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Trend zum „Webrooming“ Die Renaissance der Filiale

Den Verkäufer im Laden ausquetschen und dann doch im billigen Online-Shop kaufen? Das war gestern, zeigt eine Studie. Viele Kunden informieren sich zuerst online – und kaufen doch im Geschäft. Wie Händler reagieren.
Der Webshop betreibt mittlerweile 15 Geschäfte. Quelle: Imago
Cyberport-Filiale in Berlin

Der Webshop betreibt mittlerweile 15 Geschäfte.

(Foto: Imago)

DüsseldorfEs ist die Horrorvorstellung jedes Geschäftsinhabers. Der Kunde lässt sich in der Filiale ausführlich beraten, probiert die Produkte aus, prüft Passform und Qualität – und verlässt den Laden wieder, ohne etwas gekauft zu haben. Denn das Geschäft macht ein Onlinehändler, der einen etwas besseren Preis bietet.

„Showrooming“ nennen Fachleute dieses Phänomen. Es galt lange als Indiz dafür, dass der stationäre Handel in absehbarer Zeit komplett vom E-Commerce verdrängt werden wird.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Untersuchungen des Marktforschungsunternehmens Nielsen zeigen, dass sich die Entwicklung zumindest zum Teil umgedreht hat. Immer mehr Deutsche beginnen mittlerweile ihren Einkaufsbummel online – und kaufen dann in der Filiale. „Im Geschäft anschauen und dann online zum günstigsten Preis kaufen, scheint für deutsche Konsumenten nicht grundsätzlich zu gelten“, sagt Nina Gemkow, E-Commerce-Expertin von Nielsen.

Das gilt insbesondere für Unterhaltungselektronik, wie zum Beispiel Digitalkameras oder Fernsehgeräte. 59 Prozent der Befragten gaben an, sich bei diesen Produkten zunächst im Netz informiert zu haben und dann aber doch im Laden gekauft zu haben. Auch bei Smartphones und Laptops liegt die Quote des „Webrooming“ mit 50 Prozent überraschend hoch.

Die Gründe dafür sind vielfältig. „Im Geschäft kann man Produkte real erleben, kann sie fühlen und ausprobieren. Es gibt zwar immer mehr Produktvideos im Internet, aber die reichen vielen Kunden nicht aus“, erläutert Gemkow von Nielsen. Ein gutes Beispiel dafür sind Rasierapparate: Der Kunde möchte im Geschäft hören, wie laut das Gerät ist, bevor er sich entscheidet. „Das trifft insbesondere auf Produkte zu, die der Verbraucher zum ersten Mal kauft oder bei denen er sich noch nicht sicher ist, welches Modell das richtige für ihn ist.“

„Das Kauferlebnis ist im Laden intensiver als online“, bestätigt der 28-jährige Marco Witt. „Ich möchte das Produkt vor dem Kauf in der Hand halten.“ Dennoch fällt er seine Kaufentscheidung in der Regel im Internet. „Gerade bei Unterhaltungsmedien und elektronischen Geräten will ich sichergehen, dass mir das Gekaufte auch tatsächlich gefällt. Deswegen lese ich vorab Rezensionen auf Blogs oder Bewertungsportalen, bevor ich das Produkt dann schließlich im Laden kaufe.“

Bei Küchengeräten, der sogenannten Weißen Ware, lege er zudem Wert auf eine fachmännische Beratung: „Die Internet-Bewertungen sind eine erste Orientierung, welche Produkte überhaupt in Frage kommen könnten. Endgültig entscheide ich mich aber erst, wenn ich in der Filiale beraten werde.“ Gerade Onlinehändler für Konsumelektronik haben daraus die Konsequenz gezogen.

Media Markt und Saturn rüsten Verkäufer auf

Die beste Zeit für Schnäppchenkäufe
Der Sparkalender
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Wann spart es sich am besten? Die Binsenweisheit lautet: antizyklisch kaufen, also den Wintermantel im Sommer. Das Preisvergleichsportal „Schnäppchenfuchs“ liefert nun Fakten. Basierend auf allen Angeboten, die sie 2016 gelistet hatten - insgesamt 11.000 Artikel - haben sie einen Schnäppchenkalender für 2017 abgeleitet.

