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Concorde-Nachfolger Overture

Das US-Start-up Boom Supersonic will einen Überschalljet bauen, der sparsamer und leiser als der legendäre Vorgänger sein soll.

(Foto: Boom)

Überschallflugzeug Boom Supersonic könnte die künftige Air Force One bauen

Das Start-up Boom prüft mit der US-Regierung, ob das geplante Überschallflugzeug Overture künftig den amerikanischen Präsidenten befördern könnte.
14.09.2020 - 16:05 Uhr Kommentieren

Frankfurt Für Blake Scholl ist es eine gute Nachricht, noch dazu eine zum richtigen Zeitpunkt. Gemeinsam mit der US Air Force soll der 39-jährige Gründer und Chef des US-Start-ups Boom Supersonic untersuchen, ob der geplante Überschalljet des Jungunternehmens auch zum Präsidenten-Jet taugt.

Die „Overture“ – so der Name des neuen, superschnellen Flugzeugs – als neue US Air Force One? Scholl kann und versucht erst gar nicht, seine Begeisterung über den neuen prominenten Partner zu verbergen. „Wir sind so stolz, gemeinsam mit der Air Force neue Wege für den Transport bei kritischen Regierungsaktivitäten zu entwickeln“, lässt sich der Unternehmer in einer Mitteilung zitieren.

Scholl, ein ehemaliger Amazon-Manager, Internetunternehmer und Besitzer einer Pilotenlizenz, kann die Unterstützung gut gebrauchen. Denn zuletzt häuften sich die schlechten Nachrichten. Der ursprüngliche Zeitplan für die Neuentwicklung eines Überschallflugzeugs wurde längst gesprengt – um aktuell drei Jahre.

Der Erstflug des Demonstrators XB-1 soll im nächsten Jahr stattfinden. Er ist deutlich kleiner als der geplante Serienjet. Mit ihm kann man aber Tests durchführen und wichtige Erkenntnisse für die Overture bekommen. Den Demonstrator will Scholl im Oktober der Öffentlichkeit zeigen. Wegen Corona wird das nur virtuell stattfinden.

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    Zudem geht die Pandemie auch an Blakes Unternehmen nicht spurlos vorüber. Weil viele Fluggesellschaften überhaupt nicht wissen, wie der Luftverkehr künftig aussehen wird, halten sie sich auch bei Zukunftsprojekten zurück. Noch zu Jahresbeginn hatte Scholl von rund 70 Vorbestellungen für die Overture gesprochen. Mittlerweile ist diese Zahl nach Angaben des Unternehmens auf 30 geschrumpft. Für 20 Maschinen hat Japan Airlines Interesse bekundet, zehn Stück sollen irgendwann an Virgin Atlantic gehen.

    Da tuen ein Projekt wie das mit der US-Regierung und die Aussicht, vielleicht irgendwann auch mal den US-Staatschef befördern zu dürfen, gut. „Die US Air Force schaut sich kontinuierlich nach neuen technologischen Möglichkeiten um“, begründet Brigadegeneral Ryan Britton die Entscheidung für das Start-up von Scholl. Boom sei ein Beispiel für Amerikas Einfallsreichtum, der die Wirtschaft antreibe.

    Sparsamer als einst die Concorde

    Scholl arbeitet schon länger an der Overture, ein Jet mit rund 50 Sitzplätzen. Der soll nicht nur deutlich sparsamer unterwegs sein als einst die berühmte Concorde, die 100 Passagieren Platz bot. Auch der Überschallknall soll durch ausgefeilte Technik weitgehend vermieden werden. Sowohl der hohe Spritverbrauch als auch der große Lärm haben dazu geführt, dass die Concorde niemals in großer Stückzahl gebaut und eingesetzt wurde.

    In vielen Teilen der Welt musste das Flugzeug über Land seine Nachbrenner abschalten. Nach dem schrecklichen Absturz einer Concorde von Air France im Juli 2000, bei dem alle 109 Insassen und vier Personen am Boden ums Leben kamen, wurde der Jet recht bald außer Dienst gestellt.

    Exklusiv ist die neue Partnerschaft von Boom mit der US-Luftwaffe allerdings nicht. Letztere achtet auf den Wettbewerb, auch bei Zukunftsprojekten. So hat die US Air Force auch mit dem Unternehmen Hermeus aus Atlanta und Exosonic aus Kalifornien Verträge abgeschlossen, die ebenfalls am Thema Überschallflugzeug arbeiten.

    Hinzu kommt: Auch Boeing – traditionell ein großer Lieferant der US-Streitkräfte – arbeitet seit einiger Zeit an einem Überschallflugzeug. Allerdings wurde in Branchenkreisen zuletzt berichtet, dass der US-Konzern wegen der Coronakrise und der großen Probleme beim Mittelstreckenjet 737 Max die Arbeiten an dem Projekt vorerst deutlich reduziert haben soll.

    Der Gründer und CEO von Boom Supersonic freut sich über die Partnerschaft mit der US-Luftwaffe. Quelle: Boom
    Blake Scholl

    Der Gründer und CEO von Boom Supersonic freut sich über die Partnerschaft mit der US-Luftwaffe.

    (Foto: Boom)

    Die Hürden bis zu einem Boom-Präsidentenjet sind hoch. Bislang ist zum Beispiel noch nicht geklärt, wie das Triebwerk aussehen wird, mit dem die Overture ihre Geschwindigkeit effizient und gleichzeitig leise erreichen kann. Einen solchen Motor gibt es aktuell nicht. Scholl hat vor einigen Wochen eine Zusammenarbeit mit Rolls-Royce vereinbart, um überhaupt erst einmal die Entwicklungsmöglichkeiten zu analysieren.

    Außerdem muss der VIP-Bereich entsprechend großzügig gestaltet sein, daneben sind Schutzeinrichtungen wie etwa ein Raketenabwehrsystem in der Regel Pflicht. Das alles in einem schlanken Überschallflugzeug unterzubringen, wird nicht einfach werden.

    Gleichwohl sieht Scholl seine Overture bereits im diplomatischen Einsatz: „Durch die Verkürzung der Reisezeiten ermöglichen wir US-Diplomaten und Führungskräften, sich häufiger persönlich zu treffen, Herausforderungen zu begegnen und potenzielle Krisen mit einer persönlichen Note zu entschärfen.“

    Mehr: Wettstreit um Überschall-Business-Jets.

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