Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Unterwäsche-Kette Richter stoppen Steuertricks mit Hunkemöller

Ein Finanzinvestor hat über ein überflüssiges Darlehen gezielt Verluste bei der Unterwäsche-Kette herbeigeführt. Der Fall hat Signalwirkung.
Kommentieren
Seit 2016 ist der US-Investor Carlyle Eigentümer der Unterwäsche-Kette. Quelle: Hunkemoeller PR Hunkemoeller PR
Hunkemöller-Filiale in den Niederlanden

Seit 2016 ist der US-Investor Carlyle Eigentümer der Unterwäsche-Kette.

(Foto: Hunkemoeller PR Hunkemoeller PR )

HamburgDie niederländische Justiz hat Steuertricks von Finanzinvestoren einen Riegel vorgeschoben. In einem aktuellen Urteil des Amsterdamer Gerichtshofs geht es um die Unterwäsche-Kette Hunkemöller, die von einem französischen Investor übernommen worden war. Anschließend hatte dieser die Gewinne in der Niederlanden gezielt runtergerechnet, um kaum Steuern zahlen zu müssen. Das Urteil könnte Signalwirkung für ähnliche Fälle haben.

Die Niederlande stehen seit Jahren in der Kritik, weil multinationale Unternehmen ihre Steuerlast drücken, indem sie europäische Dachgesellschaften in dem Land gründen und Lizenzeinnahmen dorthin verlagern. Nun gehen die Richter umgekehrt gegen Steuerflucht aus den Niederlanden vor.

Das Gericht urteilte, ein Eigentümerdarlehen, das der Investor PAI 2011 an die Modekette gegeben habe, sei „nutzlos“ gewesen. Das Darlehen habe 61,4 Millionen Euro betragen, die Kette über die volle Laufzeit von 40 Jahren aber mit stolzen 8,1 Milliarden Euro Zinsen belastet. Das hatten niederländische Steuerprüfer moniert.

Ziel der Operation sei gewesen, die niederländische Kette in die Miesen zu führen. Laut der Untersuchung, die im Urteil aufgeführt ist, wies Hunkemöller beispielsweise 2012/13 rund 1,8 Millionen Euro Verlust aus. Ohne die Zinsbelastung wären gut 7,1 Millionen Euro Gewinn angefallen.

Der Trick: Die Zinseinnahmen, die der französische Finanzinvestor von Hunkemöller erhielt, waren – anders als Gewinne – in dessen Heimatland nicht steuerpflichtig. Der Investor holte also nach Meinung der Richter über die Zinszahlungen auf das überflüssige Darlehen Gewinne aus den Niederlanden nach Frankreich, ohne Steuern zu zahlen.

Die Richter stellten fest, es handele sich um einen Missbrauch des Rechts. Laut der Wirtschaftszeitung „FD“ läuft in dem Land noch eine zweistellige Anzahl ähnlicher Verfahren gegen Finanzinvestoren, die nun ebenfalls zu hohen Steuernachzahlungen verurteilt werden könnten.

Demnach kehrt sich nun die Beweislast um: Die Investoren müssen künftig nachweisen, dass Darlehen sachlich begründet sind. Das könnte die Steuerbehörden ermutigen, schärfer zu prüfen. Allerdings könnte Hunkemöller gegen das Urteil vor dem höchsten niederländischen Gerichtshof Berufung einlegen, weil der Fall eine grundsätzliche Bedeutung hat.

Hunkemöller, eine Kette mit 837 Läden in 24 Ländern und 452 Millionen Euro Umsatz, ist allerdings inzwischen weiterverkauft worden. Neuer Eigentümer ist seit 2016 der US-Investor Carlyle.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Unterwäsche-Kette - Richter stoppen Steuertricks mit Hunkemöller

0 Kommentare zu "Unterwäsche-Kette: Richter stoppen Steuertricks mit Hunkemöller"

Bitte bleiben Sie fair und halten Sie sich an unsere Community Richtlinien sowie unsere Netiquette. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar. Wir behalten uns vor, Leserkommentare, die auf Handelsblatt Online und auf unser Facebook-Fanpage eingehen, gekürzt und multimedial zu verbreiten.