Quelle: Schnaeppchenfuchs.com, Sparkalender 2017

(Foto: dpa-dpaweb)
Januar: Kameras und Rasierer
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Im Januar sind demnach Kameras und Rasierer besonders günstig zu haben. Es gab 31 Prozent mehr Angebote zu Kameras als im nächststärkeren Monat. Bei Rasierern verhält es sich ähnlich – sogar bis in den Februar hinein.

(Foto: Reuters)
Februar: Kopfhörer, Lautsprecher, Fitness-Tracker
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Der Februar ist für Schnäppchenjäger einer der besseren Monate. Bei Kopfhörern gab es im vergangenen Jahr 35 Prozent mehr Angebote als im nächststärkeren Monat. Auch Bluetooth-Boxen waren günstig. Wer sich körperlich betätigen und das nachhalten möchte, für den empfiehlt es sich, im Februar den Fitness-Tracker zu kaufen.

Auch bei Kleidung lohnt sich der Kauf im Februar: Im Vergleich zum Januar gab es 42 Prozent mehr Schnäppchen.

(Foto: dpa)
März: eBook-Reader, Fitness-Tracker, Sommerreifen
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Für Vielleser könnte sich der Kauf eines eBook-Readers lohnen. Besonders günstig sind sie im März. Bei Sommerreifen ist das ähnlich – damit entkräften die Autoren die Theorie, Sommerreifen seien im Winter besonders günstig.

(Foto: dpa)
April: Smartphones & Tablets, Grills, Kaffeemaschinen
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Ende Februar und Anfang März findet der Mobile World Congress statt – das wirkt sich besonders auf die Preise für Smartphones und Tablets aus und sorgt für zahlreiche Angebote. Ebenso fallen die Preise von Kaffeemaschinen und Grills.

(Foto: dpa)
Mai: Fernseher, Fahrräder, Rasenmäher
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Wer an antizyklisches Kaufverhalten glaubt, wird im Mai enttäuscht. Entgegen der Erwartung sind Fahrräder und Rasenmäher kurz vor dem Sommerstart besonders preiswert. Auch Fernseher und alles für das Heimkino sind im Mai günstiger.

(Foto: dpa)
Juni: Auto, Rucksäcke, Beamer
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Im Juni sollte man Zubehör für das Auto kaufen, empfiehlt der Schnäppchenfuchs. Radios oder Motoröl sind im Juni so günstig wie das ganze Jahr über nicht. Den Kauf von Rucksäcken und Beamern empfehlen die Autoren ebenfalls.

(Foto: dpa)

So hat der Webshop Cyberport mittlerweile 15 stationäre Filialen. Technik werde immer mehr zum Lifestyleprodukt, das Kunden vor dem Kauf live erleben wollen, heißt es zur Begründung. Auch Notebooksbilliger.de, vor kurzem als einer der besten deutschen Onlinehändler ausgezeichnet, hat drei Filialen in Hannover, Düsseldorf und München.

Verstärkt hat diesen Trend ironischerweise auch die Verbesserung der Beratungsqualität bei den Webshops. „Die Kunden sind heute weniger stark auf die Beratung in den Geschäften angewiesen, weil durch das Internet nahezu jede Information über die Produkte online verfügbar ist“, sagt die Expertin. Dazu kommt: Die Geschäftsdichte in Deutschland ist so hoch, dass es oft bequemer ist, das Produkt direkt im Laden um die Ecke zu holen, als es sich zuschicken zu lassen.

Auch große Händler haben dieses Phänomen schon beobachtet und stellen sich darauf ein. Die Kunden wüssten über die Produkte oft besser Bescheid als der Verkäufer, weil sie vor dem Gang ins Geschäft umfangreich im Netz recherchiert hätten, sagt Pieter Haas, Vorstandschef des Elektronikhändlers Media-Saturn. Die Verkäufer werden nun mit Tablets ausgerüstet, damit sie Informationen zu speziellen Nachfragen der Kunden schneller ermitteln können.

Dazu kommt: Rund 40 Prozent der online gekauften Waren holen Kunden von Media-Saturn persönlich im Laden ab. Dort können sie sich dann noch Tipps holen für den Anschluss des Geräts oder zu benötigtem Zubehör. Auch das ein Indiz dafür, dass die Filiale vor Ort noch lange nicht ausgedient hat.

