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Veltins Frustsaufen gegen die Bier-Krise

Der Bierabsatz sinkt stetig, Hasseröder und Diebels hoffen auf die Rettung durch einen Finanzinvestor. Der Veltins-Chef prognostiziert der Bierbranche schwere Zeiten – und sieht dabei vor allem einen Gewinner.
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Der Generalbevollmächtige der Privatbrauerei Veltins sieht schwere Zeiten für die Bierbranche. Quelle: dpa
Michael Huber

Der Generalbevollmächtige der Privatbrauerei Veltins sieht schwere Zeiten für die Bierbranche.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Vergleich ist frappierend: 2017 kauften die Menschen in ganz Deutschland nur noch so viel Bier wie vor der Wiedervereinigung in Westdeutschland allein. Weitere 2,5 Prozent Absatzmenge gingen der Branche im vergangenen Jahr verloren. Das bleibt nicht ohne Folgen: Warsteiner versucht, mit Unternehmensberatern endlich wieder profitabel zu werden.

Der Weltkonzern AB Inbev will in Kürze einen Käufer für seine Marken Hasseröder und Diebels vorstellen und allein Beck’s und seine Münchener Weißbiermarken behalten. „Es ist die Realität, dass es für die Branche nunmehr eher kontinuierlich abwärts als wieder aufwärts geht“, warnet der Generalbevollmächtigte von Veltins, Michael Huber, am Dienstag.

Huber ist kein Mann der leisen Worte – und kann sich Lautstärke leisten. Seine Brauerei legte bei Menge und Umsatz zu. Mit 323 Millionen Euro Umsatz erzielte die Brauerei ein Umsatzplus von 2,5 Prozent, 804 Millionen Euro erzielte die Gruppe inklusive Hotels und Vertrieb.

Die größten Bierbrauer der Welt
Platz 15: San Miguel Corporation
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Der größte Getränke- und Lebensmittelhersteller der Philippinen schafft es gerade so auf die Top 15. Seinen Ursprung hat das Unternehmen in der 1890 in Manila durch einen Spanier gegründeten Bierbrauerei. Die gleichnamige Biersorte wird in die ganze Welt exportiert. Für den europäischen Markt ist die Tochter Mahou-San Miguel verantwortlich.

Ausstoß: 16,3 Millionen Hektoliter

Quelle: Barth-Haas Group, alle Zahlen für 2016

Platz 14: Tempo Beer Industries
2 von 15

Verwechslungsgefahr: Die größte israelische Brauerei ist auf keine Weise mit dem gleichnamigen Papiertaschentuch-Hersteller verwandt. Im Jahr 1985 erwarb man mittels einer Fusion die alleinigen Produktionsrechte an der Marke Goldstar – die meistverkaufte Biersorte in Israel. Die Geschichte des als koscher zertifizierten Bieres reicht bis in die 1950er-Jahre zurück. Die britische Musikgruppe Duran Duran honorierte die Marke im Jahr 1981 mit einer Nennung zu Beginn des Lieds „Tel Aviv“: „The afternoon, it's one maybe two - Sipping away my last gold star, not so much to do.“

Ausstoß: 18 Millionen Hektoliter

Platz 13: Efes
3 von 15

Der seit 1969 tätige Marktführer der Türkei nennt sich Anadolu Efes Biracılık ve Malt Sanayii A.Ş. Neben türkischen Brauereien betreibt der Getränkekonzern zahlreiche Standorte in Russland, Kasachstan und weiteren osteuropäischen Staaten. Das Efes Pilsen ist die meistverkaufte Marke des Herstellers.

Ausstoß: 19,5 Millionen Hektoliter

Platz 12: Constellation Brands
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Der Ursprung des US-amerikanischen Produzenten und Vermarkters von alkoholischen Getränken liegt ausnahmsweise nicht im Biergeschäft. Im Jahr 1945 wurde Constellation als Weinerzeuger gegründet und ist gemessen an der Menge noch heute der weltgrößte Produzent in der Branche. Aber auch mit dem Bier konnte ein festes Standbein etabliert werden. Im Rahmen einer Übernahme der mexikanischen Grupo Modelo durch AB Inbev musste die Brauereigruppe die Markenrechte verkaufen. Constellation erwarb diese für fast 5 Milliarden Dollar – zu den Marken gehört unter anderem Corona.

