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Versandhandel Quelle darf weiterleben – vorerst

Aufatmen bei Quelle und seinen 8 000 Beschäftigten: Nach tagelangem Tauziehen haben Länder und Regierung einen Massekredit in Höhe von 50 Mio. Euro für das insolvente Versandhaus vereinbart. Damit kann Quelle seinen Geschäftsbetrieb zunächst fortführen. Hundertprozentig gerettet ist das Unternehmen allerdings noch nicht.
Bei Quelle kann die Arbeit erst einmal weitergehen. Quelle: dpa

Bei Quelle kann die Arbeit erst einmal weitergehen.

(Foto: dpa)

HB BERLIN. Der dringend benötigte Kredit über 50 Mio. Euro für Quelle ist nach tagelangem Tauziehen vereinbart. Die Regierungen von Bayern und Sachen wollen heute nach entsprechenden Kabinettsbeschlüssen die Auszahlung anweisen, sagte der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) nach Beratungen in Berlin. Der Bund werde die Staatsbank KfW beauftragen. Es werde erwartet, dass die EU-Kommission dem Kredit am Dienstag zustimme. Der sogenannte Massekredit soll bis zum 31. Dezember 2009 laufen.

Somit können die 8 000 Beschäftigten des Fürther Unternehmens vorerst aufatmen. Mit dem Massekredit soll Quelle den Geschäftsbetrieb zunächst aufrechterhalten können. Bayern und Sachsen übernehmen zusammen 25 Mio. Euro. Die anderen 25 Mio. Euro kommen vom Bund.

Fahrenschon sagte, das sei das langersehnte positive Signal für Quelle. Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg gab sich dagegen verhalten optimistisch. Er sagte: "Ich hoffe sehr, dass wir jetzt eine Basis haben, auf der wir beginnen können, die Gesellschaft zu reorganisieren." Dies sei aber kein "Selbstgänger". Er hoffe jedoch auf einen "guten Ausgang", sagte Görg.

Den Quelle-Beschäftigten ist nach dem Ja zu einem Notkredit für das insolvente Versandhaus ein Stein vom Herzen gefallen. "Es herrscht riesige Erleichterung", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Sindel der Deutschen Presse- Agentur dpa. "Das gibt wahnsinnige Motivation." Und weiter: "Vor uns liegt eine Menge Arbeit", sagte Sindel. "Aber wir haben jetzt die Chance zu beweisen, dass unsere Konzepte tragen."

Endgültig gerettet ist Quelle nicht - erhält aber kostbare Zeit, um weiterzuarbeiten, sich neu aufzustellen und einen Investor zu finden. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) warnte allerdings bereits davor, bei einem Massekredit "mit glühenden Augen von Rettung" zu sprechen. Der Versandhändler ist überschuldet und hat nach Einschätzung von Experten und Politikern bereits seit längerem Probleme. Manche schätzen die Überlebenschancen von Quelle in der jetzigen Situation als gering ein. Quelle braucht einen Investor, der diesen Unternehmenszweig von Arcandor in eine neue Zukunft führen kann. So ein Retter ist bislang aber nicht öffentlich bekannt.

Wenige Stunden vor dem Insolvenzantrag überwies Quelle sein letztes Geld an den Mutterkonzern Arcandor - dies sei ein üblicher Vorgang innerhalb von Konzernen, hieß es. Seitdem sind jedoch die Kassen von Quelle leer. Die Lieferanten von Waren und Dienstleistungen treten, wenn es ihnen möglich ist und Aussichten auf Bezahlung besteht, in Vorleistung. Quelle fürchtet aber, dass Kunden und Lieferanten nicht mehr lange bei der Stange bleiben.

Quelle wollte ursprünglich eine Bürgschaft. Die Voraussetzungen dafür sah der Interministerielle Bürgschaftsausschuss von Bund und Ländern jedoch nicht erfüllt. Die Bürgschaft hätte sofort gezogen werden müssen, da Quelle Geld braucht. Nun geht es um einen sogenannten Massekredit, den es für insolvente Unternehmen gibt, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Bei solchen Krediten wird der Kreditgeber vorrangig aus der Insolvenzmasse bedient. Den Kredit in Höhe von 50 Mio. Euro wollen sich der Bund (25 Mio Euro) und die Länder Sachsen (4 Mio Euro) und Bayern (21 Mio Euro) teilen.

Der Bund pochte darauf, dass es bei Quelle für den Kredit genügend Sicherheiten gibt. Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft war am Wochenende damit beschäftigt, diese Sicherheiten im Unternehmen auszumachen. Zudem sollte die staatliche KfW-Bank bei einem Ausfall zuerst Zugriff auf Sicherheiten in Höhe von 25 Mio. Euro haben - vor den Ländern Sachsen und Bayern. Diese Punkt galt am Freitag bereits als geklärt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erinnerte daran, dass bei der Kreditvergabe auch die Vorgaben aus Brüssel einzuhalten sind. Letztlich musste auch geprüft werden, ob ein Massekredit für Quelle überhaupt infrage kommt. Denn das Unternehmen hatte zwar Antrag auf Insolvenz gestellt – das Verfahren wurde aber noch nicht eröffnet.

Nach der Insolvenz von Quelle und des Quelle-Mutterkonzerns Arcandor am 9. Juni kündigte Kanzlerin Merkel an, dass die Bundesregierung den Beschäftigten helfen wolle. Guttenberg redete wiederholt von Chancen, die ein Unternehmen auch in der Insolvenz noch haben könne. Weder die Bundesregierung noch die bayerische Landesregierung haben ein Interesse daran, dass Quelle mit seinen rund 8 000 Arbeitsplätzen vor der Bundestagswahl am 27. September den Betrieb einstellt. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) setzte sich vehement für den Massekredit ein.

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