Übernahme von 49 Prozent Etihad-Einstieg bei Alitalia nahezu perfekt

Der Deal zwischen Etihad und Alitalia scheint unter Dach und Fach: Die arabische Gesellschaft will 49 Prozent des angeschlagenen italienischen Konkurrenten kaufen. Jetzt sind die Kartellbehörden am Zug.
Update: 25.06.2014 - 18:54 Uhr Kommentieren
Flugzeuge von Alitalia: Noch steht die Zustimmung der Kartellbehörden aus. Quelle: ap

Flugzeuge von Alitalia: Noch steht die Zustimmung der Kartellbehörden aus.

(Foto: ap)

Rom/Frankfurt/BrüsselAir-Berlin-Großaktionär Etihad steigt bei der angeschlagenen italienischen Alitalia ein. Etihad werde 49 Prozent der Alitalia-Anteile übernehmen, teilten die beiden Fluggesellschaften am Mittwoch in Rom und Abu Dhabi in einer gemeinsamen Erklärung mit. Jetzt müssten so schnell wie möglich die Vertragsbedingungen ausgearbeitet werden, heißt es in der Mitteilung weiter. Das solle bereits in den nächsten Tagen geschehen. Dieser Zusammenschluss muss dann von den Kartellbehörden genehmigt werden.

Über etliche Monate hinweg war zäh über den Einstieg der Golf-Airline Etihad verhandelt worden, mehrfach stockten die Gespräche und ein Scheitern schien zu drohen. Knackpunkt war dabei vor allem, dass Etihad präzise Forderungen für den Abbau eines Teils der etwa 13.000 Arbeitsplätze bei Alitalia als Bedingung für den Einstieg gestellt haben soll.

Alitalia-Chef Gabriele Del Torchio bereitete die Gewerkschaften in den vergangenen Tagen darauf vor, dass 2250 Job wegfallen müssten. Die Regierung in Rom befürwortete den angestrebten Etihad-Einstieg als Plus für den Standort Italien.

Das System Etihad
Air Berlin und Etihad Airways
1 von 10

Etihad

Flugzeuge: 89
Umsatz: 4 Milliarden
Passagiere: 11,5 Millionen

Die Linie hat in elf Jahren eine Größe erreicht, für die ihre Lokalrivalen Emirates aus Dubai und Qatar Airways aus Katar bis zu fünf Jahren mehr gebraucht haben. Um das Tempo weiter zu verstärken, hat sich die Linie ein dichtes Netz aus Partnern zugelegt...

Air France and Etihad to form joint venture
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Das System hat zwei Kreise. Im äußeren sind gut 30 Partner, mit denen Etihad vor allem Codeshare genannte Gemeinschaftsflüge anbietet, wo sich die Linien Aufwand und Ertrag teilen und die Kunden bei beiden Airlines Meilen in den Vielfliegerprogrammen sammeln können. Dabei kooperiert Etihad quer durch alle Flugallianzen, etwa mit American Airlines aus Oneworld um British Airways, Air France aus Skyteam sowie All Nippon und Turkish Airlines aus der Star Alliance der Lufthansa. Dazu kommen noch jede Menge Exoten wie Ukraine International oder Bangkok – sowie der französischen Staatsbahn SNCF. Dazu kommt ein enger Kreis aus Equity Partner genannten Tochtergesellschaften, an denen Etihad zwischen drei und 49 Prozent der Anteile hält. Von ihnen arbeitet nur Aer Lingus wirklich profitabel. Doch mit ihrer Hilfe verdoppelt Etihad seine Größe.

