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Kamel-Trekking am Strand von Cable Beach

Urlauber sollen künftig mit mehr Events gelockt werden, verspricht Tui.

(Foto: action press)

Touristik Tui will mehr am Urlauber verdienen

Nach zwei Gewinnwarnungen verbreitet Tui-Chef Fritz Joussen Zuversicht. Neue Geschäfte sollen die Rendite des kriselnden Reisekonzerns steigern.
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MünchenZwei Wochen vor Beginn der Osterferien fehlen dem Touristikkonzern Tui die Flugzeuge. 15 fabrikneue Maschinen vom Typ Boeing 737-Max parken auf Flughäfen in Großbritannien, Belgien und den Niederlanden. Weitere acht wird der Hannoveraner Urlaubsveranstalter von seinem Lieferanten aus Seattle vorerst nicht abnehmen. Nach zwei Abstürzen wegen einer mutmaßlich fehlerhaft programmierten Flugsteuerung hat die 737-Max weltweit Startverbot.

Für Tui-Chef Fritz Joussen ein schwerer Schlag. „Wir können die Flüge nicht einfach ausfallen lassen“, sagte er im Club Wirtschaftspresse München. Stattdessen gelte es, so schnell wie möglich Ersatzflieger samt Personal zu besorgen. Erst wenn Boeing und die nationalen Luftfahrtbehörden die Maschine wieder freigeben, werde Tui die restlichen für dieses Jahr bestellten Flugzeuge übernehmen und einsetzen.

Für den weltgrößten Reiseveranstalter kommt der Ausfall zur Unzeit. Schon seit Monaten steht Tui unter Druck, weil das versprochene Ertragswachstum ausbleibt. Schleppende Urlaubsbuchungen nach dem ‧Hitzesommer 2018 belasten den Reiseveranstalter ebenso wie Überkapazitäten in Spanien und die Unsicherheiten des britischen EU-Austritts. Anders als geplant werde der Ertrag 2019 nur auf dem Vorjahresniveau verharren, statt um zehn Prozent zu steigen, gestand Joussen Anfang Februar ein.

Entsprechend rückt Joussens Konzernumbau in den Fokus, mit dem er beweisen will, dass sich im Reisegeschäft gutes Geld verdienen lässt. Schon vor sechs Jahren machte er sich daran, den einstigen Reiseveranstalter in einen „integrierten Reisekonzern“ zu verwandeln. Vom Reisebüro über die Unterbringung bis hin zur Betreuung in den Urlaubsregionen soll alles aus einer Hand kommen. Und eben auch der Flugbetrieb.

Zweite Gewinnwarnung

Umso gravierender wirkte sich vergangenen Freitag die erneute Gewinnwarnung auf den an Londons Börse notierten Konzern aus, hervorgerufen durch das Grounding der 737-Max. Sollten die Maschinen nicht bis Mitte Juli freigegeben werden, warnte Tui, sinkt das operative Ergebnis von zuletzt rund 1,1 Milliarden Euro um rund 200 Millionen Euro. Falls die Probleme länger dauern, kommen rund 100 Millionen Euro an Aufwand obendrauf.

Nach der Ankündigung sackte die Aktie auf den tiefsten Wert seit sechs Jahren. Der Gegenwind auf der Kostenseite durch das Flugverbot sei stärker als gedacht, schrieb Cristian Nedelcu von der Schweizer Großbank UBS.

Doch auf den Kosten will Joussen keineswegs sitzen bleiben. Der Konzern werde Ansprüche an Boeing stellen, sagte er in München. Damit habe Tui Erfahrung. Als Anfang Januar 2013 weltweit die Batterien in den neu ausgelieferten „Dreamlinern“ durchschmorten, habe der Reisekonzern mit Boeing schon einmal „konstruktive Gespräche“ geführt. Heute fliegen die Dreamliner in der Tui-Flotte problemlos.

Mit 150 Maschinen ist Tui einer der größten Fluganbieter Europas. Im Sommer ist die Flotte voll ausgelastet, im Winter schickt Tui einen Teil der Maschinen nach Kanada, um dort Urlauber in die Karibik zu fliegen. Ein weiterer Teil geht in die Wartung. Seit Jahren herrschen im Markt für Flugreisen Überkapazitäten. Zudem liefern sich Low-Cost-Carrier wie Easyjet, Ryanair und Eurowings Preiskämpfe. 500 bis 600 Millionen Euro Verlust fallen dadurch nach Schätzung von Joussen alleine im deutschen Markt für die Airlines an. Das sei ein Konsolidierungsmarkt.

Seine konzerneigene Tuifly will er trotzdem nicht abgeben. Über einen solchen Plan hatte der Ex-Vodafone-Manager bei seinem Antritt in Hannover Anfang 2013 noch laut nachgedacht. Inzwischen zeigt er sich geläutert. Ohne die eigene Charterflotte fehle die Möglichkeit, die eigenen Hotels zu füllen, sagt er nun.

Sogar was mögliche Zukäufe im Airlinegeschäft betrifft, winkt er nicht grundsätzlich ab. Er bleibe „aktiver Beobachter“, sagte Joussen. Ob er auch an einer Übernahme der Fluggesellschaft Condor interessiert sei, die Wettbewerber Thomas Cook zum Verkauf gestellt hat, will er nicht kommentieren. „Es wird Gewinner und Verlierer geben“, erklärte er lediglich: „Und wir werden sicher nicht zu den Verlierern gehören.“

Doch der Airlinemarkt ist keineswegs das Einzige, wofür Joussen Geld ausgibt. Neben der Flugzeugflotte unterhält Tui auch eigene Hotels, deren Zahl sich seit 2014 von 232 auf 380 erhöhte. Noch stärker baute Tui die Kreuzfahrtflotte („MS Europa“, „Mein Schiff“) aus, die sich zum soliden Ertragsbringer entwickelte. Waren es zum Amtsantritt Joussens im Konzern gerade einmal vier ertragsschwache Dampfer, die für Tui in See stachen, sind es heute insgesamt 17 Schiffe, mit denen Tui fast ein Drittel des bereinigten Ertrags vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) verdient.

Gewinn mit Tauchkursen

Hinzu kommt die Kundenbetreuung in den Urlaubsregionen, die der Tui-Chef vor einem Jahr durch den Zukauf der Sparte „Destination Management“ aus den Händen der Ex-Tochterfirma Hotelbeds verstärkte – und dazu 110 Millionen Euro in die Hand nahm.

Sein erklärtes Ziel ist es, aus jedem Kunden einen noch höheren Gewinn zu ziehen – etwa durch das Geschäft mit Wanderungen, Tauchkursen oder Besichtigungen in den Feriengebieten. Ergänzt hat Joussen diese Sparte erst neulich noch einmal durch die Übernahme des Mailänder Start-ups „Musement“, das die rund 21 Millionen Tui-Urlauber mit 35 000 Tourvorschlägen im Internet versorgt.

Der 55-jährige Vorstandschef hat sich damit ein kapitalintensives Geschäftsmodell zugelegt. Es sei aber profitabler als die reine Reisevermittlung, rechnet Joussen vor. Während beim Handel mit Urlaubskapazitäten nur 2,5 Prozent Ebit-Marge hängen bleibe, seien im Hotelbetrieb zehn Prozent und bei Kreuzfahrten um die 30 Prozent drin.

Für den Ausbau der Flotten von Hapag-Lloyd Cruises und Tui Cruises würde der Vorstandschef das Geld sogar gerne noch schneller ausgeben. „Leider dauert der Bau neuer Kreuzfahrtschiffe bis zu sieben Jahre“, bedauert er

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