare Nummer eins in Deutschland und bis zur Pandemie auch in Europa das größte und dichteste Flugnetz. Gerade am Drehkreuz Frankfurt ist die Partnerschaft mit Lufthansa für Condor sehr wichtig.

    Mehr: Plattform „Ocean“: Arbeitnehmer verbünden sich gegen die Pläne der Lufthansa.

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