Ausstoß: 21 Millionen Hektoliter

Platz 11: Petrópolis
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Was hat das urbayerische Kloster Weltenburg mit der zweitgrößten Brauereigruppe Brasiliens zu tun? Die Benediktinerabtei bezeichnet sich selbst als „älteste Klosterbrauerei der Welt“ – Aufzeichnungen belegen, dass in Weltenburg bereits im Jahr 1050 Bier hergestellt wurde. Nur 960 Jahre später erwarb Petrópolis die Lizenz zur Produktion des Weltenburgers. Die brasilianische Privatbrauerei ist weiterhin für Marken wie Itaipava, Crystal und Black Princess verantwortlich.

Ausstoß: 21,4 Millionen Hektoliter

Platz 10: Groupe Castel
6 von 15

Im Jahr 1949 gründete der Franzose Pierre Castel die nach ihm benannte Brauerei – und gibt die Leitung des Unternehmens bis heute nicht aus Familienhand. Castel ist nicht nur führender Weinproduzent in Europa, sondern setzt vor allem auf ein starkes Getränkegeschäft in Afrika.

Ausstoß: 32,9 Millionen Hektoliter

Platz 9: Kirin
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Der japanische Brauereikonzern pflegt eine lange Tradition. Seit 1885 ist Kirin im Geschäft, agiert heutzutage allerdings als Teil der Mitsubishi-Gruppe. Die gleichnamige Biermarke lässt sich auch hierzulande bei so gut wie jedem Japaner bestellen. Neben der Produktion von Ichiban Shibori, der zweiten in Japan sehr beliebten Marke, übernimmt der Konzern auch den Vertrieb einiger ausländischer Biere wie Budweiser und Heineken.

Ausstoß: 42,5 Millionen Hektoliter

Huber leistet sich nun sogar ein Investitionsprogramm: Mit 417 Millionen Euro will er bis 2023 die Brauerei auf den technisch neusten Stand bringen und energieeffizienter arbeiten. 6,5 Millionen Euro hat er in neue Technik für die wachsende Kategorie Alkoholfreies Bier gesteckt, das im März überarbeitet auf den Markt kommt.

„Wir glauben, dass solche Investitionen nicht allzu viele in der Branche schaffen – aber sie eigentlich leisten müssen“, sagte Huber. Als Konsequenz prophezeit er das Absinken einiger Premium-Marken – also derjenigen Pilssorten, die über zehn Euro je Kasten kosten. Bis 2025 werde der Markt nicht mehr für alle Premiummarken reichen, sagte er. Zuletzt musste etwa Warsteiner eine geplante Preiserhöhung zurücknehmen, Hasseröder ist ebenfalls im Preis gesunken. „Ihren Preis und ihre Premiumpositionierung werden einige überdenken müssen“, sagte Huber.

Vor allem die großen Marken verlieren derzeit am Markt an Absatz, während kleine regionale Brauereien zulegen. Warsteiner habe in den vergangenen zehn Jahren 27,9 Prozent Absatz verloren, König Pilsener gut 20 Prozent, Beck’s 14,5 Prozent, sagte Huber unter Verweis auf Marktdaten.

Veltins habe derweil gegen den Trend leicht um 2,2 Prozent zugelegt. Daher überlegt Huber zuzukaufen. Die zum Verkauf stehenden ABInbev-Marken kämen nicht in frage, dafür kleinere, regional verankerte Brauereien. Diese gelten häufig als finanzschwach und könnten Käufer suchen. „Es werden Brauereien aufgeben, andere werden übernommen“, prognostizierte Huber.

Die Veltins-Gruppe könne durch regionale Zukäufe in neue Regionen wachsen. „Wir sind ja, wenn man ehrlich ist, keine nationale Marke“, sagte er. Veltins ist besonders in Nordrhein-Westfalen stark, wo Veltins den Sponsoring-Vertrag im dem FC Schalke 04 um zehn Jahre verlängert hat. Bundesweit ist Veltins die drittgrößte Premiummarke hinter Krombacher und Bitburger.

Der Marktumbruch  ist Folge eines geänderten Konsumverhaltens: Die Deutschen trinken weniger Bier, dafür öfter regionale Spezialitäten im Schatten des Craft-Beer-Trends. Veltins ist früh auf den Zug aufgesprungen: Die vor wenigen Jahren neu geschaffene Landbier-Marke Grevensteiner legte im vergangenen Jahr um 18 Prozent zu. In der Nische wachsen kleine, neu gegründete Craft-Beer-Spezialisten – während es den Regionalbrauern nach jahrelangen Preiskriegen mit den nationalen Premiummarken an Finanzkraft fehlt.

Besondere Sorge machte Huber, dass die Bierbranche nicht von der guten Konjunktur des vergangenen Jahres profitieren konnte. „Wenn jetzt noch die Wirtschaft einbrechen sollte, kann ich nur hoffen, dass die Leute anfangen, aus Frust zu saufen“, scherzte er.

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