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Verbraucherschutz Neue Regeln für Online-Shopping in der Kritik

Schluss mit Kostenfallen und versteckten Klauseln: Seit einem Jahr müssen sich Online-Shops an neue Regeln halten. Doch die Händler sind alles andere als zufrieden mit der Umsetzung. Eine erste Bilanz.
12.06.2015 - 10:57 Uhr Kommentieren
Einkäufer im Netz sollen durch die EU-Richtlinie besser vor versteckten Kosten geschützt werden. Quelle: dpa
Online-Shopping

Einkäufer im Netz sollen durch die EU-Richtlinie besser vor versteckten Kosten geschützt werden.

(Foto: dpa)

Berlin Ein Jahr nach Inkrafttreten neuer Regeln für Online-Käufe ziehen Verbraucherschützer und Händler eine vorsichtig positive Bilanz. Es gebe „erstaunlich wenig Beschwerden“, sagte Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern der Deutschen Presse-Agentur. Die meisten Anbieter hätten die neuen Anforderungen relativ zügig auf ihren Internetseiten umgesetzt. Auch die Zertifizierungsstelle Trusted Shops, die Gütesiegel an Online-Händler vergibt, bewertete die Reform „unter dem Strich als gelungen“. Der Handelsverband Deutschland (HDE) hält die Vorgaben dagegen für „praxisfern und nicht rechtssicher umsetzbar“.

Am 13. Juni 2014 war eine EU-Richtlinie, die Verbraucher besser vor versteckten Kosten und Klauseln schützen soll, ins deutsche Recht umgesetzt worden. Veränderungen gab es in vielen Einzelpunkten.

Unter anderem sind Online-Shops seither verpflichtet, Kunden mindestens eine kostenlose Zahlweise anzubieten. Zusatzleistungen, die extra kosten, dürfen nicht automatisch mit einem Häkchen vorausgewählt sein. Die Kosten für Rücksendungen allerdings können grundsätzlich den Kunden auferlegt werden. Neue Regeln gab es auch für Bestellungen per Telefon und Katalog und sogenannte Haustürgeschäfte, also den Kauf von Waren und Dienstleistungen außerhalb von Läden.

Das kaufen die Deutschen im Netz
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Äpfel, Nuss und Mandelkern – kaufen Deutsche übers Internet nur ungern. Bei Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs sind sie besonders skeptisch. Lediglich 15 Prozent der Befragten haben schon mal derartige Produkte bei Lidl, Rewe und Co. online bestellt. Quelle: Für die Studie hat das Statistische Bundesamt im April und Mai des vergangenen Jahres 12.000 Haushalte und die in diesen Haushalten lebenden Personen befragt.

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Auch bei Telekommunikationsdiensten wie DSL- oder Handyverträgen sind die Deutschen zurückhaltend (25 Prozent).

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Zudem werden Arzneimittel aus Versandapotheken im Internet vergleichsweise wenig nachfragt – 28 Prozent.

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Dagegen haben 31 Prozent der Befragten schon einmal Videospiele, Software, Hardware und anderes Computer-Zubehör im Netz bestellt. Sie eint der neunte Platz in der Rangliste.

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Elektroartikel werden zwar weitestgehend immer noch im Fachmarkt verkauft. Doch 37 Prozent ordern ihre Batterien, Kopfhörer oder Kaffeemaschinen bereits per Mausklick.

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Klassische Videotheken sterben aus. Stattdessen beschaffen sich 38 Prozent der Deutschen ihre Lieblingsfilme sowie Musik online.

(Foto: dpa)
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Wer Konzerttickets sucht, schaut häufig im Netz nach. Eintrittskarten für Veranstaltungen ordern bereits 43 Prozent der Deutschen online.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat die Umsetzung in einem Praxistest überprüft und nach eigenen Angaben mindestens 42 Abmahnungen ausgesprochen, in rund 17 Fällen sei Klage erhoben worden. Beanstandet wurde etwa, dass einige Online-Reisebüros ihren Kunden keine kostenfreie Zahlungsmöglichkeit anboten oder zu hohe Kreditkartengebühren verlangten. Vor allem bei Lebensmittelhändlern fanden sich unzureichende Widerrufsbelehrungen. Bei einigen Telekommunikations-Anbietern ließen sich die AGB nicht abrufen.

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    Vereinzelt hätten Verbraucher außerdem beim Widerruf per E-Mail vergeblich auf Bestätigung gewartet, berichtete Halm. Für ein abschließendes Fazit sei es aber noch zu früh. Rechtliche Grauzonen kristallisierten sich oft erst nach einiger Zeit heraus.

    In einer Umfrage von Trusted Shops unter den zertifizierten Online-Händlern war jeder Zweite der Ansicht, dass Kunden und Händler gleichermaßen von den Änderungen profitierten. Zu dem Stimmungsbild ein Jahr nach der Reform trugen 120 Händler bei. Nur 17 Prozent von ihnen sehen negative Auswirkungen auf das eigene Geschäftsmodell. Gut drei Viertel der Shops gaben an, dass sie die Rücksendekosten nicht freiwillig übernehmen. Auf die Zahl der Retouren oder Bestellungen hat sich das den Angaben zufolge aber nur in der Minderzahl der Fälle ausgewirkt.

    Der HDE kritisiert beispielsweise, dass die Händler für die Widerrufsbelehrung, die sie ihren Kunden vor der Bestellung zur Verfügung zu stellen haben, seit der Reform aus vielen verschiedenen Varianten auswählen müssten - damit sei das Risiko groß, dass diese am Ende nicht wie gefordert individuell zur Lieferung passe, teilte die Spitzenorganisation des deutschen Einzelhandels auf Anfrage mit. „Die Unternehmen tun, was sie können“, erklärte HDE-Experte Peter Schröder. „Aufgrund der nicht umsetzbaren Vorgaben laufen aber trotzdem viele Händler Gefahr, zum Opfer von Abmahnanwälten zu werden.“

    • dpa
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