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Veranstaltungen Etlichen Messen und Großevents droht wegen des Coronavirus das Aus

Weltweit werden Veranstaltungen aus Angst vor der Lungenkrankheit abgesagt. Facebook und Swatch streichen ihre Hausmessen. Auch in Berlin fällt ein erstes Event aus.
17.02.2020 Update: 17.02.2020 - 18:16 Uhr Kommentieren
Die für April geplante Veranstaltung wird verschoben. Quelle: Bloomberg
Automesse Peking 2018

Die für April geplante Veranstaltung wird verschoben.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Viele Aussteller hatten schon damit gerechnet: Chinas jährliche Automobilausstellung wird wegen des Ausbruchs des Coronavirus verschoben. Der neue Termin für die Beijing International Automotive Exhibition, die ursprünglich vom 21. bis 30. April stattfinden sollte, werde zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben, teilten die Veranstalter am Montag mit.

Die Messe, die zwischen Peking und Schanghai hin und her wechselt, ist von großer Bedeutung für Chinas Automarkt. Zuletzt kamen 1200 Aussteller und rund 800.000 Besucher. Daimler teilte mit, dass man angesichts der aktuellen Lage „für die Entscheidung des Veranstalters vollstes Verständnis“ habe. Schließlich seien „die Gesundheit und Sicherheit unserer Kunden, Partner und Mitarbeiter“ von größter Wichtigkeit.

Gleichzeitig erwägt China wegen des Covid-19-Ausbruchs, den diesjährigen Volkskongress zu verschieben. Das meldet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Der Führungskreis des Ständigen Ausschusses sei der Ansicht, dass ein Aufschub auf einen „angemessenen Zeitpunkt“ notwendig sei. Eine endgültige Entscheidung werde aber erst am 24. Februar fallen. Das wichtigste politische Treffen des Jahres in China mit 3000 Delegierten soll eigentlich am 5. März beginnen.

Das zeigt: Die Absage der Mobilfunkmesse Mobile World Congress (MWC) in Barcelona vergangene Woche war erst der Anfang. Die Angst vor dem Virus bringt immer mehr internationale Events in Schwierigkeiten – auch jenseits von China. Veranstalter wollen damit massenhaften Absagen von Teilnehmern zuvorkommen. So war es etwa beim MWC, wo Ericsson, Vodafone und Deutsche Telekom nicht kommen wollten.

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    Mittlerweile hat auch der Verband der japanischen Kameraindustrie seine Fotomesse CP+ abgesagt, zu der Ende Februar in Yokohama rund 70.000 Besucher erwartet wurden. Die International Trademark Association (Inta) verlegt ihr Jahrestreffen mit rund 10.000 Teilnehmern, das Ende April in Singapur geplant war. Es soll nun im Mai oder Juni in den USA stattfinden.

    Der Internetkonzern Facebook wiederum hat am Freitag seinen globalen Marketinggipfel für März gestrichen. Vier Tage lang sollten rund 5000 Menschen aus aller Welt in San Francisco zusammenkommen. „Höchstvorsorglich haben wir unseren Global Marketing Summit wegen wachsender Risiken für die öffentliche Gesundheit durch das Coronavirus gecancelt“, sagte ein Sprecher dem Tech-Medium „Recode“.

    Aussteller und Besucher scheuen die Teilnahme

    Der Uhrenhersteller Swatch hat seine eigene Uhrenmesse „Time to Move“ Ende Februar in Zürich abgesagt. Den Partnern wolle man nicht zumuten, in einem unsicheren Klima international zu reisen. Der IT-Dienstleister IBM verzichtet auf die Cybersicherheitskonferenz RSA. Diese soll Ende Februar in San Francisco stattfinden.

    Aus Angst vor einer Ansteckung meiden immer mehr Firmen Messen und Konferenzen. In Deutschland sind die Folgen dagegen noch überschaubar. Noch wurde keine größere Messe verschoben oder abgesagt.

