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Verpackungsmüll Warum das Grüne-Punkt-System so undurchschaubar ist

Seit 1991 gibt es in Deutschland den Grünen Punkt. Bis heute bleibt das System aber undurchschaubar und sein Nutzen für die Umwelt umstritten.
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Konsumenten zahlen jährlich einen unmerklich Aufschlag von insgesamt einer Milliarde Euro für den grünen Punkt. Quelle: dpa
Grüner Punkt

Konsumenten zahlen jährlich einen unmerklich Aufschlag von insgesamt einer Milliarde Euro für den grünen Punkt.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Müllsortieren gilt dem Bildungsbürger als Ausweis ökologischen Handelns, der dazu erfundene Grüne Punkt als einprägsames Zeichen, wie sich der Abfallberg in Deutschland verringern lässt.

So weit der Mythos. Die Realität hingegen ist deutlich trister. Seit 1991, als das Duale System Deutschland (DSD) mit seinem Grünen Punkt startete, wuchs der Verpackungsabfall in Deutschland fast ohne Unterlass von 15,6 auf 18,2 Millionen Tonnen an. Vor allem der Plastikmüll hat sich seither verdoppelt.

Schlimmer noch: Für den Grünen Punkt und ähnliche Lizenzzeichen zahlt der Verbraucher beim Einkauf unmerklich einen Preisaufschlag, der sich in der Bundesrepublik auf jährlich eine Milliarde Euro addiert.

Dabei ist das System für Außenstehende kaum zu durchschauen. Seit 1991 verlangt eine immer wieder veränderte Verpackungsverordnung, dass jeder Gewerbebetrieb Verpackungen zurücknehmen muss, die er in den Umlauf bringt. Weil Rewe oder dm aber nicht zuzumuten ist, riesige Müllcontainer an den Kassen aufzustellen, delegierte man die Aufgabe zunächst an das DSD und ließ ab 2003 weitere Wettbewerber zu.

Die dualen Systeme versprechen Herstellern und Händlern, die den Grünen Punkt oder ähnliche Lizenzmarken bei ihnen kostenpflichtig zeichnen, vereinbarte Abfallmengen über gelbe Tonnen und Säcke einzusammeln. Den Job übernehmen sie nicht selbst, sondern beauftragen Abfallfirmen, denen sie einen Teil ihrer Lizenzeinnahmen überlassen.

Der Nutzen für die Umwelt bleibt umstritten. Zwar stieg der Verwertungsanteil von Kunststoff seit 2003 von 55 auf 99,8 Prozent, wie die Gesellschaft für Verpackungsforschung ermittelte, die „stoffliche Verwertung“ aber ging um 3,1 Prozentpunkte zurück. Aktuell wird rund die Hälfte „thermisch verwertet“, also verbrannt – ein Entsorgungsverfahren, das sich auch ohne Mülltrennung bewerkstelligen ließe.

Verdient wird in der Branche mitunter dennoch prächtig. Marktführer DSD kam 2016 bei 561 Millionen Euro Umsatz auf einen Betriebsgewinn von 21,4 Millionen Euro. Den Finanzfirmen HIG Capital und Bluebay, denen das DSD gehört, winken derzeit weitere Einnahmen. Genehmigt das Bundeskartellamt den Verkauf der Kölner Firma an den Lünener Müllkonzern Remondis, kassieren sie einen Kaufpreis von knapp 150 Millionen Euro.

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