TTIP vs. EU-Siegel Schinken unter Artenschutz

Kölsch, Nürnberger Rostbratwurst, Schwarzwälder Schinken: Die EU schützt solche Produkte mit speziellen Siegeln. Doch die Regionalprodukte sind oft gar nicht hundertprozentig heimisch. Das verwirrt nicht nur die USA.
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Schwarzwälder Schinken darf das EU-Siegel „geschützte geografische Angabe“ tragen – obwohl das Produkt gar nicht hundertprozentig aus dem Schwarzwald kommt. Quelle: dpa

Schwarzwälder Schinken darf das EU-Siegel „geschützte geografische Angabe“ tragen – obwohl das Produkt gar nicht hundertprozentig aus dem Schwarzwald kommt.

(Foto: dpa)

DüsseldorfOffiziell kommt das Kölsch zwar aus Köln, die Nürnberger Rostbratwurst aus Nürnberg, der Schwarzwälder Schinken aus dem Schwarzwald. Doch wirft man einen Blick auf die Zutaten, ist es mit der Regionalität schnell vorbei. Genau genommen kommt der Hopfen für Gaffel-Kölsch zum Beispiel aus Bayern, das Fleisch für die Rostbratwurst darf auch aus Polen oder Rumänien stammen, der Schinken auch in Frankreich geräuchert werden. Nur ein Teil des Herstellungsprozesses muss tatsächlich in der Region stattfinden, um als „regionale Spezialität“ zu gelten. Möglich macht es die Europäische Union. Durch drei Siegel will sie die Hersteller vor Nachahmungen aus anderen Regionen schützen.

Nun geraten diese Siegel immer stärker in die Kritik: Durch das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen Europa und den USA droht den Herstellern der „regionalen Spezialitäten“, dass der Artenschutz für Kölsch, Nürnberger Rostbratwurst oder Schwarzwälder Schinken abgeschafft wird. Künftig könnten dann auch US-Konkurrenz Produkte unter gleichem Namen verkaufen. Dagegen regt sich der Protest, dabei verstehen die wenigsten, was sich wirklich hinter den EU-Siegeln verbirgt.

Losgetreten wurde die Debatte am Wochenende von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt. Er hatte den Artenschutz für Kölsch, Schinken & Co. in einem Medienbericht angezweifelt. „Wenn wir die Chancen eines freien Handels mit dem riesigen amerikanischen Markt nutzen wollen, können wir nicht mehr jede Wurst und jeden Käse als Spezialität schützen“, sagte er dem „Spiegel“. Die geltenden EU-Vorschriften seien „sehr bürokratisch“. Da die EU auch Spezialitäten schütze, deren Grundstoffe längst nicht mehr nur in ihren Heimatregionen hergestellt würden, wäre es den Amerikanern schwer vermittelbar, „dass sie keinen Tiroler Speck oder Holländischen Gouda zu uns exportieren dürften, wenn wir in Europa selbst den Schutz nicht konsequent durchsetzen“, so Schmidt.

Die Wut der Wirtschaft ließ nicht lange auf sich warten. Die Lebensmittelwirtschaft fürchtete sogleich „Original Nürnberger Rostbratwürste aus Kentucky“. Die Kölner Brauerei Gaffel argumentierte: „Ein Bier nach kölscher Brauart aus einem anderen Land Kölsch zu nennen, ist Verbrauchertäuschung.“ Und auch der Verbraucherzentrale-Chef Klaus Müller sagte der „Bild“, das TTIP dürfe nicht zum Konsumentenschwindel werden.

Der Zorn ist nicht verwunderlich. Denn bisher schützt die EU solche regionalen Produkte mit drei speziellen Siegeln „gegen Missbrauch und Nachahmung“, wie es auf der Webseite des Staatenbundes heißt. Insgesamt 1250 Produkte sind in Brüssel als traditionelle oder regionale Spezialität eingetragen. 79 davon kommen aus Deutschland. Dazu zählen neben Kölsch auch der Schwarzwälder Schinken, Westfälischer Pumpernickel oder Lübecker Marzipan.

Doch Spezialität ist nicht gleich Spezialität. Die EU kennt drei Abstufungen: die geschützte Ursprungsbezeichnung (GU), die geschützte geografische Angabe (GGA) und die garantiert traditionelle Spezialität (GTS). Nur bei der ersten Bezeichnung handelt es sich tatsächlich um ein Produkt, das nicht nur in der besagten Region verarbeitet, erzeugt und hergestellt wird, sondern auch noch nach einer speziellen Rezeptur gefertigt ist. Das rote Siegel tragen nur neun deutsche Produkte, darunter der Allgäuer Emmentaler. Ein Beispiel dafür ist aber auch der italienische Parmaschinken, der sogar in Parma geschnitten werden muss.

