Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Übernahme der Bombardier-Zugsparte Wie Alstom-Chef Poupart-Lafarge zum König der Züge werden will

Der Alstom-Chef will es mit dem Kauf von Bombardier Transportation nicht nur der Branche zeigen, sondern auch der eigenen Familie.
18.02.2020 Update: 19.02.2020 - 18:13 Uhr Kommentieren
„Neue historische Etappe im Leben unseres Konzerns.“ Quelle: AFP/Getty Images
Henri Poupart-Lafarge

„Neue historische Etappe im Leben unseres Konzerns.“

(Foto: AFP/Getty Images)

Paris Auf der eilig anberaumten Telefonkonferenz kam Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge nicht aus dem Schwärmen heraus. Der Kauf des Konkurrenten Bombardier Transportation sei eine „einmalige Gelegenheit unsere globale Position auf dem boomenden Mobilitätsmarkt zu stärken“, sagte er am Montagabend. Mehr noch: Für Alstom sei es eine „neue historische Etappe im Leben unseres Konzerns“.

Noch kein Jahr ist es her, da musste der eloquente Konzernchef Poupart-Lafarge kleine Brötchen backen. Gerade war die Fusion mit Siemens Mobility am Veto der EU-Wettbewerbskommission gescheitert. Man könne auch allein, hieß es nun kleinlaut – nachdem zuvor eifrig das Horrorgemälde des Untergangs der europäischen Bahnindustrie gemalt worden war, falls die Fusion scheitere.

Jetzt plötzlich ist Bombardier neuer Traumpartner. Ausgerechnet die kanadische Firma, die zuletzt sogar Verluste mit dem Bau von Loks und Zügen machte. Es gibt einen großen Unterschied zum vergangenen Fusionsvorhaben: Diesmal ist Poupart-Lafarge der Treiber, nicht Siemens, schon gar nicht Bombardier.

Mit den Deutschen war eine Fusion unter Gleichen geplant, die faktisch aber eine Übernahme Alstoms durch Siemens Mobility gewesen wäre. Jetzt kauft Poupart-Lafarge den angeschlagenen Bahntechnikkonzern Bombardier Transportation.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Aus dem Schatten

    Ungekrönter König des neuen Großkonzerns mit 15 Milliarden Euro Umsatz wird Poupart-Lafarge sein. Der Kauf von Bombardier hat für ihn nicht nur eine geschäftliche, sondern auch eine persönliche Seite. Der Deal erlaubt es ihm, aus dem Schatten seiner Vorgänger und Konkurrenten auch in seiner eigenen Familie zu treten. Bei der alten Alstom war Patrick Kron die unangefochtene Nummer eins, Poupart-Lafarge zwischen 2011 und 2014 nur Chef der Transportsparte.

    Nach einer Fusion mit Siemens hätte der 50 Jahre alte Franzose einen Deutschen als Chefaufseher permanent im Nacken gehabt. Bei einem gemeinsamen Interview mit Siemens‧chef Joe Kaeser zur Ankündigung des gescheiterten Zusammenschlusses saß Poupart-Lafarge wie der Schüler neben dem Lehrer.

    Jetzt kommt auch für ihn der „große Sprung nach vorn“, wie er Montag über den Kauf sagte. Das ist nicht unwichtig, wenn man seinen familiären Hintergrund kennt: Dort herrscht die Konkurrenz der Chefs. Sein älterer Bruder Arnaud leitet den Kabelhersteller Nexans. Sein Vater Olivier war Vizechef von Bouygues, derzeit auch noch größter Einzelaktionär von Alstom. 2006, als Bouygues seinen Anteil an Alstom erhöhte, verhandelten Vater und Sohn darüber.

    Gelingt Henri die Operation Bombardier, wird man den Namen Poupart-Lafarge künftig nicht mehr mit Olivier oder Arnaud, sondern mit dem Vornamen Henri verbinden. Dieser Henri ist, wie die meisten französischen Wirtschaftführer, gut mit der Politik vernetzt. Nach seinem Studium an der École Polytechnique und am Massachusetts Institute of Technology arbeitete er für die Weltbank und in den 1990er-Jahren für das Pariser Wirtschaftsministerium, zuletzt als Referent im persönlichen Stab des Ministers.

    Poupart-Lafarge gilt als Gentleman französischer Schule, freundlich im Umgang, unbeirrt in der Sache. Ein Frühstückstermin mit Journalisten wäre einst beinahe daran gescheitert, dass das kulinarische Angebot des Hotels nicht den Vorstellungen des Alstom-CEO entsprach. Doch auch in solchen Situationen versucht der Chef Contenance zu wahren. In Industriekreisen gilt er als „angenehmer Zeitgenosse“.

    Was nicht verhindert, dass Poupart-Lafarge mal falschliegt. Seine Zuversicht, dass der Bombardier-Deal in Brüssel durchgeht, wird in der Branche nicht geteilt. Und 2014 verkündete er das Ende von Zügen, die 300 Kilometer in der Stunde und mehr fahren können. Ein Irrtum. Das Interesse der Staatsbahnen ist mit der Klimadebatte wieder erwacht. Bombardier könnte sich tatsächlich als für Poupart-Lafarge persönlich riskantes Prestigeprojekt herausstellen.

    Mehr: Alstom und Bombardier sind auch zusammen nicht schlagkräftig

    Startseite
    Mehr zu: Übernahme der Bombardier-Zugsparte - Wie Alstom-Chef Poupart-Lafarge zum König der Züge werden will
    0 Kommentare zu "Übernahme der Bombardier-Zugsparte : Wie Alstom-Chef Poupart-Lafarge zum König der Züge werden will"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%