Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

US-Anbieter Bird Bamberg soll zum Versuchsfeld für E-Scooter werden

Elektrische Tretroller sind auf den deutschen Straßen tabu – noch. Der US-Anbieter Bird will das Verbot per Sondergenehmigung umgehen.
Kommentieren
Erteilt der Freistaat Bayern eine Ausnahmegenehmigung, wäre Bird der erste Anbieter, der seine Scooter auf deutsche Straßen bringt. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
E-Scooter von Bird in Bamberg

Erteilt der Freistaat Bayern eine Ausnahmegenehmigung, wäre Bird der erste Anbieter, der seine Scooter auf deutsche Straßen bringt.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Düsseldorf Bamberg hat der deutschen Bürokratie den Kampf angesagt. Die bayerische Stadt baut ein Ausleihsystem für E-Scooter auf – obwohl die Bürger das noch gar nicht nutzen dürfen. Die Stadtwerke Bamberg und der US-amerikanische Anbieter Bird haben am Mittwoch eine entsprechende Kooperation angekündigt.

Bird will so erste Erfahrungen auf den deutschen Straßen sammeln. Doch dafür braucht das Unternehmen eine Sondergenehmigung vom Freistaat Bayern. Die Firma will sie in den nächsten Tagen beantragen. Ob die Behörden grünes Licht geben, ist unklar. „Ohne dass uns die Unterlagen vorliegen, wäre eine Aussage über eine Genehmigung alles andere als glaubwürdig“, heißt es dazu aus dem bayerischen Verkehrsministerium. Das Thema sei dort überhaupt erst am vergangenen Dienstag bekannt geworden.

Bird gibt sich zuversichtlich. Bis dahin dürfen die Testfahrer allerdings nur auf Privatgelände fahren – etwa auf dem Gelände der Stadtwerke. Das US-Unternehmen will dort zwölf E-Scooter einsetzen.

E-Scooter sind auf deutschen Straßen noch tabu. Weil sie einen Motor haben und schneller als sechs Kilometer pro Stunde fahren, brauchen sie eine Zulassung. Die fehlt bislang, weil das Bundesverkehrsministerium sie keiner Fahrzeugart zuordnen kann. Doch die Behörde arbeitet an einer Verordnung, die das ändern soll. Sie soll Anfang 2019 in Kraft treten – und E-Scooter im öffentlichen Straßenverkehr erlauben.

Erteilt Bayern dem US-Unternehmen die Ausnahmegenehmigung, wäre Bird der erste Anbieter, der seine E-Scooter auf die deutschen Straßen bringt. Deutschlandchef Christian Geßner sieht darin auch eine Möglichkeit, den Vorsprung auf die Konkurrenz auszubauen. „Am Ende entscheiden die Städte natürlich selbst, mit welchem Anbieter sie zusammenarbeiten.“ Aber Birds positive Erfahrungen auch im deutschsprachigen Raum wie in Wien oder Zürich sprächen für sich, sagte Geßner dem Handelsblatt.

Nutzer müssen sich registrieren, um die Bird-Scooter per App entsperren und damit fahren zu können. Der Grundpreis beträgt einen Euro, 15 Cent kommen pro gefahrene Minute hinzu. Aus Sicherheitsgründen will Bird auch Helme für die Fahrt verleihen, obwohl diese nicht vorgeschrieben sind.

Die Stadt Bamberg sieht in dem Angebot des US-Unternehmens eine umweltfreundliche und günstige Möglichkeit, den Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren. „Das E-Scooter-Sharing bietet eine Chance, die wir nutzen möchten“, erklärte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD).

Die Behörden wollen zwölf sogenannte Nester in der Stadt verteilen, also Flächen, an denen die Nutzer die E-Scooter ausleihen und wieder abstellen können. Die Standorte werden sich beispielsweise an Bahn- oder Bushaltestellen sowie in der Nähe der Universität befinden.

Bird bietet seit September 2017 E-Scooter-Sharing an und hat seither in mehr als 100 Städte expandiert, darunter Paris, Wien, Zürich, Brüssel, Antwerpen, Madrid und London. Nach eigenen Angaben hat Bird somit verhindert, dass mehr als 5440 Tonnen CO2-Emissionen durch Abgase freigesetzt wurden.

Tretroller werden ab 21 Uhr eingesammelt

In den USA gelten E-Scooter als das nächste Milliardengeschäft – aber auch als Ärgernis für Bewohner. Die Anbieter hatten anfangs Unmengen E-Scooter auf die Straße gekippt, ohne sich wirklich um sie zu kümmern. Das hatte zu Ärger mit Anwohnern und Behörden geführt.

Bird will es in Deutschland besser machen: „Wir arbeiten von Anfang an mit den Kommunen zusammen und stellen ein gemeinschaftliches Regelwerk auf“, sagt Geßner. So will Bird jeden Tag ab 21 Uhr alle Tretroller einsammeln. Mitarbeiter sollen sie aufladen und reinigen – und um sieben Uhr morgens wieder an den Standorten parken.

Außerdem hat sich das Unternehmen verpflichtet, die Stadt nicht mit Scootern zu überfluten. Nur wenn die Flotte ausgelastet ist, will Bird die Anzahl der E-Roller erhöhen. Ist die Nachfrage gering, sammele die Firma Fahrzeuge ein. Bird stellt die Nutzungsdaten der Stadt zur Verfügung, damit die überprüfen kann, ob das Unternehmen sich an die Regeln hält.

Bird beschäftigt auch Mitarbeiter, die tagsüber durch Bamberg streifen und kontrollieren, ob die E-Scooter richtig geparkt werden. Falsch geparkte Roller stellen sie um. Sobald das Scooter-Verbot in Deutschland kippt, will Bird seine Flotte in Bamberg auf 100 vergrößern und sechs Mitarbeiter in der Stadt beschäftigen.

Konkrete Pläne für andere deutsche Städte gibt es Geßner zufolge aber noch nicht, was an den regulatorischen Unsicherheiten hängt. „Das genaue Datum des Inkrafttretens der Verordnung steht leider noch nicht fest, da diese ja noch von der EU notifiziert werden muss“, sagte Martin Seyfarth von der Berliner Kanzlei Wilmerhale, der Bird in rechtlichen Fragen berät, dem Handelsblatt.

Auch Geßner ist skeptisch, wann die Verordnung tatsächlich in Kraft tritt. „Wir warten darauf ja mittlerweile schon ziemlich lange“, so der Bird-Deutschlandchef.

Startseite

Mehr zu: US-Anbieter Bird - Bamberg soll zum Versuchsfeld für E-Scooter werden

0 Kommentare zu "US-Anbieter Bird : Bamberg soll zum Versuchsfeld für E-Scooter werden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote