Urteil in London Eine verlorene Schlacht für Uber

Uber hat vor einem britischen Gericht erneut eine Niederlage kassiert. Den Fahrern stehen demnach Mindestlohn und bezahlter Urlaub zu. Doch der umstrittene Fahrdienst nimmt den Kampf um den wichtigen Londoner Markt auf.
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Im Streit um die Lizenz des US-Unternehmens zeichnet sich eine Lösung ab. Quelle: Reuters
Uber-App in London

Im Streit um die Lizenz des US-Unternehmens zeichnet sich eine Lösung ab.

(Foto: Reuters)

London„Ohne uns funktioniert hier in London gar nichts“, sagt Ransheed, der Uber-Fahrer, der mich in der Nacht nach Hause fährt. Er überholt einen Bus, zwängt sich vor ihm wieder in den stockenden Verkehr und beobachtet mit Argusaugen, wie ein offensichtlich angetrunkener Fahrradfahrer zwischen zwei Fahrspuren rechts von uns in Schlangenlinien vorwärtszuckelt.

Ransheed kann sich bei seiner Einschätzung auf beeindruckende Zahlen berufen: Angeblich fahren 40.000 Menschen wie er Tag und Nacht als Uber-Fahrer durch Großbritanniens Hauptstadt, mehr als drei Millionen Menschen sollen ihre Dienste in Anspruch nehmen - oder haben es in den vergangenen drei Monaten mindestens einmal getan.

Doch nicht jeder Uber-Fahrer ist mit seinem Job bei dem US-Unternehmen so zufrieden wie Ransheed, der sich nicht darüber beschwert, dass er sieben Tage die Woche mehr als zehn Stunden am Stück Kunden durch die Metropole chauffiert – und das ohne Sozialleistungen. Yaseen Aslam und James Farrer, zwei andere Uber-Fahrer aus London, hatten vor dem Arbeitsgericht geklagt. Sie forderten von Uber einen Mindestlohn und bezahlten Urlaub, so wie es das britische Arbeitsrecht für reguläre Angestelltenverhältnisse vorsieht.

Das kalifornische Start-up hatte sich gegen die Klage gewehrt: Die Fahrer seien unabhängige Auftragnehmer, die ihre „wertgeschätzte persönliche Flexibilität“ einbüßen würden, sollte die Klage Erfolg haben. Die zuständige Richterin des Arbeitsberufungsgerichts sah das anders. Am Freitag fällte sie eine Entscheidung zugunsten der beiden Kläger. Das Unternehmen legte gegen das Urteil umgehend erneut Berufung ein.

Wo Taxifahren wenig kostet – und wo es besonders teuer ist
Taxipreise
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Wer in ein Taxi am Tokioter Flughafen steigt, ist – in der Innenstadt angekommen – schon mal um 170 Euro ärmer. Wo Taxifahren am teuersten, wo es am günstigsten ist, das hat das Online-Autohaus Carspring in einer Studie herausgefunden. Sie legt den Preis für Taxifahrten in 80 Städten weltweit offen. Sich über den ungefähren Fahrpreis zu informieren, kann Abzocke vorbeugen.

Die Rangliste beruht in erster Linie auf dem Preis für eine gewöhnliche Fahrt von drei Kilometern Länge. Die Bildergalerie zeigt die fünf preiswertesten – und die fünf teuersten Taxi-Städte. Auch die deutschen Vertreter tauchen im oberen Drittel auf.

Platz 5: Mexiko-Stadt
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Der Mann auf der Motorhaube mag etwas irritieren, aber der Kult-Käfer von Volkswagen war in der mexikanischen Hauptstadt lange das beliebteste Modell für Taxis. Mittlerweile soll das laut dem Carspring-Index der Nissan Tsuru sein. Mexiko-Stadt ist unter den 80 untersuchten Orten die günstigste Taxi-Stadt Lateinamerikas. 1,36 Euro kostet hier eine drei Kilometer lange Fahrt.

Platz 4: Bukarest
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Auf Uber können Kunden in 65 der 80 Städte zurückgreifen. Ende April protestierten Taxifahrer vor dem Regierungsgebäude in Bukarest gegen Online-Fahrdienstleister. Dabei sind normale Taxis schon erschwinglich. Drei Kilometer kosten 1,31 Euro.

Platz 3: Jakarta
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Indonesische Warteschlange: 1,31 Euro müssen Taxi-Kunden für drei Kilometer aufwenden. Toyota-Modelle sind nicht nur in Jakarta hoch im Kurs...

