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Unterhaltungselektronik Das Fernseher-Drama ist Loewe zum Verhängnis geworden

Die Marke hat nur etwas länger überlebt als viele Rivalen. Dabei werden TV-Geräte von Jahr zu Jahr besser. Dennoch geben Kunden immer weniger aus.
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Seit Montag stehen die Bänder still. Quelle: action press
TV-Produktion bei Loewe

Seit Montag stehen die Bänder still.

(Foto: action press)

München Die Spitzenmodelle sind groß wie Garagentore und teuer wie Kleinwagen: In ihren Showrooms präsentieren die Elektronikkonzerne Fernseher, die ganze Wände bedecken. Mit den Modellen, die am Samstagnachmittag bei Saturn über die Theke gehen, haben diese Wunderwerke der Technik allerdings wenig zu tun.

Die Hersteller zeigen immer wieder eindrucksvoll, dass die Fernsehtechnik auch nach 100 Jahren nicht ausgereizt ist. Dumm nur, dass die Kunden die Anstrengungen nicht honorieren. Allen Neuerungen zum Trotz haben die Konsumenten in Deutschland dieses Frühjahr wieder einmal weniger für ein Gerät ausgegeben als im selben Zeitraum des Vorjahrs: Es flimmert und flackert in der ganzen Branche.

Im Schnitt legten die Kunden im ersten Quartal 576 Euro hin, vergangenes Jahr waren es noch fast 50 Euro mehr. So haben es die Marktforscher der GfK ausgerechnet. Ein Trend, der seit Jahren zu beobachten ist.

Für eine TV-Manufaktur wie Loewe ist dies fatal. Die Fernseher sind immer besser ausgestattet, nur die Käufer wollen nichts dafür zahlen. Asiatische Konzerne wie Samsung und LG können den Preisdruck durch ihre gewaltigen Stückzahlen und eine tiefe Wertschöpfung abfangen. Samsung produziert sogar die Halbleiter selbst.

Loewe hielt dem Druck nun nicht mehr stand: Seit diesem Montag läuft das Insolvenzverfahren über die 96 Jahre alte Firma. Die rund 400 Mitarbeiter sind inzwischen freigestellt, es beginnen jetzt die Gespräche für einen Sozialplan. Der Rechtsanwalt Rüdiger Weiß sei offiziell zum Insolvenzverwalter bestellt worden, teilte das Amtsgericht Coburg mit. Weiß zufolge bleibt nur ein kleines Team von zehn bis 15 Mitarbeitern an Bord.

Der ruinöse Wettbewerb hinterlässt Spuren

Ein ruinöser Preiswettbewerb hinterlässt seit Jahren tiefe Spuren in der Branche. Der einst größte deutsche TV-Hersteller, Grundig, musste bereits vergangenes Jahrzehnt Insolvenz anmelden. Nach jahrelangen Verlusten war den Franken das Geld ausgegangen.

Loewe war 2013 schon einmal bankrott, gehörte dann neuen Investoren, doch auch denen gelang die Wende nicht. Der Familienbetrieb Metz aus dem fränkischen Zirndorf wurde 2015 in höchster Not von Chinesen geschluckt. Auch große europäische Elektronikkonzerne wie Philips haben sich längst aus dem TV-Geschäft zurückgezogen. Und selbst die japanischen Wettbewerber tun sich schwer.

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Der TV-Markt ist hart umkämpft. 2018 stieg der Umsatz weltweit zwar um mehr als fünf Prozent auf über 100 Milliarden Euro, wie der Marktforscher GfK ermittelt hat; viele Zuschauer kaufen sich große und teure Geräte mit Bildschirmdiagonalen von 50 Zoll und mehr, das sorgt für Nachfrage.

Allerdings sinken selbst für die attraktivsten Geräte die Preise. Ein Beispiel: In Westeuropa kostete ein Gerät mit modernster OLED-Technologie im Durchschnitt unter 2100 Euro, rund 300 Euro weniger als noch im Vorjahr. Im Schnitt legten die Leute rund um den Globus sogar nur 440 Euro für einen Fernseher hin.

Kein Wunder, dass sich Loewe da schwertat und tiefrote Zahlen schrieb. Um profitabel zu arbeiten, müsste der Mittelständler 180 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften, sagte Insolvenzverwalter Weiß am Wochenende. Zuletzt seien es aber nur 120 Millionen gewesen.

Das ist nur noch gut ein Drittel der Erlöse, die das Unternehmen noch vor zehn Jahren erzielte. Und es ist geradezu lächerlich im Vergleich zu den Branchenführern: Samsung erzielte vergangenes Jahr knapp 35 Milliarden Euro, nicht an Umsatz, sondern an Gewinn.

Dabei sind Fernseher auch in Zeiten der Smartphones durchaus gefragt. So setzten die Händler in den ersten drei Monaten des Jahres in Deutschland der GfK zufolge fast neun Prozent mehr Apparate ab. Weil die Preise aber fast genauso stark fielen, stagnierte der Umsatz der Händler bei knapp einer Milliarde Euro.

Das TV-Geschäft ist allerdings noch vergleichsweise stabil. In vielen Bereichen der Unterhaltungselektronik schrumpfen die Umsätze sogar kräftig, Videorekorder etwa verkaufen sich immer schlechter, auch Stereoanlagen und Digitalkameras sind nicht mehr so gefragt.

Umsätze mit Wearables schießen in die Höhe
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