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Versorgungskrise Warum Erdnussbutter in Deutschland seit Monaten ausverkauft ist

Viele Deutsche rätseln, warum Erdnussbutter aus den USA seit Monaten in den Supermärkten fehlt. Sind es die EU-Strafzölle oder andere Lieferprobleme?
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Warum Erdnussbutter in Deutschland seit Monaten ausverkauft ist Quelle: dpa
Erdnussbutter

EU-Strafzölle könnten für die Erdnussbutter-Knappheit in Deutschland verantwortlich sein, es sind aber auch andere Gründe denkbar.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Fans von Erdnussbutter hierzulande sind verzweifelt: Seit einigen Monaten sind in fast allen Supermärkten von Rewe bis Edeka die Regale wie leergefegt. Vor allem amerikanische Peanut Butter fehlt. In Online-Shops heißt es: „Derzeit nicht lieferbar.“

Beim Internet-Versender Peanutbuttershop.de etwa sind zehn von 16 Erdnussbutter-Marken vergriffen. Nur ein paar Bio-Marken gibt es noch. Auf Online-Foren und auf Twitter rätseln Erdnussfans, warum ihre geliebte Peanut Butter verschwunden ist. Insider nennen Filialen, wo die letzten Restbestände beliebter Marken wie Barney’s, Skippy, Jip noch zu finden sind.

Fans sprechen von bereits von „Erdnussbutterkrise“ und „Erdnussbuttergate“. Ein Blick in die Zollstatistik zeigt, woran es liegt: Die Einfuhren aus den USA sind laut Statistischem Bundesamt im Juni plötzlich radikal eingebrochen.

Wurden im Juni 2018 noch 1.078 Tonnen importiert, waren es im Juni 2019 nur noch acht Tonnen. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr fast 50 Prozent weniger Erdnussbutter aus den USA importiert, die Menge sank von 5.683 Tonnen auf 2.973 Tonnen.

Doch die Gründe dafür liegen im Dunkeln. Manch einer vermutet, es könnte an den EU-Strafzöllen liegen, die seit Juni 2018 auf US-Importe auf Erdnussbutter wie auf Jeans, Whiskey und Harley Davidson verhängt werden. Sie sind eine Vergeltung auf Trumps Strafzölle auf Stahl- und Aluimporte. Doch dann wäre der Einbruch bei den Erdnussbutter-Einfuhren wohl nicht erst nach einem Jahr und dann so drastisch erfolgt.

Derzeit gilt ein Strafzoll von 25 Prozent auf Erdnussbutter aus den USA. Immerhin fließen laut dem Branchenverband American Peanut Butter Council normalerweise fast Zweidrittel aller EU-Importe nach Deutschland. Die Frage ist, wer den Aufpreis zahlt.

Lee Zalben, Gründer von Peanut Butter & Co. aus Manhattan, sagte der „Washington Post“ im Januar, die europäischen Käufer würden Bestellungen stornieren, kürzen oder aber Rabatte einfordern. Ein deutscher Branchenkenner will nicht ausschließen, dass zu hohe Rabattforderungen US-Lieferanten verschreckt haben könnte.

Andere Erdnussbutterfans wollen gehört haben, dass Chargen kontaminiert waren. Schließlich kommt es gar nicht selten vor, dass Erdnussbutter mit Schimmelpilzen oder Salmonellen verseucht ist. 2015 wurde der frühere Chef der Peanut Corporation of America, Stewart Parnell, zu einer Gefängnisstrafe von 28 Jahren verurteilt.

Durch Salmonellen in Erdnussbutter der Marken Peter Pan sowie Great Value von Walmart waren zwischen 2004 und 2007 mehr als 700 Amerikaner erkrankt und neun Menschen gestorben. Der Hersteller musste eine Geldstrafe von mehr als elf Millionen Dollar zahlen.

Rewe greift auf kanadische Lieferanten zurück

Was der Auslöser für die derzeitige Erdnussbutter-Knappheit hierzulande ist, dazu gibt sich American Peanut Butter Council in Deutschland ahnungslos und verweist an den wichtigsten deutschen Importeur Dockhorn & Co. Import-Export GmbH aus Hamburg, der die Marke Barney’s Best vertreibt.

„Derzeit gibt es bei unserer Erdnusscreme Lieferschwierigkeiten“, bestätigt Maximilian Dockhorn, zuständig für Einkauf und Verkauf, auf Anfrage. Daher sei die Ware auch nicht in den Regalen der Supermärkte zu finden. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, unsere Erdnusscreme so schnell wie möglich wieder an den Lebensmitteleinzelhandel zu liefern.“

Was hinter den Lieferschwierigkeiten steckt, dazu schweigt der Importeur. In den USA jedenfalls ist von einer Erdnussbutterkrise keine Rede. In Branchenkreisen ist zu hören, dass dem US-Lieferanten von Barney’s Best ein Zertifikat fehle, das aber demnächst nachgereicht werden solle. Weil die beliebte Marke Barney’s Best, die in Frankreich, Deutschland und der Schweiz vertrieben wird, nun in den Regalen fehle, seien deshalb auch US-Marken wie Skippy oder Jip derzeit vergriffen, wird spekuliert.

Deutsche Händler wollen nicht länger abwarten und suchen nach anderen Bezugsquellen. Die Supermarkt-Kette Rewe etwa hat inzwischen einen kanadischen Lieferanten gefunden. „Diese Erdnussbutter ersetzt dann die Erdnussbutter eines US-Herstellers“, teilt Rewe auf Anfrage mit. Im Laufe dieser Woche sollen die ersten Lieferungen in Rewe-Märkten eintreffen. Praktischer Nebeneffekt: Auf kanadische Erdnussbutter gibt es keine EU-Strafzölle.

Auch Online-Versender Peanutbuttershop.de will sich unabhängiger machen von den Lieferungen etablierter Marken. „Anfang 2020 bringen wir unsere eigene Marke auf den Markt“, verrät Co-Geschäftsführer Daniel Tabbara. „Schließlich wird Erdnussbutter bei den Deutschen immer beliebter.“

Mehr: Die Auseinandersetzung mit China dominiert weiterhin. Am Sonntag stellte der US-Präsident klar: Er hätte die Zölle noch höher ansetzen sollen.

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