Für Händler ist es deshalb wichtig, ihre Kunden auf allen Kanälen zu erreichen und online und stationär nahtlos zu verknüpfen. Denn auch umgekehrt gilt: Ein Filialgeschäft, das online nicht präsent ist, wird vom Konsumenten gar nicht erst wahrgenommen. „Die große Herausforderung ist es, den Kunden, der sich online informiert hat, zum Kauf dann in den eigenen Laden zu lenken“, sagt Nielsen-Expertin Gemkow.

Das kauften Verbraucher 2015 im Internet
Online-Handel
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Bequem vom Sofa aus rund um die Uhr shoppen: Online einkaufen gewinnt seit langem an Beliebtheit und auch in diesem Jahr hielt der Wachstumstrend an. 52,8 Milliarden Euro – so viel haben Verbraucher einer Prognose des Centre for Retail Research zufolge 2015 für Bestellungen im Internet ausgegeben. Das Schnäppchen-Portal mydealz.de hat 60 Millionen von ihm im Jahresumlauf vermittelte Transaktionen unter die Lupe genommen. Auf diese Weise haben die Experten ermittelt, welche Produkte besonders hoch in der Gunst der Konsumenten standen, wann sie am meisten online einkauften, und wie sehr mobile Endgeräte zum Umsatz beigetragen haben.

Quelle: mydealz.de/Centre for Retail Research

(Foto: dpa)
Der Umsatz steigt
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Der Umsatz für Online-Händler ist in diesem Jahr deutlich gestiegen, nämlich 23,1 Prozent gegenüber 2014. Somit trugen Internetkäufe 11,6 Prozent zum gesamten Handelsumsatz bei.

(Foto: Imago)
Deutsche als Zweitplatzierte
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Die Deutschen sind in Sachen Online-Shopping vorne dabei: Pro Kopf gaben deutsche Verbraucher 654,84 Euro beim Einkauf im Internet aus. Damit liegt Deutschland beim Online-Einkauf aber an zweiter Stelle. Platz eins belegen die internetaffinen Briten, die pro Person Waren im Wert von umgerechnet 964,74 Euro bestellten. Auf Platz drei landen die Franzosen mit 553,23 Euro.

(Foto: dpa)
Was wird am meisten gekauft?
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Am meisten werden Elektronik, Mode und Haushaltsbedarf per Mausklick gekauft. 18,8 Millionen von mydealz vermittelte Konsumenten kauften Fernseher, Smartphones oder Spielekonsolen im Netz. Im Vergleich zu 2014 legte der Online-Handel mit Elektroprodukten damit um 4,3 Prozent zu. 9,7 Millionen (Anstieg um 11,3 Prozent) shoppten Schuhe, Jeans oder Pullover online und 7,7 Millionen Verbraucher (Anstieg um 18,2 Prozent) entschieden sich für Waren wie Geschirr, Handtücher oder Küchenmesser.

(Foto: Imago)
Lebensmittel im Internet
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Bislang erledigen nur Briten und Franzosen ihre Wochenendeinkäufe vom Schreibtisch aus. Doch auch deutsche Verbraucher schieben nicht mehr länger Einkaufswagen durch Supermärkte. Lebensmittel rangieren bei mydealz.de 2015 erstmals unter den Top Fünf der am stärksten nachgefragten Produkte.

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Obst und Gemüse per Klick
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Insgesamt kauften 2,87 Millionen Konsumenten Kaffee, Schokolade, Wein oder Spirituosen im Internet. Während die Zahl gegenüber dem Vorjahr um 24,5 Prozent (2014: 1,1 Milliarden) gestiegen ist, rechnet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit einem Wachstum von mehr als sieben Milliarden Euro im Jahr 2024.

(Foto: dpa)
Einsatz von mobilen Endgeräten
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31,6 Prozent der 275 Millionen Besucher, die sich 2015 mithilfe von mydealz.de über Angebote von Online-Shops und lokalen Händlern informiert haben, riefen das Portal über mobile Endgeräte auf — 6,6 Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr. Der Einkauf über Smartphones und Tablets verdoppelte sich sogar.

(Foto: dpa)
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