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Verkaufte Anteile Haniel und Metro leiten das Ende einer Konzern-Ära ein

Nach mehr als 50 Jahren verkauft der Familienkonzern Haniel einen Teil seiner Metro-Anteile – und stellt die Weichen für einen Komplettausstieg.
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Haniel und Metro – Das Ende eine Ära Quelle: dpa
Mitarbeiter eines Metro-Markts

Zeitweise wurden die Großunternehmen Metro und Haniel von demselben Vorstandschef geführt – nun trennen sich die Wege.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Mehr als ein halbes Jahrhundert schienen die beiden Firmennamen unzertrennlich: Metro und Haniel, Ersterer eine Erfindung des 2013 verstorbenen Handelspioniers Otto Beisheim aus den 60er-Jahren, Letzterer ein Familienunternehmen aus dem Jahre 1756.

Nicht nur eine dominierende Finanzbeteiligung der Duisburger Traditionsfirma verband diese mit dem Düsseldorfer Handelskonzern, zeitweise wurden beide Großunternehmen von ein und demselben Vorstandschef geführt.

Doch nicht nur Eckhard Cordes, der 2007 bis 2011 das Schicksal beider Unternehmen steuerte, ist nicht mehr da. Die jahrzehntelange Liaison ist vermutlich bald auch vorbei.

Der Familienkonzern Haniel verkauft zunächst 7,3 Prozent seiner Metro-Aktien an den tschechischen Investor EP Global Commerce (EPGC), wie am Freitag bekannt wurde. Er untersteht den Geschäftspartnern Patrik Tkáč und Daniel Křetínský. Die Käufer besitzen zudem die Option, auch die übrigen 15,2 Prozent der Metro-Anteile aus dem Haniel-Besitz zu erwerben.

Ceconomy nicht betroffen

Beide Parteien wollten sich nicht zum Kaufpreis äußern, nach aktuellem Aktienkurs summiert sich das Kaufvolumen jedoch auf 974 Millionen Euro inklusive der Call-Option. Auf die Beteiligung der Duisburger an der Elektronikhandelsholding Ceconomy, die sich als Dachgesellschaft der Elektronikfachmärkte Mediamarkt und Saturn vor einiger Zeit von der Metro trennte, habe die Transaktion keine Auswirkungen, hieß es weiter.

Dem Verkauf der Metro-Anteile geht aufseiten von Haniel eine wechselvolle Zeit voraus. Nach dem Börsengang des Düsseldorfer Handelskonzerns 1996 hatten sich die Duisburger per Poolvertrag mit den Großaktionären Beisheim und Schmidt-Ruthenbeck zunächst ein mächtiges Mitspracherecht gesichert.

Doch als die Vereinbarung zunehmend zerbrach, was Haniels Einfluss bei Metro schwinden ließ, ersannen die Duisburger einen Plan B. Unter Führung des Ex-Daimler-Managers Cordes sollte der damalige Dax-Konzern in seine Einzelteile Metro (Großhandel), Real (SB-Warenhäuser), Kaufhof und Mediamarkt Saturn zerschlagen werden. Am Ende des Umbaus, so sah der Plan vor, wäre Haniel alleiniger Gesellschafter des Metro-Großhandels gewesen.

Doch der Konzern wurde seine Töchter nicht los. Stattdessen schlitterte das Handelsgeschäft nahezu aller Sparten in die Krise und mit ihm der Aktienkurs. 2011 musste Cordes seinen Platz für Olaf Koch räumen, ein Jahr später stieg Deutschlands größter Handelskonzern in den MDax ab.

Die Metro versuchte es noch einmal mit einem Kraftakt. Diesmal an der Börse. In einem komplexen Deal trennte man das Elektronik-Fachmarktgeschäft vom übrigen Konzern ab, um dessen Aktien gesondert unter dem Namen Ceconomy an die Börse zu bringen. Doch die Aktion enttäuschte. Den Aktienkurs befeuerte sie, zum Leidwesen von Haniel, nicht.

Haniel-Chef Stephan Gemkow begründete den nun vereinbarten Aktienverkauf freilich anders. Das „allgemein volatilere Umfeld“ habe Haniel motiviert, die Diversifikation voranzutreiben. Damit wolle er „insgesamt eine bessere Risikoposition unseres Portfolios erreichen“, sagte er dem Handelsblatt.

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Die Metro wollte den Vorgang am Sonntag nicht weiter kommentieren, außer dass sich aus dem Konzern ein Sprecher nur schriftlich meldete mit den Worten: „Wir begrüßen EP Global Commerce als neuen Aktionär. Wir freuen uns darauf, EP Global Commerce kennen zu lernen.“

Darauf muss der Konzern wohl nicht lange warten. Schon am Freitag zeichnet sich ab, dass die Käufer aus Tschechien womöglich noch mehr wollen. Zurzeit werde man abwarten, ließen sie durchblicken, ob sich weitere Investoren finden, die ihnen Anteile andienen.