Gruppe (ohne Alitalia)

Flugzeuge: 553
Umsatz: 11 Milliarden
Passagiere: 92,4 Millionen

Quelle: Unternehmensangaben, teilweise geschätzt

Irische Fluglinie Aer Lingus trotzt der Krise
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Aer Lingus

Etihad-Anteil: 2,99 Prozent
Flugzeuge: 47
Flugziele: 58
Passagiere: 10,7 Millionen
Umsatz: 1,4 Milliarden Euro

Die 1936 gegründete Linie aus Irland hat mit die erstaunlichste Wandlung der Branche hinter sich. Gegründet als Staatslinie kooperierte sie eng mit British Airways in der Oneworld Allianz. Als sie unter dem Druck des irischen Lokalrivalen Ryanair vor gut zehn Jahren kurz vor der Pleite stand, reformierte sie sich zum Billigflieger, packte jedoch später ein paar Extras drauf. Nun agiert sie als Hybrid mit einem schlichten Standardprodukt auf Europaflügen, das die Passagiere durch Zukäufe verbessern können, und einem Premiumprodukt auf der Langstrecke in Richtung USA und Kanada. Damit schlägt sich die Linie am besten von allen europäischen Linien gegen  Ryanair – sowohl im Fluggeschäft als auch gegen unerbetene Übernahmeversuche durch den Lokalrivalen.

Quelle: Unternehmensangaben, teilweise geschätzt

Air Berlin am Nordpier
4 von 10

Air Berlin

Etihad-Anteil: 29 Prozent
Flugzeuge: 142
Flugziele: 147
Passagiere: 31,4 Millionen
Umsatz: 4,3 Milliarden Euro

Die vor fast 25 Jahren gegründete Fluglinie galt lange als Erfolgsgeschichte und Beispiel dafür, wie sich ein cleverer Selfmade-Mann wie Joachim Hunold gegen die Großen der Branche durchsetzte. Sie kaufte praktisch alle Airlines in Deutschland abseits der Lufthansa: vom Billigflieger DBA, dem Ferienflieger LTU sowie weiter Teile des Fluggeschäfts der Tuifly und Germania. Dabei unterliefen ihr jedoch drei Fehler. Sie überlastete ihr ohnehin nie wirklich profitables Geschäft mit den Verlustbringern, schloss nachteilige Verträge mit dem Touristikkonzern Tui und griff die lange ignorante Lufthansa unnötigerweise durch Flüge in deren Drehkreuz Frankfurt an. Als dann das Geld knapp wurde und Lufthansa zurückschlug, blieb nur die Flucht unter die Fittiche von Etihad. Doch trotz vieler Hilfen der arabischen Mutter sind die Zahlen schlecht und das Eigenkapital aufgebraucht. Erst kürzlich deutete Etihad-Chef James Hogan an, Air Berlin weiter helfen zu wollen.

Quelle: Unternehmensangaben, teilweise geschätzt

A firefighting vehicle sprays water near an Air Serbia Airbus A319 aircraft at Banja Luka International Airport during a ceremonial welcome
5 von 10

Air Serbia

Etihad-Anteil: 49 Prozent
Flugzeuge: 30
Flugziele: 30
Passagiere: 1,4 Millionen
Umsatz: 200 Millionen Euro

Die 1927 gegründete Staatslinie firmierte als JAT und setzte in Sachen Service lange eher negative Maßstäbe. Zuletzt machte die Sanierung zwar Fortschritte. Doch weil Gewinne ausbleiben, holte die Regierung schließlich Etihad an Bord.

Quelle: Unternehmensangaben, teilweise geschätzt

Air Seychelles
6 von 10

Air Seychelles

Etihad-Anteil: 40 Prozent
Flugzeuge: 7
Flugziele: 6
Passagiere: 0,4 Millionen
Umsatz: 90 Millionen Euro

Die 1978 gegründete Linie lebt von Inlandsflügen und touristischen Diensten auf der Inselgruppe im Indischen Ozean. Doch angesichts der wachsenden Konkurrenz, nicht zuletzt durch Urlaubsflieger aus Europa und die Linien vom Golf wie Emirates, drohte Air Seychelles das Ende - bis Etihad einstieg. Nun meldet die Linie einen kleinen Gewinn, ohne ihn jedoch zu spezifizieren.

