Undercover-Reporterin Lobig „Die Zalando-Mitarbeiter sind skeptisch“

Zwei Monate recherchierte die Reporterin Caro Lobig verdeckt in einem Logistikzentrum von Zalando. Im Interview spricht sie über ihre Zusammenarbeit mit Günter Wallraff und die Reaktion von Zalando auf den Bericht.
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Die Reporterin Caro Lobig hat zwei Monate lang verdeckt in einem Logistiklager von Zalando. Quelle: Klaus Landry

Die Reporterin Caro Lobig hat zwei Monate lang verdeckt in einem Logistiklager von Zalando.

Druck von Vorgesetzten, Arbeiten an der Schmerzgrenze, Überwachung von Lagerarbeitern – die Enthüllungen der 21-jährigen Reporterin Caro Lobig über die Zustände im Erfurter Logistikzentrum vom Zalando wiegen schwer. Nun reagiert der Online-Händler mit mehreren Maßnahmen auf die Vorwürfe in der RTL-Sendung "Extra". Im Interview mit Handelsblatt Online erzählt die junge Journalistin, wie sie die Reaktionen auf Ihre Enthüllungen erlebt hat und verrät, wie sie ihr Videomaterial vor Zalando gerettet hat.

Handelsblatt: Ihre Recherche in einem Zalando-Logistiklager bei Erfurt hat bundesweit hohe Wellen geschlagen. Hat Sie das selbst überrascht?

Lobig: Ich hatte schon damit gerechnet, dass es eine Reaktion auf die aufgedeckten Missstände geben wird. Mit dieser Flut an Reaktionen – und zwar auf allen Kanälen - habe ich aber nicht gerechnet. Auch viele aktuelle und ehemalige Zalando-Mitarbeiter haben mich angeschrieben.

Gab es auch Kritik an Ihrer Arbeit?

Bei der Masse an Kommentaren gab es sicherlich auch einige negative Reaktionen auf die Reportage. Doch die wurden nicht direkt an mich herangetragen. Im Großen und Ganzen war die Reaktion positiv.

Mit Günter Wallraff hatten Sie einen prominenten Paten für Ihre Recherche. Wieviel Wallraff steckt hinter Ihrer Arbeit?

Die Idee für die Recherche bei Zalando hatte ich selbst. Da ich mich für ein Recherchestipendium bei Günter Wallraff beworben hatte, habe ich mir aber natürlich auch im Vorfeld seinen Rat eingeholt. Er hat mir einige Kontakte hergestellt und auch im Nachhinein hat er mich unterstützt. Gänzlich unerfahren bin ich in diesem Bereich allerdings nicht: Ich habe schon vorher beispielweise über Flüchtlinge in Deutschland verdeckt recherchiert und sie dafür drei Monate begleitet.

Zwei Monate waren Sie als Lageristin Julia Lobig im Zalando-Lager unterwegs. Wie schnell gewöhnt man sich an die neue Rolle?

Das ging eigentlich relativ schnell. Sobald ich das Werkstor passiert hatte, war ich Julia Lobig. Es war mir besonders wichtig, den anderen Mitarbeitern auf Augenhöhe zu begegnen. Anfangs hatte ich die Befürchtung, dass die Leute mir gegenüber viel verschlossener sein würden. Groß nachfragen musste ich dann allerdings gar nicht mehr, die schlechten Arbeitsbedingungen waren hinter vorgehaltener Hand sowieso jeden Tag ein Thema.

Hatten Sie nie Angst, mit Ihrer versteckten Kamera aufzufliegen?

Natürlich gab es da schon knifflige Situationen. Beispielsweise wenn wir bei der Diebstahlkontrolle mit einem Metalldetektor untersucht wurden. Aber ich habe es immer wieder geschafft, die Kontrollen zu passieren. Wie kann ich natürlich nicht verraten.

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