Verlagsinsolvenz Weltbild-Sanierer warnte Kirche vor „Schlecker II“

Die Mitarbeiter des Weltbild-Verlags erfahren heute auf einer Betriebsversammlung Näheres zur Pleite des Hauses. Die kirchlichen Eigner versuchen, Kritik zu entkräften – man müsse Kirchensteuereinnahmen schützen.
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Lagerverkauf des Weltbild-Verlags in Augsburg: In der Zentrale arbeiten 2200 Mitarbeiter. Quelle: dpa

Lagerverkauf des Weltbild-Verlags in Augsburg: In der Zentrale arbeiten 2200 Mitarbeiter.

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DüsseldorfDie katholische Kirche verteidigt die Entscheidung, den Weltbild-Verlag in die Insolvenz zu schicken. „Wir konnten es als Gesellschafter nicht verantworten, auf absehbare Zeit dreistellige Millionensummen aus Kirchensteuermitteln zu investieren“, sagte der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx der Süddeutschen Zeitung. In der Nacht zu Freitag hatten die kirchlichen Eigner sich dagegen entscheiden, weiteres Geld für die Sanierung des angeschlagenen Unternehmen bereit zu stellen. Zuerst hatte Handelsblatt Online über die Pleite berichtet.

Laut Süddeutscher Zeitung hatten der seit Herbst als Sanierer im Unternehmen tätige Manager Josef Schultheis und Geschäftsführer Carel Halff in der entscheidenden Präsentation die negativen Auswirkungen einer Pleite für die Kirche deutlich betont. „Negative Öffentlichkeitswirkung ("Schlecker II"): Kirche als Gesellschafter überlässt sanierungsfähige Gruppe der Zerschlagung in der Insolvenz“, hieß es in der Präsentation. Doch auch das konnte die Eigner – zwölf Diözesen, der Verband der Diözesen und die Soldatenseelsorge Berlin – nicht umstimmen.

Bis Ende 2013 war stets die Rede von einer Summe zwischen 60 bis 65 Millionen Euro an benötigtem Geld zur Stabilisierung des Hauses. Dies hätten die Diözesen wohl noch gestemmt. Nun aber hätten die Gesellschafter in den nächsten drei Jahren 135 bis 160 Millionen Euro zuschießen müssen. Hinzu kommt die hohe Verschuldung. In kirchennahen Kreisen in Bayern ist von einer Verschuldung im „soliden dreistelligen Millionenbereich“ die Rede. Die Gewerkschaft Verdi und der Betriebsrat zeigen sich entsetzt ob der Entscheidung der Eigner. Die Kirchenvertreter versuchen, die Härte der Kritik mit Versprechen zu dämpfen.

„Wir stehen zu unserer Verantwortung“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende, Dieter Beer, Generalvikar des Erzbistums München, gegenüber dem Handelsblatt. Für die „Abfederung der sozialen Härten“ werde man das ursprünglich für die Restrukturierung vorgesehene Geld in die Hand nehmen.

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7 Kommentare zu "Verlagsinsolvenz: Weltbild-Sanierer warnte Kirche vor „Schlecker II“"

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  • Die Geschäftsführerin von Hugendubel heißt also Hubendubel? Was für eine zufällige Ähnlichkeit ;-)

  • Es ist noch nicht lange her, daß die katholischen Bischöfe die Opfer ihrer perversen Priesterkollegen mit läppischen 5000 Euro abgespeist haben.
    Die Politiker waren wieder mit von der Partie, nach ihrem üblichen Motto: Wir stehen treu zu den Tätern.
    Da haben die Weltbild Mitarbeiter nicht viel zu erwarten.
    Im besten Falle für sie, wird der Steuerzahler den Löwenanteil übernehmen und die heilige katholische Kirche mehr einen symbolischen Beitrag leisten.
    Was die Lehmänner nicht davon abhalten wird, sich selber als gute Christen zu feiern.
    Eine Trennung von Staat und Kirchen ist überfällig.