    Allerdings wird das E-Sports-Turnier „Player Unknown’s Battlegrounds (PUBG) Global Series“ nicht wie geplant Anfang April auf dem Messegelände in Berlin stattfinden. Zwei Wochen lang wollten 32 der weltbesten Teams aus Asien, Europa und Amerika um Preisgelder von 500 000 Dollar kämpfen. „Die Gesundheit und Sicherheit unserer Spieler, Mitarbeiter und Fans haben bei uns höchste Priorität. Deshalb haben wir uns entschieden, das PGS: Berlin auf unbestimmte Zeit zu verschieben“, erklärte die veranstaltende PUBG Corporation.

    An den geplanten Großmessen wird hierzulande wegen des Virus aber nicht gerüttelt. „Die deutschen Messeveranstalter stehen in enger Abstimmung mit den zuständigen Gesundheitsbehörden: Diese sehen gegenwärtig keinen Anlass, die Durchführung von Messen in Deutschland einzuschränken“, erklärte Philip Harting, Vorsitzender des Verbands der deutschen Messewirtschaft, Auma.

    Die Folgen des Virus spürt man gleichwohl. So haben zahlreiche Teilnehmer ihre Reiseplanungen gestoppt. Auf der Süßwarenmesse in Köln, der Fruit Logistica in Berlin, der Spielwarenmesse und der Biofach in Nürnberg sowie der Ambiente in Frankfurt sagten insgesamt über 100 chinesische Aussteller ab. Mehr als 10.000 Besucher kamen weniger als sonst.

    Angesichts dessen ist auch fraglich, ob die Eisenwarenmesse in Köln ab 1. März in gewohntem Umfang stattfinden kann, kommen doch 1 200 von 2 800 Ausstellern aus China. Einer der größten Aussteller, der Werkzeughersteller Gedore aus Remscheid, sagte am Freitag seine Teilnahme ab. Gedore habe jeden Tag Tausende von Besuchern auf seinem Stand, teilte die Geschäftsführung mit: „Die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter, Kunden und aller Geschäftspartner haben für uns höchste Priorität. Alle wirtschaftlichen Überlegungen stellen wir hintenan.“

    Die wirtschaftlichen Folgen für die Messewirtschaft sind noch nicht absehbar. Die Branche ist weltweit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der globale Umsatz lag 2018 bei etwa 30 Milliarden Dollar, schätzt eine Studie von ARM Corp. und UBM.

    Auf der Messe blieben einige Stände leer, denn mehrere chinesische Aussteller sagten ab. Quelle: dpa
    Fruit Logistica in Berlin

    Auf der Messe blieben einige Stände leer, denn mehrere chinesische Aussteller sagten ab.

    (Foto: dpa)

    Allein in Deutschland setzen Messegesellschaften laut Auma rund vier Milliarden Euro im Jahr um. Der gesamtwirtschaftliche Effekt, die sogenannte Umwegrendite, liegt laut Ifo-Institut um ein Vielfaches höher: 14,5 Milliarden Euro geben Aussteller und Besucher für Messen aus – in Hotels, Restaurants oder im Einzelhandel.

    Hinzu kommen Produktionseffekte von rund 28 Milliarden Euro. Messen sichern hierzulande 231.000 Jobs. In Deutschland finden 60 Prozent der Weltleitmessen statt. China ist hierzulande mit rund 17 000 Ausstellern im Jahr die mit Abstand größte Ausstellernation nach Deutschland. Fast drei Millionen Messebesucher kommen laut Auma aus dem Ausland.

    Auch Tagungs- und Eventanbieter sind in Sorge wegen Corona. „Die derzeitige Stilllegung von Flugverbindungen von und nach China wird sicher Auswirkungen auf den Veranstaltungsmarkt in Deutschland haben“, erwartet Matthias Schultze, Chef des GCB German Convention Bureau. Allein in Deutschland, dem wichtigsten Tagungsland nach den USA, kamen 2018 rund 412 Millionen Menschen zu Events. „Alle in der Branche sind in heller Aufregung“, sagt ein Branchenkenner.

    Messe-Experte Udo Traeger von der Beratung Exhibition Doctors sieht die Veranstalter in einem Dilemma: „Es ist eine Abwägung zwischen Schutz der Gesundheit der Messeteilnehmer und unnötigen wirtschaftlichen Einbußen aller Beteiligten.“ Kein Veranstalter könne sich erlauben, trotz Gesundheitsgefahr und vieler Absagen eine Messe aus finanziellen Gründen durchzuziehen. Das brächte einen hohen Imageschaden.

