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Verkauf von Fab Von 1 Milliarde auf 15 Millionen in zwei Jahren

Einst war der Online-Händler Fab eine Milliarde Dollar schwer und angesagtestes Start-Up der Stunde.  Doch das Design-Portal geriet ins Stolpern und wird nun für 15 Millionen Dollar verschleudert. Eine Spurensuche.
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Vom einst mit einer Milliarde Dollar bewerteten Start-Up Fab ist heute nicht mehr viel Glanz übrig. Quelle: dpa
Verkauft für 15 Millionen

Vom einst mit einer Milliarde Dollar bewerteten Start-Up Fab ist heute nicht mehr viel Glanz übrig.

(Foto: dpa)

Düsseldorf „Long time ago, when we was Fab“, sang der inzwischen verstorbene George Harrison 1987 in einem Song über seine Zeit bei den Beatles. „Fab four“, die fantastischen Vier wurde die Gruppe auch genannt. Fab, fantastisch, war zu Beginn auch die von Jason Goldberg gegründete gleichnamige E-Commerce-Plattform.  Auf eine Milliarde Dollar wurde Fab.com auf seinem Höhepunkt im Jahr 2013 geschätzt. Nun geht die Plattform für 15 Millionen Dollar an die irische PCH International. Das Unternehmen arbeitet mit Industriekonzernen und Start-Ups im Designbereich zusammen und bietet Lösungen für Entwicklung, Fertigung und Vertrieb an.

Fab hat in seinem kurzen Leben viel erlebt. Was derzeit als Online-Händler für Lifestyle- und Modeartikel mehr oder minder seinem Ende entgegen siecht, galt einst als heißestes Startup von New York. 2010 vom ehemaligen Xing-Manager Jason Goldberg noch als Community für homosexuelle Männer gegründet, startet Fab.com 2011 als Handelsplattform für Schnäppchenverkäufe durch.

Mit sogenannten „Flash Sales“, zeitlich begrenzten Angeboten, von Design-Objekten wird das Unternehmen zum Gesprächsthema. Goldberg nutzt seine Deutschland-Kontakte und bringt das Angebot auch für den hiesigen Markt. Aus anfänglich 175.000 registrierten Kunden werden bis Ende 2012 10 Millionen Mitglieder. Insgesamt sammelt Fab bei Investoren 330 Millionen Dollar Kapital ein, auch Schauspieler Ashton Kutcher beteiligt sich. Das Startup zählte in der Spitze 700 Mitarbeiter.

Irgendwann 2012 beginnt der sprichwörtliche Faden zu reißen. Die Flash Sales locken Kunden an, die Margen sind bei den stark rabattierten Waren jedoch gering. Es werden Zweifel am Geschäftsmodell laut. Fab wird zum normalen Online-Händler, das Alleinstellungsmerkmal, der Preis, fällt weg. Und dann kommen auch noch die Samwer-Brüder.

Bis heute geistert die Legende, die Konkurrenz durch Rocket Internet habe den Niedergang von Fab besiegelt. Nicht zuletzt, so das Start-up-Fachblatt „Gründerszene“, weil das Unternehmensumfeld diese Version der Geschichte gerne pflegt. Die Samwers bringen Anfang 2012 die Seite „Bamarang“ an den Start, ein Fab-Klon, der den europäischen Markt erobern soll. 

Alles Geld fließet ins neue Projekt

Jason Goldberg reagiert, und das heftig. Der Standort Berlin wird massiv ausgebaut, zwei Unternehmen übernommen, 125 Mitarbeiter eingestellt. Der einstigen Xing-Manager will den deutschen Markt mit Macht verteidigen. Allein ins Marketing fließen 40 Millionen Euro, berichtet die „Gründerszene“.

Das mündet zunächst im Erfolg, „Bamarang“ wird nach nur einem halben Jahr eingestellt. Fab bleibt auf dem aufgepumpten Marketing-Apparat sitzen, die monatlichen Kosten fressen das Kapital auf. Es folgen Kürzungsrunden, ab Sommer 2013 schrumpft die Belegschaft zusehends. Heute ist der Großteil des Kapitals verbraucht, die Mitarbeiterzahl zweistellig.

35 Mitarbeiter Fabs werden vom neuen Eigentümer PCH übernommen. Die Investoren wollen Fab künftig als Vertriebskanal für Designer und Industrieunternehmen nutzen, mit denen sie zusammenarbeiten. Das Kapital hinter Fab ist derweil längst woanders.

Jason Goldberg hat sich schon länger einem Derivat seines einstigen Wunderkinds zugewandt, der Plattform  Hem.com.  Der Online-Händler entwirft, produziert und verkauft Design-Möbel – von Berlin aus. Goldberg ist inzwischen dauerhaft nach Deutschland gezogen. Hem baut direkt auf Fab auf, speist sich auch aus den Investorenmitteln, die noch vorhanden waren. Das Portal starte im September 2014, inzwischen sollen 100 ehemalige Fab-Mitarbeiter gewechselt haben.

Die Investoren schauen Goldberg inzwischen stark auf die Finger.  Sein erstes Projekt, die Stellensuchmaschine Jobster, verbrannte 48 Millionen Dollar Investorengelder, bevor sie zerstückelt und entsprechend verlustreich verkauft wurde. Das Folgeprojekt Socialmedian konnte er zumindest mit einem kleinen Gewinn verkaufen – an Xing, seinen späteren Arbeitgeber. Mit Hem.com muss Goldberg nun liefern. Und so wundert es nicht, dass auch die Erlöse aus dem Fab-Verkauf direkt in den Möbelhändler fließen.

 

 

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