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7 Kommentare zu "TTIP vs. EU-Siegel: Schinken unter Artenschutz"

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  • Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Obrigkeitsgläubig sind doch diejenigen, die glauben, der Staat müsse sie permanent vor allem Unbill des Lebens schützen, und sei es durch absurde Lebensmittelgesetze.

    Wie wäre es stattdessen mal mit Eigenverantwortung? Niemand wird gezwungen Chlorhühnchen und Genmais zu verzehren. Das versucht uns nur die Öko- und Biolobby einzutrichtern.

  • Das Entscheidende beim Kölsch ist doch nicht, ob es in der Domstadt gebraut wird, sondern das Brauverfahren.

    Das beste Altbier, was ich je getrunken habe, hab ich übrigens nicht in Düsseldorf bekommen, sondern in Chicago. Das stammte von einer Microbrewery in Illinois.

    Das sind doch alles völlig irrationale Ängste. Glaubt hier wirklich jemand, Anheuser-Busch würde jetzt in St. Louis ein "Bud Koelsch" herstellen und damit den deutschen Markt fluten? Wenn die Interesse daran hätten, hätte Anheuser-Inbev längst eine Kölner Brauerei übernommen.

  • @Cal Andersen

    "Die üblichen Freiheitsfeinde..."

    Freiheitsfeinde sind diejenigen, die unsere Obrigkeit gewähren lassen oder ihr in den Allerwertesten kriechen.

  • mit TTIP, TISA und TAFTA wird der ganze Mittelstand in DE beendet (ausgelöscht) und durch wenige Konzerne die die Versorgung übernehmen abgelöst.
    Bereits heute leben um die 20 Mill. Bürger überwiegend WEST unter der Armutsgrenze, leben von 600 - 900 EUR, die Konsumieren nicht, das reicht nichteinnmal für die subventionierten Grundnahrungsmittel.

    Großkonzerne für die Abfütterung - billigst produziert in Bangladesch, ....
    "Brot & Spiele" + Handys mit den Überwachungstools für die Analyse der Gesprächsinhalte (womit beschäftigen sich die Leute?) für die Rückmeldungen an die TV-Glotze und den Mainstream zur Manipulation der Menschen/Gesellschaft in jede Richtung

    es geht um Gesellschaftssteuerung!
    z.B.:
    in der Summe aller Telefonaten kommt der Begriff -
    „die Linke-Massenmörder“ „Kinder-Schänder GRÜNEN" + "Volksverräter-”Regierung“ – Normalzustand bei 1.000/Tag „ab“ 10.000/Tag reagieren MassenMedien + Glotze mit Gegenpropaganda (Artikel/Schlagzeilen/Themenschwerpunkt/Talkrunden)
    wie aus dem Nichts plötzlich Dioxineier/Pferdefleisch + die Massive Überfrachtung der Sinneswahrnehmung Glotze/Handy -
    zu stehend Ohnmächtig!

    Die Wirtschaft wird nach untenhin angepasst.
    In Bulgarien, Polen mit hektagroße Containersiedlungen
    wird der Arbeitsmarkt in DE (EUR-ZONE) Bau, Fleischverarbeitung, ...
    durch Arbeitnehmer aus Indien, China zu deren einheimischen Löhnen Konkurrenzlos abgewickelt?

    ....

  • Eigentlich spielt es wirklich keine Rolle mehr, weil sowieso durch die Globalisierung fast alle Lebensmittel irgendwo in der Welt hergestellt sein können. Man hat die eigene Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten gewaltig geschrumpft, nimmt in Kauf, daß sowohl Bio- als auch konventionelle Lebensmittel unter... grenzwertigen Zuständen und indiskutablen Arbeitsbedingungen produziert werden. Ihr EU-Befürworter alle miteinander habt es doch so gewollt, die offenen Grenzen, die abgeschafften Kontrollen, freies Reisen ohne Paß und Visa, das alles gibt es jetzt eben auch für Kriminelle - und für Nahrungsmittel.

  • Die üblichen Freiheitsfeinde, Abzocker und Teuermeister der Nation regen sich darüber auf, daß im TTIP nun auch andere diese einträglichen Spielchen spielen wollen.

    Warum keine Nürnberger mit der Herkunftsbezeichnung USA.
    Warum keinen Schinken - der bestenfalls in Schwarzwaldnähe geräuchert wurde, aber aus Holland stammt - aus USA mit Herkunftsbezeichnung?
    Warum kein Kentucky-fried-chicken aus Deutschland mit Herkunftsiegel?

    Gleiches Recht für alle - wird doch sonst immer gefordert von Kreti bis Pleti. Alsdann.

  • Ich will mein Chlor-Huhn und das laß ich mir doch nicht von der grausigen EU nicht verbieten.

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