Es ist also möglich, dass die aufgespaltene Metro AG mit EPGC nicht nur einen neuen größten Aktionär, sondern auch einen neuen Mehrheitsaktionär findet, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen.

Hinzu kommt, dass die Käufer offenbar in der Metro Entwicklungspotenziale sehen, zu deren Realisierung sie bereit sind, langfristige Bindungen einzugehen. „Dazu hätte sich Haniel im Zuge der Weiterentwicklung des Portfolios nicht verpflichten können“, führte Gemkow aus. „Wir sind uns bewusst“, ergänzte er, „dass damit eine Ära Metro bei Haniel zu Ende gehen kann.“

Und damit ein Stück bundesdeutscher Wirtschaftsgeschichte. 1966 hatte Metro-Mitbegründer Otto Beisheim den Kontakt zu Haniel auf einem Rückflug von Berlin geknüpft, wo er soeben seinen dritten Markt eröffnet hatte. Neben ihm saß Wilhelm Lenz, damals Chef des mächtigen Duisburger Familienkonzerns.

Ihn von der neuen Geschäftsidee, dem aus den USA stammenden Cash & Carry-Geschäft, zu überreden, fiel Beisheim nicht schwer. Kurz zuvor hatte Haniel seine Tankstellenkette Rheinpreussen verkauft – und die 40 bis 60 Millionen Mark, die sein Clan damit eingenommen hatte, wollten neu investiert werden.

1966 stieg Haniel zunächst mit etwas weniger als zehn Prozent ein. Dann aber wuchs die Beteiligung bis auf ein Drittel an, 1996 beim Börsengang blieben 19 Prozent. 2007 entlockte der damalige Haniel- und zugleich Metro-Chef Cordes kurz vor der Finanz- und Wirtschaftskrise noch einmal den Haniel-Gesellschaftern rund drei Milliarden Euro, um erneut auf mehr als 34 Prozent aufzustocken.

Langer Leidensweg

Cordes‘ damalige Pläne für die Metro hätten nicht zum Wertegerüst von Haniel gepasst, hießt es am Wochenende in Aufsichtsratskreisen. Mit der aktuellen Entscheidung gegen die Metro rückt auch bei ihnen der Name Cordes erneut ins Gedächtnis. In der Retrospektive erzählen Aufsichtsratskreise, wie schädlich Cordes‘ Ideen für die Reputation des Familienunternehmens Haniel gewesen seien.

Gemkow geht längst andere Wege, bei denen er Gesellschafter und Aufsichtsräte an seiner Seite weiß. Anders als bislang bei Metro zielt er stets auf die Mehrheit an den jeweiligen Portfolio-Unternehmen. Denn Haniel will gestalten.

Bei Riesen wie der Metro war das bis zum Schluss nicht möglich. Der Groß- und Lebensmittelhändler beschäftigt in 35 Ländern weltweit mehr als 150.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2016/17 rund 37 Milliarden Euro Umsatz.

Haniel beschäftigt aktuell rund 18.500 Mitarbeiter und setzte zuletzt knapp 4,1 Milliarden Euro um. Der Gewinn nach Steuern lag 2017 – auch wegen der gewichtigen Finanzbeteiligungen an der Metro AG und Ceconomy – deutlich über dem operativen Ergebnis von Haniel.

Dieses war zudem im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent niedriger. Die Strategie von Haniel-Chef Gemkow lautet: lieber die Mehrheit in kleineren Unternehmen als die Minderheit in großen Firmen.

Schon in der Vergangenheit schmolz Gemkow immer mehr Anteile an der Metro ab. Die 22,5 Prozent, die nun zum Verkauf stehen, werden wieder eine Menge Liquidität in die Kasse von Haniel spülen.

Auf null wird der Anteil von Haniel an Metro nicht sinken, selbst wenn die beiden Investoren die weiteren Metro-Anteile kaufen. Denn Haniel hält an dem Geschäft mit den Elektro-Fachmärkten, die seit der Aufspaltung unter dem Namen Ceconomy geführt werden, bis auf Weiteres fest und weiter 25 Prozent. Das bestätigen Unternehmens- und Aufsichtsratskreise. Dort sei eine Strategie erkennbar – was tief blicken lässt: Bei Metro sah dies Haniel offenbar nicht. Ceconomy aber besitzt wiederum Anteile an der Metro.

Am Donnerstag wird Haniels Aufsichtsrat zunächst noch dem geplanten Deal zustimmen müssen. Auch die Kartellbehörden haben den Verkauf noch offiziell zu genehmigen. Haniel-Chef Gemkow darf aber davon ausgehen, dass der kleine Kreis, der die Interessen der insgesamt mehr als 680 Familiengesellschafter vertritt, sowie der Aufsichtsrat seiner Strategie folgen.

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