Unilever gegen Beiersdorf Rechtsstreit um Nivea-Blau

,Bleibt Beiersdorfs Nivea-Blau doch geschützt? Der BGH sieht die Bedingungen dafür anscheinend weit weniger streng als das Bundespatentgericht. Zudem könnte der Fall vor dem Europäischen Gerichtshof landen.
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Der BGH könnte Beiersdorfs Nivea-Blau für weiterhin schützenswert halten. Quelle: Reuters
Geschützte Farbe

Der BGH könnte Beiersdorfs Nivea-Blau für weiterhin schützenswert halten.

(Foto: Reuters)

KarlsruheDer Kosmetikkonzern Beiersdorf kann sich doch noch Hoffnungen machen, das Blau seiner Nivea-Cremeverpackungen weiter für sich allein beanspruchen zu können. Das wurde am Donnerstag bei einer markenrechtlichen Verhandlung vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe deutlich.

Der Konkurrent Unilever verlangt die Löschung der entsprechenden Farbmarke, die sich Beiersdorf im Jahr 2007 für Haut- und Körperpflegeprodukte schützen ließ. Unilever fordert, dieser spezielle dunkelblaue Farbton müsse für alle Wettbewerber freigehalten werden.

In der Vorinstanz vor dem Bundespatentgericht hatte die Klage Erfolg. Der 1. Zivilsenat des BGH als höchste markenrechtliche Instanz äußerte nun jedoch Zweifel, ob das Bundespatentgericht „nicht zu strenge Maßstäbe“ angelegt habe. Der BGH tendiert außerdem dazu, die Sache zunächst dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg vorzulegen. Dafür spreche einiges, sagte der Vorsitzende Richter am BGH, Wolfgang Büscher.

Unilever macht geltend, dass Beiersdorf die blaue Farbe „nur rein dekorativ als Verpackungshintergrund“ des weißen Schriftzugs Nivea verwende und nicht „markenmäßig“ nutze. Den Begriff Nivea hat sich Beiersdorf als Wortmarke schützen lassen – diese wird in dem Streit nicht angegriffen.

Die Beiersdorf AG argumentiert, sie verwende die Farbe Blau als „Hausfarbe“ für Haut- und Körperpflegeprodukte und nutze sie auch in der Werbung. Jedes Nivea-Produkt sei zumindest zum Teil in dem geschützten Blauton gehalten. Dies betreffe nicht nur die Creme in der runden Blechdose, sondern auch andere Produkte wie etwa Shampoos.

Nivea - seit 100 Jahren die Lizenz zum Gelddrucken
Hauptversammlung Beiersdorf AG
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Die Creme Nivea ist der Verkaufsschlager des Hamburger Konzerns Beiersdorf. Pro Jahr werden 123 Millionen Dosen mit 12.500 Tonnen Nivea-Creme gefüllt und in 200 Ländern verkauft.

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Auch im Ausland gehört Nivea seit Jahrzehnten zum Alltag der Menschen. Bereits 1914 verkaufte Beiersdorf (im Bild: der Hamburger Firmensitz) Nivea in 35 Ländern. Das führt dazu, dass Nivea heute in vielen Teilen der Erde als landestypische Marke und nicht als Importprodukt aus Deutschland wahrgenommen wird.

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Damals war das Markenzeichen der neuen Creme eine gelb und grün gestaltete Dose mit Jugendstilelementen.

Vorschau: Hauptversammlung Beiersdorf AG
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Doch bald ändert sich die Mode. Beiersdorf setzt auf ein zeitloses Design, füllt die Creme ab 1925 in eine blaue Dose – und bleibt bis heute dabei. Um die Zusammensetzung der „Sonderfarbe Niveablau“ macht der Konzern ein eben so großes Geheimnis wie um das genaue Rezept der Creme.

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Fest steht nur: Alles begann mit einer Erfindung des Chemikers Isaac Lifschütz: Für medizinische Zwecke entwickelte er eine neue Salbengrundlage. Er fand einen Weg, mit Hilfe eines Emulgators Wasser und Öl zu einer stabilen Creme zu verbinden. Er nannte ihn Eucerit, Grundlage war Fett aus Schafswolle. Der Apotheker Oscar Troplowitz (im Bild) kaufte ihm das Patent ab.

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Troplowitz hatte einige Jahre zuvor von Paul C. Beiersdorf (im Bild) dessen „Laboratorium dermatotherapeutischer Präparate“ übernommen.

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Das Sortiment bestand damals aus medizinischen Pflastern. Troplowitz erweiterte es um den Lippenpflegestift Labello.

Der Streit dürfte sich letztlich daran entscheiden, wie viele Verbraucher den blauen Farbton automatisch der Marke Nivea von Beiersdorf zuordnen können. Eine Befragung hatte dafür eine Quote von rund 58 Prozent erbracht. Dies war dem Bundespatentgericht, das mindestens 75 Prozent für erforderlich hielt, zu gering. BGH-Richter Büscher deutete nun jedoch an, dass der Bundesgerichtshof die Schwelle schon bei 50 Prozent ansetzen könnte.

Insofern wären 58 Prozent ausreichend, damit eine solche abstrakte Farbmarke Bestand hätte. Doch auch in dieser Frage könnte sich der BGH zunächst an den EuGH wenden. (Az. I ZB 65/13) Der BGH hatte zuletzt dem Wörterbuchverlag Langenscheidt in einem Streit um die Farbe Gelb Recht gegeben. Langenscheidt hatte gegen den Konkurrenten Rosetta Stone geklagt.

  • rtr
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