Quelle: Unternehmensangaben, teilweise geschätzt

An Alitalia plane is pictured before takeoff at the Fiumicino airport in Rome
7 von 10

Alitalia

Etihad-Anteil: 49 Prozent
Flugzeuge: 137
Flugziele: 83
Passagiere: 24,3 Millionen
Umsatz: 3,6 Milliarden Euro

Die italienische Staatslinie gilt als bestes Beispiel für die Nachteile einer Staatslinie: schlechter Service, unzuverlässiger Betrieb und streikfreudige Gewerkschaften, die selbst für überholte Privilegien wie einen kostenlosen Abholdienst für Piloten kämpfen. Der Geist hat inzwischen mehrere Jahrzehnte Verluste, eine Handvoll halbherziger Sanierungsrunden und selbst den Einstieg eines inzwischen auf Effizienz getrimmten strategischen Investors wie Air France-KLM überstanden. Weil nun keine weiteren Staatshilfen mehr möglich sind, werfen die italienische Regierung und eine Reihe von ihr mehr oder weniger genötigter Investoren das Handtuch und holen Etihad an Bord; in der Hoffnung, dass die Petrodollars aus Abu Dhabi das Schlimmste in Form einer Modernisierung verhindern. Doch die Optimisten vergessen, dass Etihad zwar Geld gibt - aber nur gegen Reformen.

Quelle: Unternehmensangaben, teilweise geschätzt

Einen großen Schritt auf den europäischen Markt hatte Etihad bereits 2012 mit dem Einstieg bei der zweitgrößten deutschen Airline Air Berlin getan. Ihr gehören derzeit 29,9 Prozent an den Berlinern. Sie half der Airline finanziell, sich über Wasser zu halten. Über weitergehende Pläne wird spekuliert. Etihad ist die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate.

Die Lufthansa übte scharfe Kritik an der europäisch-arabischen Allianz Alitalia-Etihad und den nach Ansicht der Frankfurter unfairen Wettbewerbsvorteilen der staatlichen Golf-Airline. Der europäische Markt werde „von den Golf-Staaten mit nie dagewesenen Überkapazitäten geflutet“, erklärte ein Lufthansa-Sprecher auf Anfrage. Es sei unabdingbar, „dass die EU-Kommission und die Behörden der Mitgliedsländer den unfairen Wettbewerb durch staatlich subventionierten Luftverkehr beendet“. Subventionierung und die Teilverstaatlichung europäischer Airlines werde abgelehnt.

In Brüssel erklärte eine Sprecherin von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas, für die wettbewerbsrechtliche Prüfung des vereinbarten Einstiegs von Etihad seien zunächst die italienischen Behörden zuständig.

Nach bisherigen Informationen will Etihad 560 Millionen Euro Kapital in die italienische Gesellschaft pumpen. Bis 2018 plane die Fluglinie weitere 690 Millionen Euro an Investitionen, hatte die Regierung in Rom mitgeteilt. Alitalia äußerte sich nicht zu den Angaben, wonach Etihad also insgesamt 1,25 Milliarden Euro in Alitalia stecken wolle, damit die vom Kollaps bedrohte italienische Airline 2017 dann wieder in die Gewinnzone fliegen könnte - erstmals seit dem Jahr 2002.

Alitalia fliegt seit vielen Jahren Verluste ein und soll durch diesen internationalen Partner und mit einer Neuausrichtung auf Langstrecken gerettet werden. Der römische Verkehrsminister Maurizio Lupi hatte von einer „großen Chance“ für den kriselnden Wirtschaftsstandort Italien gesprochen und darauf verwiesen, dass die Airline auch dank des Anteils von Air France-KlM dabei doch in europäischer Hand bleibe. Air France-KLM wollte kein Geld mehr in das Unternehmen stecken, denn die Franzosen haben genügend eigene Probleme.

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