Unternehmen in Griechenland „Hotelketten haben noch Lebensmittel für zehn Tage“

Nach dem Referendum brauche die griechische Wirtschaft eine schnelle Lösung, fordert der Geschäftsführer der Deutsch-Griechischen Handelskammer in Athen. Ende der Woche drohen sonst Entlassungen.
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Haben die Griechen bald eine Tauschwirtschaft?

Haben die Griechen bald eine Tauschwirtschaft?

Athanassios Kelemis ist Geschäftsführer der Deutsch-Griechischen Handelskammer in Athen. Der 55-Jährige ist am Wochenende nach Thessaloniki gereist, um in seinem Heimatort beim Referendum seine Stimme abzugeben. Er wirbt um Geduld und Solidarität mit den griechischen Unternehmen.

Herr Kelemis, hat Sie der Ausgang des Referendums überrascht?
Ja, absolut. Die gesamte griechische Wirtschaft ist überrascht, vor allem auch wegen der Höhe des Stimmenanteils für ein Nein. Ich hatte eher eine knappe Mehrheit für ein Ja erwartet. Die Menschen in Griechenland haben ein starkes Signal ins eigene Land geschickt, es ist keine Entscheidung gegen Europa. Aber sie wollen mit dem alten politischen System nichts mehr zu tun haben.
Das hatte sich schon in den Umfragen abgezeichnet, deshalb ist Oppositionsführer Samaras auch zurückgetreten. Ministerpräsident Tsipras hat einen sehr guten Wahlkampf gemacht, vor allem mit der Aussage, nach dem Referendum binnen 48 Stunden für eine Lösung sorgen zu können.

Wie geht es jetzt weiter?
Die Wirtschaft braucht eine schnelle Lösung, nehmen Sie zum Beispiel die Tourismus-Industrie. Die großen Hotelketten haben vielleicht noch Lebensmittelvorräte für zehn Tage, dann kommen sie in Schwierigkeiten. Europa und Griechenland müssen jetzt an einem Strang ziehen. Durch die Entlassung von Varoufakis hat Tsipras signalisiert, dass er einen Neuanfang bei den Verhandlungen machen will.
Wenn es keine schnelle Lösung gibt, dann haben wir bald Kurzarbeit und am Ende der Woche vielleicht schon erste Entlassungen. Anders als große Unternehmen haben mittelständische Unternehmen nicht mehr viel Cash, die halten nicht mehr lange durch. Ich habe zwar Verständnis wenn deutsche Partner jetzt sagen: Was ist das für ein Zustand, lasst uns woanders umschauen. Aber gut finde ich das natürlich nicht.

Was raten Sie deutschen Unternehmen, die mit griechischen Partnern Geschäfte machen?
Ruhe bewahren und die Situation beobachten. Ich rechne noch in dieser Woche mit einer Lösung. Die deutschen Unternehmen sollten Vertrauen und Solidarität zeigen. Wir stehen auch jederzeit mit Informationen über die griechischen Partner zur Verfügung.

Haben Sie persönlich eine solche Ausnahmesituation schon einmal erlebt?
Nein. Ich musste mich selbst am Bankautomaten anstellen und habe erlebt, wie ältere Menschen dort zusammengebrochen sind. Das ist eine noch nie dagewesene Erfahrung. Dass Rentner in einer Woche mit 120 Euro auskommen müssen, das ist schon erniedrigend. Auch im Handel ist die Situation schlimm: Euler Hermes greift nicht mehr, Waren gibt es nur noch gegen Vorkasse.

Herr Kelemis, vielen Dank für das Gespräch.

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66 Kommentare zu "Unternehmen in Griechenland: „Hotelketten haben noch Lebensmittel für zehn Tage“"

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  • Hallo,
    Die EU "Eliten" denken, wir zwingen den Tsipras auf die Knien, am Sonntag Schluss.
    Das Futtern der Griechen von EU wird bis die NATO kaputt wird, dauern. Enter.Tyc

  • „Hotelketten haben noch Lebensmittel für zehn Tage“

    So setzt die griechische Regierung - bzw. ihr Verwaltungsapparat - also Prioritäten.

    Ich denk', die werden für ihre Verantwortung dafür, dass der Laden für die Bevölkerung einigermaßen läuft bezahlt??!

  • Was ein Gejammer, mein Kühlschrank ist seit gestern leer.

  • buffet-run ist vorprogrammiert, tumulte usw.
    der preis für s frühstücksei wird sich verdreifachen !

  • Kein Aldi in Griechenland ?

  • täglich das halbe buffet wegwerfen geht halt nicht

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Dann sollen die griechischen "Hotelketten" doch bitte essen von dem Geld kaufen, das sie bisher nicht versteuert haben und nicht schon wieder ein paar arme Rentner hochhalten, um weiter Geld zu erpressen.

  • ........ Gute Reise

    hihi, für Goa reicht es immer (gg)

  • Und als Schwarzgeld auf den Konten in der Schweiz gebunkert.

    Wie bei Kommunisten üblich, zahlen in der GR-Bananen-Republik die Reichen keine Steuern.

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