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Valovis Karstadt-Rettung droht an Veto einer Bank zu scheitern

Die Valovis Bank sieht sich außerstande, dem Konzept des Investors Nicolas Berggruen für die Sanierung des Handelskonzerns Karstadt zuzustimmen. Nun soll Ex-Handwerks-Chef Hanns-Eberhard Schleyer in neuen Verhandlungen eine Lösung finden. Besonders pikant: Die Valovis gehörte bis 2005 selbst zum Arcandor-Konzern und hieß einst "Karstadt Hypothekenbank".
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Die Rettung von Karstadt könnte am Veto der Valovis-Bank scheitern. Quelle: dpa

Die Rettung von Karstadt könnte am Veto der Valovis-Bank scheitern.

(Foto: dpa)

FRANKRFURT. Die Rettung von Karstadt durch den bereits gefeierten Investor Nicolas Berggruen droht am Widerstand der Essener Valovis Bank zu scheitern. Das Institut kündigte gestern an, kurzfristig direkte Verhandlungen mit dem Karstadt-Käufer aufzunehmen, um ein Platzen des Deals doch noch abzuwenden. „Natürlich gehe ich in die Verhandlungen mit der Hoffnung, dass wir zu einer vernünftigen Lösung kommen“, sagte Hanns-Eberhard Schleyer von der Kanzlei Wilmer Hale, der Valovis berät. Schleyer betont, dass Valovis nicht aus "bösem Willen" handle. Allein aus bankenaufsichtsrechtlichen Gründen sei der Spielraum, Berggruen entgegenzukommen, aber sehr begrenzt.

Schleyer, Sohn des 1977 von der Roten-Armee-Fraktion (RAF) ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer, gilt als versierter Vermittler. Ein Sprecher Berggruens begrüßte die Ankündigung. Dies sei eine „sehr erfreuliche Entwicklung“. Zugleich bekräftigte er, der Investor habe Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg gebeten, die Frist für die finale Entscheidung über die Umsetzung seines Kaufvertrags auf den 30. Juli zu verschieben. Ursprünglich wurde der 15. des Monats angepeilt. Bei Karstadt hängen inklusive Zulieferbetrieben mehr als 50000 Arbeitsplätze an dieser Entscheidung.

Die Valovis Bank wurde Ende 2001 als "Karstadt Hypothekenbank AG" gegründet. Ihren Namen hat sie seit März 2007. Alleiniger Gesellschafter ist der Karstadt Quelle Mitarbeitertrust e.V., ein Pensionsfonds. Damit ist die Valovis Bank aus dem Arcandor-Konzern herausgelöst und von dessen Insolvenz nicht betroffen.

Als Voraussetzung für seine Zustimmung zu der Fristverlängerung hatte Berggruen zuvor von dem Vermieter-Konsortium Highstreet die Einladung zu einer Gläubigerversammlung gefordert. Diese Einladung erging nach Angaben von Berggruens Sprecher am Dienstag zu einem Gläubigertreffen am 28. Juli in London. Ohne die Zustimmung aller Gläubiger kann eine Einigung nicht erfolgen.

Berggruen hat zwar den Zuschlag für den insolventen Warenhauskonzern bekommen, der Deal steht aber noch unter Vorbehalt. So fordert der Investor umfangreiche Mietreduzierungen vom Highstreet-Konsortium um Goldman Sachs, den Besitzern der Kaufhausgebäude. Zudem will er die geringeren Mieten über sogenannte „Mieterdienstbarkeiten“ im Grundbuch festschreiben lassen, womit sie auch im Falle einer Zerschlagung weiterbestünden. Hierdurch sieht die Valovis Bank, der 36 Objekte als Sicherheit für 850 Mio. Euro Kredit dienen, den Wert ihres Pfandes in Gefahr. „Das ist kein böser Wille“, sagte Schleyer, bis Ende 2009 Geschäftsführer des Handwerksverbands ZDH. Vielmehr habe die Bank „ein riesiges haftungs- und aufsichtsrechtliches Problem“, wenn sie der Abwertung ihrer Sicherheiten zustimme. Die Absenkung der Mieten per se stelle hingegen für Valovis kein Problem dar.

Branchenkreisen zufolge beobachtet die Finanzaufsicht BaFin den Vorgang bei der Valovis Bank, die den Karstadt-Pensionären gehört. Gemessen an der Bilanzsumme von 5,2 Mrd. Euro stellt das Engagement bei Highstreet ein massives Klumpenrisiko dar. Die BaFin wollte sich nicht äußern.

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4 Kommentare zu "Valovis: Karstadt-Rettung droht an Veto einer Bank zu scheitern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ... "Vielmehr habe die bank „ein riesiges haftungs- und aufsichtsrechtliches Problem“, wenn sie der Abwertung ihrer Sicherheiten zustimme." ...
    Erste bremsspuren einer Deflation?

  • @ SuRai: Was haben eigentlich alle immer mit den raffgierigen und unfähigen Managern? Es werden immer nur die Manager eingestellt, die der Aufsichtsrat einstellen will, und die Manager bekommen nur das, was der Aufsichtsrat ihnen vertraglich zugesteht.

    Wenn es also so in die Hose geht wie mit Middelhoff, müssen die Anteilseigner den Aufsichtsrat in Regress nehmen. Alles andere ist Gesülze.

  • Alfred, verwechseln Sie hier nicht Ursache und Wirkung? Wer ist denn hier "unschuldig"?? Die Karstadt-Mitarbeiter, die in den letzten Jahren Zug um Zug zur Rettung ihrer Arbeitsplätze auf Einkommen verzichtet haben, obwohl die normalen Gehälter schon alles andere als üppig sind?? Oder nicht doch unfähige und raffgierige Manager, die nach einigen Monaten (!!) sehr weich fallen und sich zwischenzeitlich über diverse Konstrukte an den überhöhten Mieten für die Karstadt-Häuser zusätzlich bereichert haben?

  • im Notfall muß man eben Karstadt opfern. Eine Sanierung auf Kosten Unschuldiger ist moralisch sehr bedenklich. Eine große Unverschämtheit und Ungerechtigkeit ist die Klage gegen Middelhoff und die früheren Manager. Die Karstadtbelegschaft sollte bedenken, dass dieses Management ihnen lange Zeit den Arbeitsplatz gesicht hat und dafür dankbar sein.

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