Verspätungen, Ausfälle, Flughafen-Chaos Was die Konsolidierungswelle in der Luftfahrt für Kunden bedeutet

Viele Airlines haben Mühe, zugekaufte Konkurrenten zu integrieren – das zeigt das Beispiel von Lufthansa und Air Berlin. Leidtragende sind die Kunden.
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Die europäische Luftfahrt stehe vor einer Übernahmewelle, glauben viele Airline-Manager. Quelle: imago/Oliver Willikonsky
Maschine im Landeanflug

Die europäische Luftfahrt stehe vor einer Übernahmewelle, glauben viele Airline-Manager.

(Foto: imago/Oliver Willikonsky)

FrankfurtAusfälle, massive Verspätungen, Chaos an den Flughäfen: Rund zehn Monate nach der Insolvenzanmeldung von Air Berlin hakt und klemmt es im Flugplan vieler Airlines, die Teile des einst zweitgrößten deutschen Anbieters übernommen haben. Seit Wochen kommt es daher im europäischen Luftverkehr zu Verwerfungen.

Verschärft werden diese durch externe Faktoren wie den Personalmangel bei den Flugsicherungen, Lotsenstreiks in Frankreich, Kapazitätsengpässen bei den Sicherheitskontrollen sowie dem Wetter mit zahlreichen Gewittern. Schon kleinste Ereignisse lösen eine Kettenreaktion aus. Betroffen ist vor allem die Lufthansa-Gruppe, deren Billig-Ableger Eurowings rund 70 Jets von Air Berlin bekam und den damit verbundenen Aufwand offensichtlich unterschätzte.

Der Frust der Kunden ist mittlerweile so groß, dass sich Lufthansa und ihr Billigableger Eurowings nun zu einer offiziellen Entschuldigung für die Situation genötigt sahen: „Uns ist bewusst, dass wir Ihnen leider nicht den Service bieten konnten, den Sie von uns als Premium-Airline erwarten dürfen und der unser Anspruch ist“, heißt es in einem Schreiben der „Hansa“ an ihre Vielflieger. Allein im ersten Halbjahr habe man mehr Flüge streichen müssen als im gesamten vergangenen Jahr.

Ähnlich die Wortwahl in dem Schreiben von Thorsten Dirks, im Konzernvorstand für Eurowings zuständig. „Sie sind zu Recht unzufrieden, und wir sind es auch.“ Und weiter: „Durch den sukzessiven Zulauf weiterer Flugzeuge erwarten wir wieder einen zuverlässigeren Flugbetrieb. Der aufwendige Transfer früherer Air-Berlin-Flugzeuge wird Ende Juli abgeschlossen sein.“

Die Situation zeigt, wie komplex die Konsolidierung über den Wolken abläuft. Wer dieser Tage Luftfahrtkongresse besucht, hört daher vor allem eines von den Airline-Managern: Die Konsolidierung in Europa hat gerade erst begonnen.

„In den USA kontrollieren die vier größten Airlines über 80 Prozent des Marktes“, beschrieb Oliver Wagner, Chief Commercial Officer von Eurowings, auf dem „Aviation Event“ am vergangenen Donnerstag das, was Europa noch bevorsteht.

Zumindest zwei weitere Übernahmeziele sind schon namentlich bekannt. Da ist zum einen Alitalia, seit über einem Jahr unter Insolvenzverwaltung. Das Problem: Die rechtspopulistische neue Regierung in Italien denkt darüber nach, die Airline wieder zu verstaatlichen. Damit würden die bekannten Interessenten, darunter etwa Lufthansa und Easyjet, leer ausgehen.

Und da ist der Billiganbieter Norwegian. Nachdem zunächst die britisch-spanische Airlineholding IAG Interesse an einem Einstieg bekundet hatte, tauchten Gerüchte über ein Interesse auch von Ryanair auf. Hier ist die Lage unübersichtlich. Ryanair dementiert Gespräche mit Norwegian, während Norwegian-Chef Björn Kjos diese bestätigt.

Seit einer entsprechenden Aussage von Lufthansa-Chef Carsten Spohr ist auch die deutsche Airline als potenzieller Käufer im Rennen. „Jeder redet mit jedem. Das heißt, dass wir auch mit Norwegian in Kontakt stehen“, hatte der oberste Lufthanseat erklärt. Branchenkenner und auch Insider bei Lufthansa gehen allerdings nicht davon, dass die „Hansa“ tatsächlich ein ernstes Angebot vorlegen wird.

Man werde sich nicht auf einen Bieterwettbewerb einlassen, stellte daraufhin IAG-Chef Willie Walsh klar. Allerdings habe er auch noch nicht gehört, dass Lufthansa wirklich ein Gebot abgeben werde. Norwegian-Chef Kjos dürften die Gerüchte gleichwohl gefallen. Er will mehr rausholen und hat zwei Offerten von IAG abgelehnt.

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