Platz 2: Mumbai
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Der Toyota Innova ist das beliebteste Modell unter Mumbais Taxiunternehmern. Schon für 1,24 Euro legt man in der indischen Hafenstadt die Drei-Kilometer-Strecke zurück.

Platz 1: Kairo
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In der ägyptischen Hauptstadt kostet die Entfernung bloß 49 Cent. Kairo ist damit die mit Abstand günstigste Stadt für Taxi-Nutzer. Und in noch einer wichtigen Kategorie wird der Geldbeutel der Kunden geschont: Die Fahrt vom Flughafen beläuft sich auf 3,73 Euro. Beim Grundpreis ist Kairo (20 Cent) schlagbar: In Tunis liegt der gerade mal bei 17 Cent.

Platz 65: Köln
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Deutschland kommt da nicht mit. Für 9,41 Euro käme man in Kairo knapp 60 Kilometer weit, in Köln reicht das Geld nur für drei. Die Rheinländer bieten die Dienstleistung im Vergleich zu den drei anderen deutschen Millionenstädte am preiswertesten an. Die Taxi-Lobby ist stark im Mercedes-Land. Nur in zwei Metropolen ist Uber zugelassen: in Berlin und der teuersten Taxi-Stadt Deutschlands...

Aber dieser Prozess ist nicht der einzige des Fahrdienstanbieters – und vermutlich auch nicht der wichtigste. Ende September war die Lizenz für Uber in London ausgelaufen. Und zur Überraschung vieler Londoner hatte sich die für die Lizenzvergabe zuständige Stelle, die Gesellschaft Transport for London (TfL), gegen eine Verlängerung ausgesprochen.

Uber sei kein Unternehmen, das „angemessen und in der Lage sei”, in London seine Dienste anzubieten, hieß es zur Begründung. Das Vorgehen von Uber könne Folgen für die „Sicherheit der Öffentlichkeit“ haben. Die Kritik bezog sich auf Vorwürfe gegen Uber, dass man die Fahrer nicht ausreichend auf ihre Eignung überprüfe und Gesetzesverstöße der Fahrer nicht melde. Zuvor waren Fälle bekannt geworden, in denen Uber-Fahrer Kunden sexuell belästigt hatten, aber weiterhin für Uber arbeiten durften.

Hunderttausende Londoner unterstützen Uber

Die Entscheidung sorgte für Widerspruch – in erster Linie natürlich bei Uber selbst, aber auch viele Fahrer und Londoner äußerten Kritik. Eine Petition namens „Save Your Uber in London“, die die Firma an ihre Kunden verschickte, fand Anklang: Bis zum Wochenende hatten 856.073 Menschen den Appell an den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan unterzeichnet. Als Bürgermeister von London war er an der Entscheidung der Behörde beteiligt und verteidigte sie. „Alle müssen sich an die Regeln halten“, erklärte er, „vor allem wenn es um die Sicherheit von Kunden geht.”

Nachdem Uber Einspruch gegen die Entscheidung von TfL eingelegt hatte, durfte das Unternehmen in London seine Dienste weiter anbieten. Eine erste Anhörung vor Gericht in dem Streit soll Mitte Dezember stattfinden.

Bis dahin will Uber um den Londoner Markt – immerhin eine der größten der weltweit 600 Städte, in denen man sich über die Uber-App eine Fahrgelegenheit bestellen kann – kämpfen. Der neue Uber-Chef Dara Khosrowshahi hatte sich öffentlich für das Verhalten in der Vergangenheit entschuldigt und Veränderungen versprochen. Im Oktober war er sogar für Gespräche nach Großbritannien gereist. Offenbar mit Erfolg: Im britischen Radio lobte Bürgermeister Khan die Entschuldigung und deutete an, dass man in dem Streit um die Lizenz eine Lösung finden könne.

In London rechnet man daher mit einem gütlichen Ausgang des Streits: „Uber wird Zugeständnisse machen“, sagte eine mit dem Fall vertraute Person dem Handelsblatt, „und dann wird die Lizenz verlängert.“ Eine Meinung, die auch Uber-Fahrer Ransheed vertritt. Er macht sich keine Sorgen um seine Zukunft. „Das wird schon“, zuckt er gelassen mit den Achseln, lässt mich zu Hause aussteigen und fährt davon, um den nächsten Fahrgast abzuholen.

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