    Allerdings: Sagen Veranstalter eine Messe ohne behördlich proklamierten Gesundheitsnotstand ab, können hohe Regressforderungen auf sie zukommen.

    Keine Haftung bei höherer Gewalt

    In China selbst steht das gesamte Messeleben derzeit still. Die Behörden haben per Edikt bis Ende März in der ganzen Volksrepublik außer Hongkong die Messegelände geschlossen. Die Verschiebung von Messen gilt hier als „höhere Gewalt“, Veranstalter haften juristisch also nicht für etwaige Kosten.

    In der Praxis dürften sie sich allerdings in manchen Fällen kulant zeigen. „Wer will schon wichtige Kunden vergraulen“, sagt ein Messekenner. So will die Art Basel Ausstellern 75 Prozent der Standgebühr erstatten, weil die Kunstmesse in Hongkong Mitte März nicht stattfinden kann.
    Auch viele deutsche Veranstalter müssen ein gutes Dutzend Ableger ihrer Messen in China wegen des Corona-Notstands vertagen. So hat die Messe Frankfurt unter anderem die Auto Maintenance and Repair Expo in Peking und die Intertextile Shanghai Apparel verschoben. Die Messe Düsseldorf musste die Chinaplas Shanghai, Weltleitmesse für technische Kunststoffe mit zuletzt fast 4 000 Ausstellern, von April auf August verschieben.

    Doch eine Verlegung ist nicht immer einfach. „In Schanghai etwa sind die Messegelände das ganze Jahr über gut gefüllt“, sagt Wolfram Diener, designierter Chef der Messe Düsseldorf . „Wenn für zwei Monate Messen abgesagt werden, ist es nahezu unmöglich, für alle Veranstaltungen Ausweichtermine zu finden.“ Hinzu kommt: Viele Messen sind saisonabhängig. Und sie konkurrieren bei späteren Terminen mit Branchenmessen anderswo auf der Welt.

    Coronavirus: „Die aktuelle Zahl der Infizierten könnte nur die Spitze des Eisbergs sein“

    „Ein Virus kann zu einigen Verwerfungen führen“, weiß Diener mit Blick auf seine langjährige Messetätigkeit in China. Während der Sars-Epidemie 2003 musste er die laufende Messe Auto Shanghai mit mehr als 150.000 Besuchern auf behördliche Anordnung binnen Stunden schließen. Damals leitete er das Messegelände in Schanghai, das fast vier Monate geschlossen blieb.

    Diener warnt jedoch vor Hysterie. „In Deutschland sehen die Veranstalter derzeit keine Veranlassung, eine Messe abzusagen.“ So manche Aussteller seien verunsichert, räumt er ein. Aber alle deutschen Messeveranstalter seien auf Notfälle eingestellt. Hygienemaßnahmen wurden intensiviert, überall hängen Zettel zur „No-Handshake-Policy“.

    Auch große Sportevents sind vom Virus beeinträchtigt. Das für Mitte April geplante Formel-1-Rennen in Schanghai wurde verschoben. Ein GAU für Sponsoren und Veranstalter. Auch für die Champions League in Ostasien gelten strenge Vorsichtsmaßnahmen. Beim Spiel der Fußballmeister aus Südkorea und Japan am Mittwoch in Korea mussten Zuschauer Atemmasken tragen. Am Einlass wurde Temperatur gemessen. Viele Ränge blieben gespenstisch leer.

    Derweil wachsen die Sorgen um die Olympischen Spiele, die am 24. Juli in Japan beginnen sollen. Einige Qualifikationen in Asien mussten bereits abgesagt werden. „Ich bin ernsthaft besorgt, dass die Ausbreitung der Infektionskrankheit den Spielen einen Dämpfer versetzen könnte“, sagte Organisationschef Toshiro Muto. Der Chef des Olympischem Komitees in Japan, Yoshiro Mori, stellte jedoch vergangene Woche klar: „Eine Absage der Tokio-Spiele ist nicht erwogen worden.“

    Mehr: Wie der Branchenverband GSMA sich nach der Absage der Mobilfunkmesse vor den Kosten drücken will, lesen Sie hier.

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