  • Die Entscheidung der Kirche ist richtig. Weltbild hat ein völlig veraltetes Geschäftsmodell, das nicht sinnvoll aktualisierbar ist. Geld zu verbrennen, auch wenn es zeitweise Existenzen sichert, ist nicht sozial, auch wenn die Betroffenen verständlicherweise das nicht wahrhaben wollen.
    Da ist es eher besser in was Neues zu investieren, das zukunftsfähig ist. Die Weltbildjobs sind ja nicht weg, sie sind mittlerweile bloß woanders.

  • Papst Benedikt sagte voriges Jahr: Die deutsche Kirche muß sich entweltlichen.
    Gleiches sagte erst vor Kurzem Papst Franziskus, nur Klarer. Hat es bei den deutschen Bischöfen und Laienpredigern nicht in den Ohren geklingelt??
    Wo bleibt die Verantwortung für ca. 6300 Arbeitsplätzen??
    Nicht jeder guter Kleriker ist automatisch auch ein guter Kaufmann.
    Also saniert dieses Unternehmen und verkauft es dann!!

  • So einfach scheint es mir mit dem Kirchenvermögen nicht zu sein. Domschätze, Sakralbauten und ähnliche Dinge haben zwar einen hohen Wert, sind aber doch praktisch nicht verkäuflich. Der Steuerzahler finanziert zwar viel, aber eben doch nicht alle Ausgaben und das Geld ist wohl auch nicht frei verfügbar, sondern zweckgebunden. Also müssen die Millionen irgendwo herumliegen und das tun sie vermutlich nicht. Insofern verstehe ich, wenn lieber Abfindungen gezahlt werden als die gesamte Summe bei zweifelhaften Erfolgsaussichten nachher doch aus dem Fenster geworfen zu haben.
    Was ich allerdings befürchte ist, dass den Geschäften auch eine wichtige Stütze fehlen wird. Denn der Weltbild Verlag lieferte viele preiswerte Sonderausgaben, die es nun nicht mehr geben wird. Und wenn die übrigen Lieferanten auch nur noch gegen Vorkasse liefern wollen und die Kreditversicherer hohe Risikozuschläge verlangen werden, kann man sich den Fortgang der Geschichte für die Ladengeschäfte und den Versand auch schon ausmalen -- irgendwann ist Schluss, wie bei Praktiker und Schlecker auch, wo es anfangs ja auch "überlebensfähige Teile" gab.
    Der Buchkäufer muss sich aber keine Sorgen machen, Buchhändler und Versender gibt es ausreichend. Etwas teurer könnte es allerdings werden, wenn man bisher die Sonderausgaben gekauft hat, aber da helfen die Ebooks, die immer etwas billiger als die gebundenen Bücher sind und das Geld für das Bücherregal spart man obendrein.
    Und was die Bischofsresidenz angeht: das finde ich auch nicht richtig, ist aber eine andere Baustelle ...

  • Die Kirche hat unfassbar viel Geld. Es mag ja sinnvoll sein, den Laden dicht zu machen, dann soll sie aber bitteschön auch Geld in die Hand nehmen um die Mitarbeiter umzuschulen oder ihnen Abfindungen zahlen.

    Nicht vergessen: JEDER Steuerzahler (nicht nur Kirchensteurezahler) finanzieren Bischofsgehälter!

  • KATHOLISCHE KIRCHE ALS ARBEITGEBER
    ..................................
    verspricht zwar das paradies bei entspr. lebenswese
    aber als arbeitgeber keine sicheren arbeitsplätze.!
    ..
    gewerkschaften und tarifverträge sind auch verbo -
    ten, da hilft nur beten und hoffen auf das paradies.
    ..
    ...35 MILLIONEN KOSTET DIE WOHNUNG EINES BISCHOFF..





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